ExklusivWohnungsbau in Stuttgart Wachstum endet am Stadtrand

Von Jörg Nauke 

Bisher gilt, dass Wohnungsbau nicht zu Lasten der Lebensqualität der Stadt gehen soll. Wenn das so bleiben solle, müsse sich die Stadtentwicklung in Stuttgart zwangsläufig nach innen richten, meint StZ-Autor Jörg Nauke.

Für den Mietervereinsvorsitzenden Rolf Gaßmann ist nicht jeder Acker schützenswert. Die Klimatologen sagen: Die frische Luft darüber schon, zumal in einer Stadt in Kessellage. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Für den Mietervereinsvorsitzenden Rolf Gaßmann ist nicht jeder Acker schützenswert. Die Klimatologen sagen: Die frische Luft darüber schon, zumal in einer Stadt in Kessellage. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Haus & Grund und Mieterverein sind sich neuerdings in einem Punkt einig: Nicht Immobilienspekulanten und Mietpreismaximalisten sind in erster Linie verantwortlich dafür, dass Stuttgart in den Ranglisten der teuersten Metropolen seinen Spitzenplatz behauptet, sondern Rathausspitze und Gemeinderat. Weil sie zu wenig Bauland auswiesen, könne der starken Nachfrage kein stärkeres und damit preisdämpfendes Angebot entgegengesetzt werden. Die Stadt provoziere mit ihrer Blockade eine Entwicklung wie in London oder New York, wo Angestellte zwei Stunden Fahrt benötigten, um zu ihrem Arbeitsplatz in der City zu gelangen. Das ungleiche Lobbyisten-Duo kritisiert zudem, dass die Stadt nicht einmal untersuche, wie viele Wohnungen eigentlich benötigt würden und welche Größen besonders gefragt seien.

Die Stadt muss mehr Grundstücke kaufen und bebauen

Richtig ist, dass die öffentliche Hand den Wohnungsbau vernachlässigt hat. Das fällt vor allem Großstädten auf die Füße, deren Wirtschaft prosperiert. Dort ist Wohnraum aber schon immer knapp. Natürlich muss Stuttgart mehr tun; etwa mehr innerstädtische Flächen kaufen und dafür sorgen, dass dort günstig gebaut wird. Die Forderung nach einer Bedarfsanalyse dürfte eher erfüllt werden als die nach einer Potenzierung der Bautätigkeit.

Um gegen den Markt zu agieren, fordert die Allianz von Hausbesitzern und Mietern Wohnungsbau in einem Ausmaß, der mit dem vorhandenen Flächenpotenzial gar nicht zu stemmen wäre. Die zur Sollerfüllung zusätzlich nötige Versiegelung von Grünflächen am Stadtrand kollidiert mit dem Ziel, Stuttgart müsse sich in Zeiten des Klimawandels seine hohe Lebensqualität bewahren. Nachhaltige Stadtentwicklung muss sich deshalb nach innen richten.

Welche Gründe hat es, dass die Mieten in Stuttgart so hoch sind? Was unterscheidet die Landeshauptstadt dabei von anderen Städten? Sehen Sie die Antworten im Erklärvideo von StuggiTV:

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