Der Gemeinderat von Rutesheim stimmt den städtebaulichen Entwürfen von „Heuweg Nord“ und „Spissen II“ zu und stellt damit weitere Weichen für neuen Wohnraum in der Zukunft.
Der Wohnungsmarkt in Rutesheim ist extrem angespannt, sagt Bürgermeisterin Susanne Widmaier: „Selbst Familien, die im Ort sehr gut verwurzelt sind, finden kaum eine neue Wohnung, wenn sie durch Eigenbedarf gekündigt wurden.“
Die Kommune mit mehr als 11.400 Einwohnern steht nicht alleine da. Der Städtetag Baden-Württemberg hatte im Oktober des vergangenen Jahres von einem „alarmierenden Zustand und einer der schwerwiegendsten Krisen im Wohnungsbau des Landes seit der Nachkriegszeit“ gesprochen. Demnach fehlte etwa 200 000 Wohnungen allein im Südwesten. Das wiederum würde sich auch auf den Arbeitsmarkt auswirken, wenn sich beispielsweise Pflegekräfte, Beschäftigte in Kitas oder im Handwerk keine bezahlbare Wohnung mehr leisten könnten.
Rutesheimer OB Widmaier: „Die Stadt soll langsam wachsen“
Rutesheim geht dieses Problem seit geraumer Zeit aktiv an. „Wir sind mit großer Priorität daran, neuen Wohnraum zu entwickeln. Jedoch immer mit der Prämisse, dass die Stadt langsam wachsen soll“, so Widmaier. „Wir werden die Wohngebiete auf keinen Fall alle gleichzeitig an den Markt geben.“ Derzeit werde das Bosch-Areal vor allem für den Geschosswohnungsbau vorbereitet. 30 Prozent würden als bezahlbarer Wohnraum erstellt.
„Die Erschließung ist nahezu abgeschlossen, die ersten Grundstücke befinden sich gerade im Verkauf und das Gebiet soll etwa 240 Wohneinheiten erhalten“, sagt die Bürgermeisterin. Dort werde es keine Einfamilienhäuser, nur vier Doppelhäuser und etwa 15 Reihenhäuser geben.
In Rutesheim sollen noch zwei weitere Wohngebiete folgen
Anders bei zwei weiteren Projekten. Die Stadt plant derzeit auch das zum Bahnhof Silberberg fußläufig gelegene Baugebiet „Heuweg Nord“. Angrenzend an Buchenhain, Grenzrain sowie Aichinger Straße sollen etwa 160 Wohneinheiten entstehen. Auf der Grundlage des städtebaulichen Entwurfs, den der Gemeinderat erst kürzlich einstimmig beschlossen hat, wird nun ein Bebauungsplan vorbereitet, der die Rahmenbedingungen für die künftige Bebauung festlegt.
Insgesamt sollen in diesem Bereich etwa 160 Wohneinheiten entstehen. Mehrfamilienhäuser sind im nördlichen Quartier vorgesehen, die mindestens dreigeschossig errichtet werden sollen. Mit dem Bau eines Mehrfamiliengebäude der Büwo, der Genossenschaft des Landkreises, soll im östlichen Teil preisgünstiger und bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden. Südlich der Mehrfamilienhäuser sind so genannte Kettenhäuser sowie eine Doppelhaus- und Einzelhausbebauung vorgesehen.
In Summe 60 weitere Wohneinheiten sind südlich des Rutesheimer Schulzentrums im Bereich „Spissen II“ geplant. Hier sollen Einfamilien-, Reihen- und auch Mehrfamilienhäuser Platz finden. Den Bebauungsplanentwurf haben die Rutesheimer Stadträte ebenfalls abgesegnet, somit kann er weiter ausgearbeitet werden. „Ich freue mich sehr, dass der Gemeinderat hinter den Planungen steht, denn das zeigt einmal mehr, wie gut und im gegenseitigen Konsens Verwaltung und Rat arbeiten“, sagt Susanne Widmaier, die nicht vergisst zu erwähnen, dass auch der Bebauungsplan „Perouser Krautgärten“ in der Entstehungsphase ist.
Der Gemeinderat von Rutesheim stimmt den Entwürfen zu
Und so steht die CDU-Fraktion „voll und ganz“ hinter den Projekten. „Diese Wohngebiete sind für die Zukunft gedacht. Wir müssen als Gemeinderat mit der Verwaltung nach der Fertigstellung des Bosch-Areals genau im Auge behalten, wie sich die Bevölkerung in Rutesheim entwickelt und der Bedarf angemeldet wird. Davon hängt es meiner Meinung ab, wie schnell die Baugebiete umgesetzt werden müssen. Doch zunächst muss die Stadt die Grundstücke erst aufkaufen und auch den Eigenbedarf der Grundstücksbesitzer berücksichtigen“, sagt die CDU-Fraktionsvorsitzende Christina Almert.
Die Grünen seien ursprünglich gegen das Wohngebiet „Heuweg Nord“ gewesen, da es nicht im Flächennutzungsplan von 2008 ausgewiesen war. „Nach der Grundsatzentscheidung des Gemeinderates für das Baugebiet wollen wir uns natürlich nicht den Beratungen verweigern. Die vorliegende Planung hatte gegenüber den vorherigen Varianten einige Verbesserungen“, sagte Fraktionsvorsitzender Fritz Schlicher. Das Gebiet „Spissen II“ hingegen sei ein Gebiet, „dem wir unumwunden zustimmen“.
Die UBR-Fraktion unterstützt die Baugebietsplanungen, kritisiert jedoch die geplanten Flachdächer mit Begrünung trotz der ökologischen Vorteile. „Wichtiger ist uns aber der Aspekt der Trinkwassereinsparung durch Nutzung von Regenwasser zur Toilettenspülung“, sagt der Fraktionsvorsitzende Harald Schaber. Auf Antrag seines Fraktionskollegen Ulrich Schenk wurde beschlossen, im südlichen Bereich des Baugebiets Heuweg-Nord Satteldächer vorzuschreiben. „In vergangenen Wahlprogrammen haben wir uns immer für ein maßvolles Wachstum ausgesprochen. In diesem Sinne bevorzugen wir ,Heuweg Nord‘, ,Spissen II‘ sehen wir erst im Anschluss“, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende Tommy Scheeff.