Wohnungsbau in Stuttgart-Ost Im Raitelsberg sinken Mieten durch Sanierung

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Die SWSG modernisiert ab Oktober 39 Wohnungen – und kann sie dank Förderung günstiger als bisher anbieten. Einziehen dürfen aber nur Menschen mit Wohnberechtigungsschein.

Die SWSG-Gebäude an der Abelsbergstraße im Raitelsberg (linke Straßenseite) sollen vom Herbst bis März 2021 saniert werden. Foto: Jürgen Brand
Die SWSG-Gebäude an der Abelsbergstraße im Raitelsberg (linke Straßenseite) sollen vom Herbst bis März 2021 saniert werden. Foto: Jürgen Brand

S-Ost - Bei Mietern gehen normalerweise alle Alarmsirenen an, wenn der Wohnungseigentümer Sanierungen ankündigt. Meistens bedeutet das für die Mieter deutliche Mieterhöhungen, die Vorgehensweise des Vonovia-Konzerns ist ein abschreckendes Beispiel dafür. Die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft mbH (SWSG) hat jetzt dagegen eine Sanierung im Gebiet Raitelsberg angekündigt, nach der die Mieten sogar niedriger sein sollen – allerdings nur für Mieter mit Wohnberechtigungsschein der Stadt. Den haben aber die meisten.

739 Wohnungen der SWSG

Die Raitelsberg-Siedlung wurde von 1926 bis 1928 gebaut und befindet sich im Besitz der städtischen Wohnungsbaugesellschaft. Die SWSG hat in dem Viertel 739 Wohnungen, 731 davon sind belegungsgebunden, das heißt, sie werden nur an Wohnungssuchende mit Wohnberechtigungsschein vermietet. Öffentlich gefördert sind allerdings nur noch acht Wohnungen. Viele der Wohnungen im Raitelsberg sind längst in die Jahre gekommen und werden deswegen von der SWSG nach und nach saniert. Die letzte Sanierungsphase war in den Jahren 2004 bis 2005, die jüngste begann im Jahr 2016 und dauert noch an.

Im Oktober will die SWSG mit der grundlegenden Modernisierung der Wohnungen in den Gebäuden an der Abelsbergstraße 11 bis 21 beginnen. Lars Hoffmann, Prokurist und Bereichsleiter Bestandsmanagement bei der SWSG, listete im Bezirksbeirat Stuttgart-Ost am Mittwochabend eine ganze Reihe von gravierenden Mängeln auf: die Bäder wie überhaupt alle Installationen und Leitungen sind veraltet und müssen dringend erneuert werden, die Fallrohre weisen Schäden auf, auch die Kamine im Dachbereich.

Zwölf Cent weniger pro Quadratmeter

Da bei der Sanierung tief in die Gebäudesubstanz eingegriffen werden muss, können die Mieter in der Bauphase, die bis März 2021 geplant ist, nicht in ihren Wohnungen bleiben. Ihnen werden Ersatzwohnungen zur Verfügung gestellt, sie haben aber ein Rückzugsrecht. Die jeweiligen Umzugskosten werden von der SWSG übernommen.

Bisher bezahlen die Mieter in den veralteten Wohnungen im Raitelsberg nach Angaben von Hoffmann eine Kaltmiete von 7,64 Euro pro Quadratmeter. In den sanierten Wohnungen mit zeitgemäßen Grundrissen, modernen Bädern, Fernwärme und Elektro- statt Gasherden wird die Miete nur noch 7,52 € pro Quadratmeter betragen. Diese Zahlen sorgten im Bezirksbeirat für Überraschung – und erklären sich dadurch, dass die Sanierung der Wohnungen gefördert wird, also 39 neue Sozialwohnungen entstehen. Diese werden in Stuttgart bekanntlich dringend benötigt, es gibt viel mehr Menschen mit niedrigem Einkommen und Wohnberechtigungsschein als Sozialwohnungen.

Für andere SWSG-Wohnungen ein Euro Rabatt

Da die große Mehrheit der Mieter in der Abelsbergstraße 11 bis 21 unter der Einkommensgrenze liegen, ist ein nach der Sanierung ein Rück-Umzug für sie in ihre dann neuen alten Wohnungen kein Problem. Wer mehr verdient, darf allerdings keine Sozialwohnung belegen. Für diese wenigen Mieter versucht die SWSG, „eine akzeptable Alternative in der Nähe zu finden“, sicherte Lars Hoffmann im Bezirksbeirat zu. „Und das hat auch bisher schon in den meisten Fällen geklappt.“

Möglichkeiten dafür bieten zum Beispiel die erst jüngst sanierten Wohnungen in der Abelsbergsiedlung. Allerdings liegen die Kaltmieten in den dortigen frei finanzierten Wohnungen bei etwa 9,50 Euro pro Quadratmeter. Mieter ohne Wohnberechtigungsschein aus dem Raitelsberg, die deswegen nicht mehr in ihre sanierten alten Wohnungen zurück könnten, bekämen von der SWSG dann einen Rabatt von einem Euro pro Quadratmeter, würden also nur 8,50 Euro bezahlen.

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