Wohnungsnot in Stuttgart Keine Zeit zu verschenken
Die Stadtverwaltung erweckt einmal mehr den Eindruck, das Problem fehlenden Wohnraums sei nicht allzu tragisch zu sehen, meint StZ-Autor Jörg Nauke.
Die Stadtverwaltung erweckt einmal mehr den Eindruck, das Problem fehlenden Wohnraums sei nicht allzu tragisch zu sehen, meint StZ-Autor Jörg Nauke.
Stuttgart - Wäre die Wohnungsnot in Stuttgart nicht für Tausende Menschen, die hier leben und arbeiten möchten, nicht das vordringlichste Thema, man könnte den städtischen Tochterfirmen SSB und SWSG glatt zurufen: Lasst euch nur Zeit, Gut Dinge will Weile haben, lieber gut geplant, als schlecht gebaut. Ob jetzt 130 Wohnungen, womöglich zusätzlich welche für pflegebedürftige Mitbürger, im Arbeiterbezirk Osten ein paar Jahre früher oder später auf den Markt kommen, dürfte kaum einen wesentlichen Beitrag zur Senkung der Mieten leisten.
Aber halt, prangt nicht die Feststellung „Jede Wohnung zählt“ wenigstens, im übertragenen Sinne, an der Rathaustür? Deshalb stellt sich schon die Frage, warum die Verwaltung derart blank in eine Sitzung hineingeht, in der ein Projekt von 70 Millionen Euro festgezurrt werden soll. Gleich wer sich hier den Schlaf aus den Augen gerieben hat, in der Öffentlichkeit hat sich längst der Eindruck verfestigt, dass die Verwaltung das Wohnungsproblem nicht allzu ernst nimmt. Zuletzt wurden die zugesagten Fertigstellungen nicht erreicht, das Bündnis für Wohnen ist ein Muster ohne Wert. Und Tausende Wohnungen stehen leer, ohne dass dagegen etwas unternommen wird.
Das Ostendgelände wird der Lackmustest für den SSB-Aufsichtsratschef, OB Frank Nopper (CDU). Mit Carl und Franz hat er zwei Söhne erzogen, das muss er nun eben auch mit zwei aufmüpfigen Tochterfirmen schaffen, die sich um Bau und Verwaltung des Projekts streiten.