Wohnungsbau in Bietigheim-Bissingen stockt Layher weigert sich Gebäude abzureißen – jetzt gibt es eine Rattenplage

Während im Hintergrund schon neue Wohnhäuser stehen, wirken die Gebäude, die dem Besigheimer Bauunternehmen Layer auf dem ­ Lothar-Späth-Carré gehören, verlassen. Ungeziefer ist dort immer wieder ein Problem. Foto: /Andreas Essig

Statt einer grünen Mitte und neuen Wohnhäusern gibt es in auf einer prominenten Fläche in Bietigheim-Bissingen (Kreis Ludwigsburg) Probleme mit Ratten und Obdachlosen. Das Unternehmen Wohnbau Layher ist im Streit mit der Stadt.

Ludwigsburg: Frank Ruppert (rup)

Beim Bietigheimer Bahnhof sollen auf einer Fläche von 4,5 Hektar insgesamt 420 Wohnungen entstehen. Die südliche Hälfte des Lothar-Späth-Carrés ist bereits bebaut. Auf den zwei Hektar sind laut Stadtverwaltung 190 Wohneinheiten entstanden. Aber die weiteren Bauabschnitte sind ins Stocken geraten. Hintergrund ist ein Streit zwischen dem Besigheimer Wohnbauunternehmen Layher und der Stadt Bietigheim-Bissingen.

 

Layher weigert sich Gebäude abzureißen

„Die Aufteilung auf dem Lothar-Späth-Carré ist in etwa so, dass 60 Prozent der Fläche von der Bietigheimer Wohnbau und je 20 Prozent von den Firmen Strenger und Layher bebaut werden soll“, sagt Carsten Schüler, Geschäftsführer der Bietigheimer Wohnbau (BW), einem Tochterunternehmen der Stadt Bietigheim-Bissingen.

Mit dem Teil der Firma Layher gibt es Probleme. Während rundherum neue Häuser der Bietigheimer Wohnbau entstehen, weigert sich Layher, die heruntergekommenen Bestandsgebäude auf seiner Fläche zu B 27 hin abzureißen.

Deshalb kam es dort zu einer Rattenplage, und laut Stadt nutzen nun auch Obdachlose die leer stehenden Gebäude an der Stuttgarter Straße, um Unterschlupf zu finden. „Sowohl die Stadt selbst wie auch das Landratsamt Ludwigsburg haben festgestellt, dass dort extrem unhygienische Zustände (Unrat, verdorbene Lebensmittel) herrschen und deshalb von einer akuten Gesundheitsgefährdung für die umliegende Bevölkerung ausgegangen werden muss“, teilt Anette Hochmuth, Leiterin des Presseamts der Stadt Bietigheim-Bissingen, mit.

Hinterlassenschaften von Obdachlosen beseitigen

Im Vordergrund sieht man eines der brachliegenden Häuser von Layher, im Hintergrund eingerüstet die neue Firmenzentrale der Wohnbau Bietigheim. /Frank Ruppert

Die Zustände dort sind auch den Stadträten längst bekannt. Thomas Reusch-Frey, Fraktionsvorsitzender der SPD, spricht vom „größten Schandfleck“ der Stadt. Andere Fraktionsvorsitzende äußern sich ähnlich und teilen die Verwaltungsposition. Im Rathaus findet man deutliche Worte für das bisherige Verhalten der Firma Layher. Die Firma sei „unkooperativ“ und wolle „ausschließlich ihren Willen durchsetzen“, erklärt Anette Hochmuth.

Das Unternehmen Layher hingegen hat nach eigenen Angaben einen Sicherheitsdienst beauftragt und sichert in einem dieser Zeitung vorliegenden aktuellen Schreiben an die Stadt nun zu, den Müll und die von Wohnsitzlosen eingebrachten Betten und Teppiche entsorgen zu lassen.

Leerstand als Druckmittel

Aber was will Layher eigentlich? Die Besigheimer sind wohl mit den Möglichkeiten der Bebauung für ihre Grundstücke nicht zufrieden. Laut Carsten Schüler von der BW habe er deswegen Layher auch einen Grundstückstausch angeboten, damit Bewegung in die Sache komme und Layher im größeren Volumen bauen könne – ein Großteil der Layher-Fläche gehört zur geplanten grünen Mitte des Lothar-Späth-Carrés, ein anderer ist gewerblich genutzt. „Dann wollte Layer aber nicht, wie wir bei unseren Gebäuden vier-, sondern sechsgeschossig bauen. Da habe ich das Angebot natürlich wieder zurückgezogen“, sagt Schüler.

Von links: Carsten Schüler, Geschäftsführer, und Werner König, Abteilungsleiter Bauträger-Neubau-Umlegung und Erschließung von der Bietigheimer Wohnbau im fast fertigen Teil des Lothar-Späth-Carrés. /Andreas Essig

Von Geschäftsführer Stefan Layher ist zu hören, dass man sich einen runden Tisch mit den Fraktionsvorsitzenden wünscht, dieser Bitte werde aber nicht nachgekommen. Wenngleich es Gespräche zwischen Verwaltungsspitze und dem Wohnbauunternehmen gibt, lehnt die Stadt einen runden Tisch mit Fraktionsvorsitzenden ab. „Die Vorstellung von Layher widersprechen den vom Gemeinderat beschlossenen städtebaulichen Zielen in einem Maße, die nicht verhandelbar sind“, sagt Anette Hochmuth. Die Einschätzung in der Stadt ist wohl, dass die Firma Layher, die nach eigenen Angaben in der Stadt „umfangreiche, leer stehende Grundstücke zur Wohnbebauung“ hat, das Lothar-Späth-Carré und dessen prominente Lage als Druckmittel nutzt, ihre Interesse auf anderen Gebieten durchzusetzen.

Weitere Wohnungen wären möglich

Eine reichlich zerfahrene Situation, aber die aktuelle Zusage Layhers, den Unrat entfernen zu lassen, könnte die Stadt als das geforderte Signal des guten Willens erkennen. Grundsätzlich seien nämlich „moderate Anpassungen der Bebauungsplanvorgaben nicht ausgeschlossen“. Nach der Sommerpause will sich der Ältestenrat im Bietigheim-Bissinger Gemeinderat mit der Thematik befassen.

Das Lothar-Späth-Carré im Plan. Unten begrenzt die mehrspurige B27 das Gelände, links die Häuser entlang der Freiberger Straße. Foto: Stadt Bietigheim-Bissingen

Die Bietigheimer Wohnbau errichtet derweil fleißig ihre neue Firmenzentrale in direkter Nachbarschaft zu den Abbruchhäusern und will diese im ersten Quartal des Jahres 2025 fertig stellen. Wie es danach weitergeht, müsse die Stadt bestimmen. Hinter der Firmenzentrale böte sich laut Bietigheimer Wohnbau die Möglichkeit, weitere Wohnungen zu errichten. Den Teil könnte die BW dann auch noch ohne den Mitbewerber Layher umsetzen.

Das Lothar-Späth-Carré

Prominent
Direkt an der B 27, gegenüber des Bietigheimer Bahnhofs ist das Lothar-Späth-Carré gelegen. Es ist nach dem früheren Ministerpräsidenten benannt, weil er in Bietigheim Bürgermeister war. Auf etwa 4,5 Hektar sollen insgesamt 420 Wohnungen entstehen, 50 preisgebunden.

Nachhaltig
An der Ecke Stuttgarter / Freiberger Straße entsteht derzeit die neue Zentrale der Bietigheimer Wohnbau. Das schon jetzt imposante Gebäude soll nach Fertigstellung im kommenden Jahr Strom und Sauerstoff produzieren, Wasser klären und wiederverwenden, CO2 binden und zur Luftreinhaltung sowie Biodiversität in der Stadt beitragen. Auch ein Kindergarten findet darin Platz und die Fassade wird begrünt.

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