InterviewWohnungsbau in Stuttgart-Fasanenhof „Wir können das nicht befürworten“

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Der Stuttgarter Gemeinderat hat den Weg frei gemacht für die ungeliebte Nachverdichtung in Stuttgart-Fasanenhof. Sind die Menschen vor Ort nun die Verlierer?

Bezahlbare Wohnungen werden in Stuttgart dringend benötigt. Doch wo sollen sie gebaut werden? Foto: dpa/Britta Pedersen
Bezahlbare Wohnungen werden in Stuttgart dringend benötigt. Doch wo sollen sie gebaut werden? Foto: dpa/Britta Pedersen

Fasanenhof - Wenn schon Wohnungsbau, dann verträglich. Dafür hat der Bürgerverein Fasanenhof jahrelang gekämpft. Am aktuellen Entwurf für den Ehrlichweg übt er scharfe Kritik. Eckhard Benner, Verantwortlich für das Thema Nachverdichtung, erklärt im Interview mit unserer Zeitung warum.

Der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan Ehrlichweg ist gefasst. Inwiefern kann der Bürgerverein befürworten, was jetzt geplant ist?

Der Bürgerverein war von Beginn an der Auffassung, dass das Quartier rund um den Ehrlichweg das denkbar ungeeignetste Gebiet für eine Nachverdichtung im Fasanenhof ist. An dieser Einschätzung hat sich nichts geändert. Im Verlauf des Verfahrens haben wir uns mit den Ausarbeitungen der Stadtverwaltung und auch dem Ergebnis des Wettbewerbsverfahrens auseinandergesetzt. Da klar ist und war, dass gebaut werden soll, haben wir uns dann für eine verträgliche Nachverdichtung eingesetzt und das Ergebnis des Wettbewerbsverfahrens als eine solche bezeichnet. Da der derzeitige Plan dem nicht entspricht, können wir den jetzt gefassten Beschluss auch nicht befürworten.

Was genau sind die Kritikpunkte?

Zentraler Kritikpunkt am jetzt gefassten Beschluss ist das fünfstöckige Punkthaus. Dieser Standort deckt sich weder mit dem städtebaulichen Grundkonzept des Fasanenhofs noch mit der Idee einer auf Integration setzenden Stadtentwicklung. Das Punkthaus wird sich für die Bewohnerinnen und Bewohner der dahinterliegenden drei Wohngebäude städtebaulich und sozial ausgrenzend auswirken.

Der Bürgerverein hat den Prozess immer eng begleitet und sich stets gegen dieses fünfstöckige Gebäude ausgesprochen. Hat der Bürgerverein verloren?

Wir denken nicht in Kategorien von Sieger und Besiegtem. Unser Anliegen ist die positive Weiterentwicklung des Fasanenhofs, deren Ausgangspunkt die sozialen, ökologischen und städtebaulichen Bedarfe der gegenwärtigen und zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohner sind. Zum jetzigen Stand des Verfahrens ist ja noch nichts endgültig fixiert. Noch stehen die Abstimmungen des zuständigen Ausschusses des Gemeinderats und die des Bezirksbeirats zum jetzt auszuarbeitenden Bebauungsplan bevor. Diese werden in etwa zwei bis drei Jahren auf deren Tagesordnungen stehen. Wir werden uns bis dahin mit Gesprächen, Stellungnahmen und anderen Aktionen kritisch-konstruktiv dafür einsetzen, dass es im Quartier Ehrlichweg noch zu einer verträglichen Umsetzung der Nachverdichtung kommt.

Was braucht es für eine verträgliche Nachverdichtung ?

Zuallererst ist es notwendig, dass jedes weitere Vorhaben – wozu auch das Vorhaben am Logauweg gehört – erst einmal Gegenstand eines Gesamtkonzepts der positiven ökologischen, sozialen und städtebaulichen Weiterentwicklung ist. Daraus ergibt sich, dass zentraler Baustein dieses Gesamtkonzepts die ergebnisoffene Bürgerbeteiligung ist, an der alle Gruppen aktiv beteiligt werden. Wie dabei vorgegangen werden kann, zeigt nicht zuletzt die Beteiligung der Bewohnerinnen und Bewohner im Projekt Soziale Stadt.

Wie wird sich der Bürgerverein bei diesem Thema weiter engagieren?

Wir wollen die Entscheidungsträger für ein Gesamtkonzept der positiven Weiterentwicklung gewinnen und gehen dabei natürlich davon aus, dass allen Entscheidungsträgern Bürgerbeteiligung und positive Stadtentwicklung ein ernsthaftes Anliegen sind und sie den Interessenausgleich suchen. Mit dieser Haltung gehen wir weiterhin auf die Entscheidungsträger aktiv zu und stehen diesen ebenso für den Austausch zur Verfügung. Denn wir sind davon überzeugt, dass ein kritisch-konstruktives Miteinander die besten Lösungen hervorbringt.

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