Wohnungsmarkt in Stuttgart Hausbesitzer geißeln das Schweigen des OB

Großbaustelle Milaneo: Im September wurde die Bauhöhe des geplanten Einkaufszentrums bereits erreicht. Von nun an werden auf dem Gebäude Wohnhäuser erstellt. Foto: Steinert
Großbaustelle Milaneo: Im September wurde die Bauhöhe des geplanten Einkaufszentrums bereits erreicht. Von nun an werden auf dem Gebäude Wohnhäuser erstellt. Foto: Steinert

Hält die Stadtverwaltung den aktuellen Wohnungsmarktbericht unter Verschluss? Das wirft der Eigentümerverein Haus und Grund der Stadt vor. Die Verwaltung sagt, sie wolle den Bericht auf das lange angekündigte Wohnbaukonzept von OB Fritz Kuhn abstimmen.

Lokales: Sven Hahn (hah)
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Stuttgart - Es gibt ein Dokument, auf das alle ­Akteure am Stuttgarter Immobilienmarkt fast sehnsüchtig warten. Es handelt sich um den aktuellen Wohnungsmarktbericht. Der ehemalige Erste Bürgermeister und heutige Vorsitzende des Eigentümervereins Haus und Grund, Klaus Lang, behauptet nun: „Die Verwaltung hält den fertigen Bericht zurück.“

Der bislang letzte Bericht zur Wohnsituation in Stuttgart datiert vom Februar 2008. ­„Darin sind Zahlen aus den Jahren 2006 und 2007 enthalten“, sagt Lang, „der ist heute völlig unbrauchbar.“ Der ­ehemalige Bürgermeister hat noch heute gute Drähte in die Ämter, mit denen er einst ­zusammengearbeitet hat. „Nach meinem Wissen ist der Bericht bereits seit einem Vierteljahr fertig“, ärgert er sich.

In dem Dokument werden akribisch sämtliche Daten aufgelistet, die für den städtischen Wohnungsmarkt von Bedeutung sind – Bautätigkeit, Eigentumsquote, das Angebot an geförderten Wohnungen sowie die Wohnungsversorgung im Großstadt- und Regionalvergleich waren in der jüngsten Ausgabe unter anderem enthalten.

Vorwurf: Die Stadt hortet Herrschaftswissen

„Wenn wir uns mit dem Thema Wohnen ernsthaft befassen wollen, müssen die ­Fakten auf dem Tisch sein“, sagt Lang. Eine Äußerung, die in der aktuellen Situation besonders brisant ist. Denn Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) steht seit Wochen in der Kritik, da sein ­bereits im Frühjahr angekündigtes ­Wohnkonzept noch immer nicht veröffentlicht wurde (die StZ berichtete). „Der ­Bericht muss vor dem Konzept öffentlich werden“, ­fordert Lang entschieden, „wir müssen das Strategiepapier doch an objektiven Fakten messen können.“ Der Wohnungsmarktbericht wird in aller Regel vom Statistischen Amt in Zusammenarbeit mit dem Amt für Liegenschaften und Wohnen erarbeitet. „Die Verwaltung behandelt diese Fakten als Herrschaftswissen“, behauptet Klaus Lang und fügt an: „Das kann so nicht sein.“

Gegen diese Behauptung wehrt sich die Stadtverwaltung: „Der Wohnungsmarktbericht wird mitnichten ­zurückgehalten“, antwortet der Pressesprecher der Stadt, Sven Matis, auf Anfrage der Stuttgarter Zeitung. Die Stadt behauptet in ihrer Antwort allerdings nicht, dass das fragliche Dokument noch nicht vorliegt. „Es ist nicht sinnvoll, den Bericht vor Fertigstellung des Strategiekonzepts Wohnen zu veröffentlichen“, sagt Sven Matis hingegen. Zuerst wolle man das Strategiekonzept des OB, wie bereits mehrfach angekündigt, noch ­diesen Herbst vorlegen, ­erklärt der Sprecher der Stadt. „Dann wird der Wohnungsmarktbericht, der neben einer Bestandsbeschreibung eben auch Ausblicke in die ­Zukunft enthält, damit synchronisiert und danach veröffentlicht“, erklärt Matis.




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