Die Stadt Düsseldorf will Nägel mit Köpfen machen und dem finanziell angeschlagenen luxemburgischen Immobilienkonzern Adler zwei Projekte per Vorkaufsrecht abnehmen: Das sogenannte Glasmacherviertel und die Benrather Gärten. Laut Branchendienst „Thomas Daily“ hat Düsseldorfs OB Stephan Keller erklärt, die Stadt werde zudem „bei spekulativen oder bevorratenden Erwerben alle Instrumente des Baugesetzbuches anwenden, um einen Fortschritt an diesem für die Stadt so wichtigen Ort zu erreichen“. Wäre dies auch für Stuttgart ein gangbarer Weg, um der Grundstücksspekulation bei dem ebenfalls der Adler-Group gehörenden Eiermann-Campus im Stadtbezirk Vaihingen vorzubeugen?
Durch Kniffs können Investoren das Vorkaufsrecht aushebeln
Die Stadt und Vertreter von Adler respektive der Tochterfirma Consus Real Estate befinden sich in Gesprächen über die Weiterentwicklung von Stuttgarts zweitgrößtem Wohnungsbauprojekt nach dem geplanten Rosensteinviertel. Hintergrund sind die finanziellen Turbulenzen beim Mutterkonzern. Die Adler-Group muss Schulden abbauen. Deren Verwaltungsratschef Stefan Kirsten hatte eingeräumt, dass der Konzern die Veräußerung weiterer Immobilien in Betracht ziehen sollte, um anstehende finanzielle Verpflichtungen zu bedienen. Offenbar sei man im Adler-Führungsteam bereit, so der „Thomas Daily“, gegenüber den Buchwerten in der jüngsten Bilanz bei solchen Verkäufen auch moderate Verluste hinzunehmen.
Die Stadt hat Interesse an einem Kauf der knapp 200 000 Quadratmeter großen früheren IBM-Zentrale bekundet. Baubürgermeister Peter Pätzold (Grüne) hatte den fast fertigen Bebauungsplan für das Areal im Frühjahr auf Eis gelegt, um einer Wertsteigerung des Areals einen Riegel vorzuschieben. Aus dem Gemeinderat kamen bald darauf Forderungen, das Vorkaufsrecht für das Grundstück zu ziehen. Doch so einfach ist die Sache nicht. In der Praxis teilen Immobilienkonzerne ihr Eigentum nämlich gern in Parzellen auf, für die sie jeweils eine eigene Tochtergesellschaft gründen. Durch eine so konstruierte Eigentümergemeinschaft kann das Vorkaufsrecht ausgehebelt werden.
Baubürgermeister fordert neue Regulierungen für Share Deals
Baubürgermeister Pätzold lässt daher momentan die Rechtslage in Stuttgart prüfen. Für ihn steht allerdings unabhängig vom Ergebnis fest, dass die Bundesregierung entsprechende Regelungen treffen muss, um das Konstrukt der sogenannten Share Deals zu unterbinden, die zwar den Immobilienkonzernen steuerliche Vorteile verschaffen, aber den Kommunen nicht die Möglichkeit geben, im Fall einer drohenden Pleite der Investoren in die Bresche zu springen und die Grundstücke in ihren Besitz zu bringen.
Möglicherweise einigen sich Adler/Consus und die Stadt aber auch auf eine Zusammenarbeit. Nach einem ersten Gespräch im August, bei dem die Investorenvertreter ihren Willen betont hatten, das Projekt fertigzustellen, hieß es, eine Entscheidung über das weitere Vorgehen werde noch im Herbst erwartet. Noch allerdings, so Baubürgermeister Pätzold, habe er von der Adler-Group nichts Neues gehört.