Wohnungsnot in Stuttgart Geisterhäuser stehen im Fokus

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Um der akuten Wohnungsnot zu begegnen, soll die Stadt Stuttgart leer stehende Immobilien reaktivieren. Das fordern die Grünen im Gemeinderat. Das Problem ist vielschichtig.

Die Wohnungsnot in Stuttgart ist groß. Foto: dpa/Christoph Schmidt
Die Wohnungsnot in Stuttgart ist groß. Foto: dpa/Christoph Schmidt

Filder/Stuttgart - Die Heumadener Geisterhäuser werden wohl noch länger Ärgernisse bleiben. Eines steht an der Dreizlerstraße, das andere am Lauxweg – und beide damit in bester Wohnlage. Doch sie sind zu Ruinen verkommen. Die Eigentümerin ist dem Vernehmen nach eine ältere Frau, die im Ausland lebt und kein Interesse am Verkauf zeigt – obwohl es an Angeboten nicht mangelt. Darüber berichtete unsere Zeitung Ende Juni.

Und es gibt noch viele weitere leer stehende Häuser auf der Filderebene, so zum Beispiel in Plieningen, Degerloch, Hoffeld und Kaltental. Anwohner ärgern sich darüber nicht nur, weil das oft Schandflecken in der Nachbarschaft sind, sondern auch, weil die Not in Stuttgart geradezu dramatisch ist und dringend bezahlbarer Wohnraum gebraucht wird. Auch in verschiedenen sozialen Netzwerken wie Facebook wird heftig darüber diskutiert.

Die Grünen im Gemeinderat greifen das Thema per Antrag auf. Seit Jahren gehe die Stadt auf die Eigentümer von unbebauten Grundstücken zu, mit dem Ziel, dass diese bebaut oder an die Stadt oder Dritte verkauft werden. „Mehr als 6000 Wohneinheiten sind so bereits entstanden“, schreiben die Stadträtinnen Silvia Fischer und Gabriele Nuber-Schöllhammer. Dies entspreche einem theoretischen Volumen von 135 Hektar Bauland im Außenbereich, das vermieden worden sei.

Die Stadt soll leer stehende Häuser kaufen

Seit der Verabschiedung der Satzung gegen die Zweckentfremdung von Wohnraum 2016 würden Mitarbeiter des Baurechtsamtes auf die Eigentümer von leer stehendem Wohnraum zugehen. Doch sogenannte Geisterhäuser würden meist schon viel länger im Dornröschenschlaf liegen, weshalb auf diese die Satzung nicht angewendet werden könne.

„Wir wollen erreichen, dass die Objekte, die beim Baurechtsamt gemeldet wurden und nicht für eine Wiedervermietung als Wohnraum aktiviert werden konnten, von der Stadt erworben werden, um auch auf diesen Grundstücken wieder zusätzlichen Wohnraum schaffen zu können“, formulieren die Grünen in Ihrem Antrag. Dazu müssten die Informationen, die dem Baurechtsamt über das Gebäude vorliegen, an das Liegenschaftsamt beziehungsweise an die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG) weitergeleitet werden. Diese könnten dann mit den Eigentümern in Kaufverhandlungen treten und den Sanierungsaufwand beziehungsweise einen Abbruch und eine Neubebauung prüfen. Die Verwaltung soll nun im Unterausschuss Wohnen und Stadtplanung zu diesem Thema berichten.

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