Wohnungslosigkeit in Stuttgart Dringend die kommunale Pflichtaufgabe erfüllen

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Es ist ein nicht ganz neues Thema, dass die Großstädte in den Ballungsräumen Lasten für ihr Umland zu tragen haben, für die sie von den Mittelstädten und Landkreisen keinen Ausgleich bekommen. Doch auch die Landkreise und die kleineren Städte müssen das Problem aktiver angehen, meint StZ-Redakteur Mathias Bury.

Ehe Menschen obdachlos werden, muss der Staat Betroffenen Wohnraum anbieten. Foto: dpa
Ehe Menschen obdachlos werden, muss der Staat Betroffenen Wohnraum anbieten. Foto: dpa

Stuttgart - Es ist ein nicht ganz neues Thema, dass die Großstädte in den Ballungsräumen Lasten für ihr Umland zu tragen haben, für die sie von den Mittelstädten und Landkreisen keinen Ausgleich bekommen. Das gilt für verschiedene Felder der Infrastruktur, so zum Beispiel für den Bildungsbereich, das Gesundheitswesen oder auch für die Kultur. Und zurzeit ist in Stuttgart und in der Region besonders drängend: der soziale Wohnungsbau.

Die Debatte, wie dieser Konflikt zu lösen wäre, wie ein gerechter Lastenausgleich aussehen könnte, ist schon in vielen Metropolregionen nicht nur in Deutschland geführt worden. Mit mäßigem Erfolg. Besonders im Sozialbereich ist die Lage der Großstädte schwierig, hier wachsen die Probleme eher als dass sie abnehmen.

Der Missstand wird klar belegt

Für das Thema Wohnungslosigkeit gibt es nun immerhin eine Studie des Landes, die den bestehenden Missstand klar belegt. Die Großstädte gehen dagegen konsequenter vor als Mittelstädte und Landkreise, sie halten nicht nur bessere Hilfsangebote vor, sie investieren auch deutlich mehr in die Prävention. Dieses Gefälle, das eine der Ursachen dafür ist, dass so viele Wohnungslose in die Kernstädte der Regionen ziehen, muss behoben werden.

Es ist zu hoffen, dass das Land das Problem nach dieser Expertise zügig angeht. Angesichts der zunehmenden Herausforderung durch die starke Zuwanderung und den Wohnungsmangel darf das Missverhältnis nicht noch weiter wachsen. Die Mittelstädte und Landkreise seien daran erinnert, dass die Wohnungslosenhilfe seit der Verwaltungsreform des Landes im Jahr 2005 zu ihren Pflichtaufgaben zählt.

Einfach im Speckgürtel gemütlich abwarten mit der Einstellung, die Landeshauptstadt wird sich mit ihrer leistungsfähigen Verwaltung der Sache schon annehmen, widerspricht nicht nur dem häufig hochgehaltenen Regionalgedanken.

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