Auch in Bad Cannstatt fehlt bis zum Jahr 2030 eine deutliche Zahl an barrierefreiem Wohnraum mit Unterstützungs- und Betreuungsleistungen und einem sozialen Angebot. Der Evangelische Verein Bad Cannstatt möchte bereits seit einigen Jahren diesem Mangel entgegenwirken. Auf dem vereinseigenen Parkplatz an der Überkinger Straße in Nachbarschaft zu den Bestandsgebäuden sollen auf etwa 1340 Quadratmetern rund 60 Ein- und Zwei-Zimmerwohnungen, eine Dachterrasse sowie ein Gemeinschaftsraum entstehen. Die Gebäudehöhe beträgt maximal 20 Meter. Das Gebäude sollte zum Neckardamm hin geöffnet und durch einen Verbindungsgang zur benachbarten Stadtmühle angebunden sein.
Der Evangelische Verein ging bei seinen ursprünglichen Planungen von 12,5 Millionen Euro Kosten aus. Doch aus der zügigen Umsetzung mit der erhofften Fertigstellung im nächsten Jahr wurde nichts, denn die Stadtverwaltung lehnte Anfang 2022 eine Bauvoranfrage ab. Der Grund war damals das fehlende Baurecht.
Wettbewerb ist entschieden
Doch die Vereinsverantwortlichen blieben am Ball und knapp zwei Jahre später nimmt das Projekt nun Formen an. Nachdem der Gemeinderat im vergangenem Frühjahr einem Wettbewerb zugestimmt hatte, wurde jetzt der Sieger gekürt. Insgesamt haben fünf Architektenbüros ihre Entwürfe eingereicht. Bei der Umsetzung standen neben der Einbeziehung der städtischen Rahmenbedingungen auch Kriterien wie Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit, die Qualität der städtebaulichen Konzeption, Förderung des sozialen Miteinanders oder Klimaschutz im Vordergrund. Der erste Platz ging an das Architekturbüro Drei Architekten, Konsek Streule Vogel Partnerschaft mbB aus Stuttgart.
Die Bewertungskommission hat sich für diesen Entwurf entschieden, da er sich sehr gut in das Erscheinungsbild der Umgebung einfügt. „Dem Ziel, auf unserem Grundstück zeitgemäßes Wohnen im Alter zu ermöglichen, sind wir einen großen Schritt nähergekommen“, sagt Roman Schaupp, der Erste Vorstand des Evangelischen Vereins. „Die Aufgabenstellung des Wettbewerbs war anspruchsvoll. Denn es galt, einen zeitgemäßen und respektvollen Umgang mit dem Bestand zu finden und gleichzeitig einen baulichen und überzeugenden Akzent zu setzen“, betont Corinna Althanns, die Leiterin Abteilung Städtebauliche Planung Neckar beim Amt für Stadtplanung und Wohnen.
30 Prozent geförderter Wohnungsbau
Laut der Beschlussvorlage für den Wettbewerb sind die Wohnungen als Mietwohnungen geplant, wobei das Stuttgarter Innenentwicklungsmodell (SIM) zum Tragen kommt. 30 Prozent der neu geschaffenen Geschossfläche für Wohnen sind somit für den geförderten Wohnungsbau vorzusehen. Ziel der Stadt ist natürlich auch, dass ein klimaneutraler Bau oder ein Plusenergiegebäude entsteht. Neben viel Grün ist auf dem Dach auch eine Photovoltaik-Anlage vorgesehen. Die Fassade ist zu 30 Prozent zu begrünen.
Für die Umsetzung des Bauvorhabens ist ein neuer Bebauungsplan nötig. Das Verfahren soll nach dem Wettbewerb gestartet werden. Damit das Bauvorhaben zügig umgesetzt werden kann, wurde das Grundstück von der Gesamtentwicklung des Mühlgrüngebiets „entkoppelt“.
Wie bereits berichtet, plant die Stadt für die Flächen zwischen der Wilhelmsbrücke und der Nauheimer Straße einen landschaftlichen Realisierungswettbewerb mit einem städtebaulichen Ideenteil.