Holger Rommel vor der Einfahrt zur Penny-Tiefgarage in Möhringen, die sich unter seiner Wohnung befindet – dort steht auch der Verdichter. Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Holger Rommel wird seit Monaten durch Lärm sowie Infraschall um seinen Schlaf gebracht. Der Krach soll durch einen Penny-Kühlverdichter entstehen. Nun hat er Klage eingereicht.
Holger Rommel sitzt in seiner Wohnung in Stuttgart-Möhringen und zeigt auf sein Bett, das er mit Dämmmaterial vom Boden entkoppelt hat. Es sieht aus, als stehe es erhöht auf Spülschwämmen. „Ich kann mich dem nicht entziehen. Das ist wie eine Dauerbeschallung“, sagt der 51-Jährige. Seit Anfang 2024 findet er keinen Schlaf mehr – schuld ist seiner Überzeugung nach ein mangelhaft installierter Kühlverdichter im Keller des Penny-Markts direkt unter seiner Wohnung.
Rommel wohnt seit 22 Jahren in dem Gebäude, in dem früher ein Netto untergebracht war. Vor etwa fünf Jahren übernahm Penny die Räumlichkeiten. Zunächst lief das problemlos – bis 2024 plötzlich Geräusche aus dem Kellerraum kamen.
„Die Anlage ist nicht entkoppelt“
Nach zahlreichen Beschwerden an den Penny-Supermarkt und einer langwierigen Suche nach der Ursache seinerseits ist sich Rommel inzwischen sicher, den Übeltäter gefunden zu haben, nämlich besagten Verdichter. Rommels Anwalt, der nicht namentlich genannt werden möchte, erklärt, was seiner Meinung nach die technische Ursache ist: „Dieser halbhermetische Kolbenverdichter ist aus unserer Sicht nicht fachgerecht installiert worden. Die Rohre sind relativ lumpig verlegt, die Schellen zu fest angezogen. Die ganze Anlage ist nicht entkoppelt. Es fehlt eine Schallschutzhaube, einfach keine Schallschutzmaßnahmen.“ Dadurch würden Vibrationen und Infraschall erzeugt, die sich auf die Wohnungen übertragen. „Dieser Kolbenverdichter wird insbesondere nachts betrieben und erzeugt niederfrequente Schwingungen, die den Körper sehr belasten.“
Rommels Anwalt schildert die gesundheitlichen Folgen: „Er kann nicht schlafen, hat schon einen Zahn verloren, weil er nachts mit den Zähnen knirscht.“ Die Diagnose: Kieferdysfunktion (CMD). Rommel selbst beschreibt seinen Leidensweg so: „Im Dezember und Januar war es extrem. Ich hatte vier Zahnschäden innerhalb von einer oder zwei Wochen.“ Sein Zahnarzt bestätigte in einem Attest die Zusammenhänge und stellte fest, dass Rommel zuvor nie auffällig war mit CMD. „Ich schlafe seit Monaten fast gar nicht mehr und muss starke Schmerz- und Schlafmittel nehmen. Psychopharmaka. Und damit schlafe ich ein, zwei Stunden. Jede Nacht ist der Horror.“
Holger Rommel hat sein Bett durch Dämmmaterial quasi entkoppelt. Foto: privat
Nach einer Begehung mit Penny-Vertretern Ende November 2025 wurde zwar eine Lüftung repariert, das Problem aber blieb laut Rommel bestehen. Am 14. Januar 2026 kam das Umweltamt zur Messung. „Als der Mitarbeiter reinkam, hat er gleich festgestellt: Man hörte das Geräusch“, sagt Rommel. Die Lärmmessungen bewegten sich jedoch noch im Bereich der DIN-Norm. Das Ergebnis: „Wir sind bei 18,9 – ab 20 wäre es erheblich“, erklärt Rommel. Das Amt stellte das Verfahren ein. Doch Rommel sagt, das Messergebnis sei in seinem Fall nicht allein von Relevanz: „Ich wohnte vor Penny hier. Penny hat keinen Bestandsschutz. Ich habe im Gegenteil einen Prioritätenschutz.“
Am 18. Januar 2026 erstattete Rommel Strafanzeige wegen Körperverletzung bei der Polizei Möhringen. „Ich habe explizit um Strafverfolgung gebeten“, sagt er. Sein Anwalt verfasste im Februar ein Schreiben an Penny, in dem er das Unternehmen aufforderte, bis 17. Februar die Störungsquelle zu beseitigen. „Darauf kam bis heute noch keine Reaktion.“ Der Anwalt hat nun Klage eingereicht.
Auf Anfrage äußert sich auch Penny zu dem Fall: „Zunächst bedauern wir, dass Herr Rommel nach eigenem Bekunden unter körperlichen Beschwerden leidet. Seitens Penny sind wir uns aber sicher, dass die wahrgenommene Lärmbelästigung nicht von Penny ausgeht“, sagt Andreas Krämer, Leiter Unternehmenskommunikation und Mediensprecher Penny. Das Unternehmen habe bereits im vergangenen Jahr auf freiwilliger Basis umfassende Maßnahmen initiiert, die die Lärmemissionen und Vibrationen noch weiter reduzieren: „Gerne können wir unsere Wahrnehmung durch einen unabhängigen Gutachter überprüfen lassen. Bereits vor den ergriffenen Maßnahmen erfüllten unsere Anlagen sämtliche baurechtlichen Aspekte.“ Mehr könne er in Anbetracht der eingereichten Klage derzeit zu dem Vorgang nicht sagen.
Holger Rommels Freundin rät ihm wegzuziehen: „Sie sagt: ‚Du hast keine Chance gegen die’.“ Doch Rommel will bleiben. „Wir wohnen gerne hier. Wir zahlen für Stuttgarter Verhältnisse wenig Miete.“ Momentan arbeitet er nicht. „Ich war zuvor selbstständig im Bereich Antikes. Das kann ich gerade nicht mehr machen. Dafür recherchiere ich jeden Tag an meinem Fall“, sagt Rommel. „Ich bin der kleine Mann. Ich kämpfe gegen ein Milliardenunternehmen. Aber ich gebe nicht auf. Ich kämpfe um mein Recht auf Schlaf, auf körperliche Unversehrtheit und um meine Gesundheit.“