Die Soziale Stadt Hallschlag mit einem Fördervolumen von bisher 22 Millionen Euro, der Stadtbahnanschluss über die U 12, das Römerkastell oder das neue Nachbarschaftszentrum – die Entwicklung des Hallschlags von einem sozialen Brennpunkt zu einem lebenswerten Quartier hat viele Namen. Dazu zählt auch die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebau GmbH (SWSG), die ihren Bestand in den vergangenen Jahren für mehr als 100 Millionen Euro auf Vordermann gebracht und jede Menge neuen Wohnraum geschafft hat.
Daimlersiedlung für 50 Millionen Euro gekauft
Das zweite große, auf dem Hallschlag aktive Wohnbauunternehmen ist die Gesellschaft für Wohnungs- und Gewerbebau Baden-Württemberg AG (GWG). Das Unternehmen, das 1950 gegründet wurde, ist das Wohnungsunternehmen der R+V-Versicherungsgruppe und erregte in der Region im Jahr 2008 Aufsehen. Damals kaufte die GWG die sogenannte Daimlersiedlung für rund 50 Millionen Euro. Verkäufer der Wohnungen war die Wohnstätten Sindelfingen GmbH. Das Unternehmen hatte sich zur Veräußerung entschlossen, weil die Daimler AG als Mitgesellschafter Ende 2007 aus der Wohnstätten GmbH ausgestiegen war. Heute besitzt die GWG auf dem 8,8 Hektar großen Areal in den acht Reihenhäusern, den zwei kleineren Hochhäusern (Baujahr 2014) sowie in den beiden markanten 14-geschossigen „Hochhausscheiben“ insgesamt 820 Wohneinheiten.
Rahmenplan Hallschlag als Grundlage
„Die GWG will auf ihren Flächen in den kommenden Jahren investieren“, sagt Corinna Althanns vom Stadtplanungsamt. Neben insgesamt rund 270 neuen Wohneinheiten soll für das Gebiet eine städtebauliche und landschaftsarchitektonische Gesamtkonzeption entwickelt werden. Für den städtebaulichen Planungswettbewerb wurden 14 Arbeitsgemeinschaften ausgewählt. Der Sieger soll im Herbst bestimmt werden. „Als Grundlage dient der Rahmenplan Hallschlag“, betont Althanns. Der war 2020 vom Gemeinderat beschlossen worden und bildet als Gesamtkonzept die Grundlage für die städtebauliche und verkehrstechnische Entwicklung des Cannstatter Stadtteils und allen damit verbundenen künftigen Maßnahmen. Auf die Neubebauung wird das Stuttgarter Innenentwicklungsmodell (SIM) angewandt (30 Prozent geförderter Wohnungsbau und zehn Prozent Sonderwohnformen). Was schon fest steht: Für das Gebiet muss ein neuer Bebauungsplan erstellt werden.
Öffentliche Räume neu gestalten
Für die GWG arbeitet Frederik Lutz bereits seit fünf Jahren an dem Projekt Hallschlag. „Wir wollen jedoch nicht nur attraktiven und bezahlbaren Wohnraum schaffen, sondern haben auch das Wohnumfeld im Blick“, sagte der Projektentwickler. Die ehemalige Daimlersiedlung verfüge zwar über viele Grünbereiche, allerdings gebe es doch einiges zu verbessern, unter anderem die Wegebeziehungen zur Stadtbahnhaltestelle Bottroper Straße. „Ein Schwerpunkt liegt sicher in der Neugestaltung der öffentlichen Räume, aber immer unter Berücksichtigung der Anforderungen an eine nachhaltige Mobilität und Klimaanpassung“, sagt Frederik Lutz.
Neue Tiefgarage geplant
So groß das Gebiet auch ist, allein schon die bestehenden Tiefgaragen mit insgesamt fast 600 Stellplätzen verhindern, dass sich Landschaftsarchitekten auf den Flächen zwischen den beiden Hochhäusern austoben können. Hier steht zudem mittelfristig Abriss und Sanierung auf der GWG-Agenda. Allerdings ist im Bereich der acht Reihenhäuser im Zuge der dort geplanten Neubauten eine neue Tiefgarage geplant.
Stadt legte Veto ein
Das Vorhaben des Wohnbauunternehmens, das in sechs Bauabschnitte unterteilt ist, stieß sowohl im Bezirksbeirat als auch im Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik auf Zustimmung. Einziger Streitpunkt war eine kleine Fläche auf dem Planungsgebiet, das sich nicht im Besitz der GWG befindet, sondern der Stadt gehört. Sie liegt an der Rostocker Straße direkt an der Einfahrt zu den acht Reihenhäusern. Zwar hätte der Investor laut seinem Projektentwickler dort gerne ebenfalls Wohnungen gebaut, doch die Stadt hatte in den „Sondierungs- und Machbarkeitsgesprächen“ ihr Veto eingelegt. „270 Einheiten sind eine gute Zahl für das Gebiet, die kleine Grünfläche mit dem Baumbestand soll deshalb erhalten bleiben“, so die Stadtplanerin Corinna Althanns.
Antrag für mehr Wohnungsbau abgelehnt
Angesichts der Wohnungsnot in Stuttgart eine für die CDU, FDP und Freien Wähler völlig unverständliche Entscheidung, die bereits im Bezirksbeirat Debatten ausgelöst hatte. Doch ihr gemeinsamer Antrag, dieses Flurstück mit in den Planungswettbewerb zu integrieren und weitere fast 30 Wohnungen zu ermöglichen, wurde im Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik mehrheitlich abgelehnt.