Wohnungen und Arztpraxis auf Plochinger Hirschgrill-Areal Stadtbau Plochingen geht an den Start
Mit ihrer neu gegründeten Tochter will die Stadt Plochingen 16 bis 20 Mietwohnungen und eine Arztpraxis auf dem Hirschgrill-Areal realisieren.
Mit ihrer neu gegründeten Tochter will die Stadt Plochingen 16 bis 20 Mietwohnungen und eine Arztpraxis auf dem Hirschgrill-Areal realisieren.
Plochingen - Mit der Entwicklungsgesellschaft Stadtbau Plochingen GmbH & Co. KG und der Stadtbau Plochingen Verwaltungs GmbH hat sich die Stadt Plochingen das Instrument in die Hand gegeben, auf dem Wohnungsmarkt selbst eine aktivere Rolle zu übernehmen. Sie will die drei leer stehenden Gebäude Brühlstraße 10-12 und Esslinger Straße 30 auf dem zentralen Hirschgrill-Areal, das ihr bereits gehört, abbrechen lassen und in Eigenregie zwei neue Häuser mit 16 bis 20 Wohnungen, einer Arztpraxis und einer Tiefgarage bauen. Damit möchte sie das knapp 1400 Quadratmeter große Grundstück sowohl in der Nutzung als auch im Erscheinungsbild aufwerten und bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung stellen. Etwa 30 Prozent des Wohnungsbestands sollen Sozialwohnungen werden. Der Gemeinderat hat der Gründung der Gesellschaft und dem Wirtschaftsplan bei einer Enthaltung zugestimmt.
Die Stadtbau Plochingen ist als hundertprozentige Tochter der Stadt konzipiert, und wird von einem Beirat kontrolliert. An dessen Spitze steht der Bürgermeister Frank Buß, zudem sind die drei Fraktionen mit ihren Vorsitzenden Joachim Hahn (SPD), Constanze Hapke-Amann (OGL) und Reiner Nußbaum (CDU in dem Gremium vertreten. Als Geschäftsführer fungieren der Kämmerer Michael Hanus und der Stadtbaumeister Wolfgang Kissling. Die Eigeninitiative ist eine Säule des Masterplans Wohnen, mit dem die Stadt dem angespannten Markt begegnen will. Sie baut dabei nicht nur auf die weitere Flächenentwicklung, sondern auch auf andere Maßnahmen. So haben die Stadträte zum Beispiel eine Wohnungstauschbörse auf den Weg gebracht.
Im Zuge dieses Masterplans war in Plochingen aber auch die Erkenntnis gereift, „selber als aktiver Player“ auf dem Markt auftreten zu müssen, woran der Bürgermeister Frank Buß jetzt noch einmal erinnert hat. Zumal die Stadt mit dem Hirschgrill-Areal, das nach dem gleichnamigen Bistro benannt und für die neuen Zwecke zum „Areal Brühlstraße“ veredelt wurde, eine zentrale Fläche zur Weiterentwicklung in der Hand hat. Dort will sie jetzt auf einer Mietfläche von 1600 Quadratmetern nachhaltigen Wohnraum auf KfW55-Standard und in hoher städtebaulicher Qualität schaffen, der dennoch erschwinglich sein soll. 1,85 Millionen Euro bringt sie mit den Grundstücken und als Bareinlage in die Finanzierung ein, knapp 7,4 Millionen Euro muss sie fremd finanzieren. Zudem rechnet sie mit 1,3 Millionen Euro an Fördermitteln. Langfristig soll sich das Objekt, das ab Frühjahr 2024 bezogen werden soll, selbst tragen.
Über die Grundstücke hinaus wird die Stadt insgesamt 1,25 Millionen Euro aus dem Kernhaushalt in die Stadtbau Plochingen GmbH & Co. KG und in die Stadtbau Plochingen Verwaltungs GmbH einbringen – darunter knapp 1,2 Millionen Euro in das Eigenkapital der Stadtbau Plochingen GmbH &Co. KG. Finanziert werden sie über Grunderwerbsmittel aus den Jahren 2020 und 2021. Im Gesellschaftsvertrag sind ausdrücklich Erwerb, Entwicklung, Bebauung, Vermietung, Verkauf und Verwaltung von Grundstücken als Zweck hinterlegt. Und das mit dem vorrangigen Ziel, „bezahlbaren Wohnraum im Stadtgebiet zur Verfügung zu stellen“. Die Stadtbau kann aber auch „andere Geschäfte betreiben, die geeignet sind oder nützlich erscheinen, um den Zweck der Gesellschaft direkt oder indirekt zu fördern“. Ralf Krasselt (CDU) hält es angesichts des angespannten Wohnungsmarkts für wichtig, dass die Stadt bei so einem zentralen Projekt selbst in die Realisierung einsteige, zumal sie mit eigenen Wohnungen bislang eher unterdurchschnittlich ausgestattet sei. „Mehr Wohnungen in Eigenverantwortung oder als Wohnungen, in denen wir den Daumen drauf haben“ – das will auch Thomas Fischle (SPD), der wie Krasselt das Hirschgrill-Areal als Pilotprojekt für weitere städtische Bauvorhaben sieht. Constanze Hapke-Amann, Fraktionschefin der OGL, sieht ebenfalls mit Wohlgefallen, dass die Stadt durch die Realisierung des Vorhabens in Eigenregie mehr Wohnungen in ihren Bestand bekomme. Das sei nicht zuletzt wichtig, um in der Wohnungstauschbörse auch etwas anbieten zu können.
Lediglich Klaus Hink (fraktionslos) hatte Bedenken, ob die Wohnungen im Hirschgrill-Areal tatsächlich günstiger ausfallen werden. Angesichts der Bau- und der Beraterkosten müsse der Quadratmeterpreis aus wirtschaftlichen Gründen zweistellig werden, befürchtet er. Hink: „Das ist kein Projekt, das bezahlbaren Wohnraum schaffen wird.“