InterviewWolfgang Strobel vom HBW Balingen-Weilstetten „Eine neue Halle ist überlebenswichtig“

Von Jürgen Frey 

Der HBW Balingen-Weilstetten hat den Wiederaufstieg in die Handball-Bundesliga geschafft. Geschäftsführer Wolfgang Strobel äußert sich zu den Planungen für die neue Saison, ein Heimspiel in Stuttgart und die Wettbewerbsfähigkeit seines Clubs.

Bis 2015 spielte Wolfgang Strobel am Kreis für den HBW Balingen-Weilstetten, dann übernahm der Abwehrspezialist die Rolle des Geschäftsführers. Foto: Baumann
Bis 2015 spielte Wolfgang Strobel am Kreis für den HBW Balingen-Weilstetten, dann übernahm der Abwehrspezialist die Rolle des Geschäftsführers. Foto: Baumann

Balingen - Der HBW Balingen-Weilstetten ist wieder da. Auch ohne seinen verletzten Nationalspieler Martin Strobel schaffte die Mannschaft von Trainer Jens Bürkle den Sprung zurück in die Handball-Bundesliga. Ein Verdienst des Kollektivs, wie der Geschäftsführer Wolfgang Strobel (35) herausstreicht.

Herr Strobel, erinnern Sie sich noch an den 21. Januar?

Ja, klar. Da verletzte sich mein Bruder Martin im WM-Spiel gegen Kroatien schwer am Knie.

Fürchteten Sie nach seinem Kreuzbandriss um den Aufstieg des HBW?

Natürlich schießt einem auch solch ein Gedanke durch den Kopf. Aber ich bin nach dem ersten Schock schnell wieder optimistisch gewesen.

Warum?

Wir haben auch in der Hinrunde vier Spiele ohne Martin absolvieren müssen und das Dank unseres ausgeglichenen Kaders gut hinbekommen. Wir haben uns auf unsere gute Bank, die überragende Mentalität immer verlassen können. Jeder hat eine Schippe draufgelegt und mehr Verantwortung übernommen.

Besonders der junge Lukas Saueressig, der hauptsächlich Ihren Bruder auf der Mitte vertreten hat?

Er hat diese Hauptrolle im Rückraum übernommen und hat das mit seinen 21 Jahren wirklich ganz hervorragend gemacht.

Was zeichnet ihn aus?

Zunächst einmal ist er das Paradebeispiel für unsere Nachwuchsförderung. Er spielt seit der E-Jugend bei uns. Er ist wahnsinnig schnell auf den Beinen und ungemein spielintelligent. Ihn, wie auch alle anderen Spieler, hat unser Trainer besser gemacht. Deshalb gebührt Jens Bürkle ein Riesenlob.

Wie sehen die Personalplanungen für die neue Runde aus?

Unser Torwart Tomas Mrkva, der wirklich eine ganz starke Saison gespielt hat, wird uns leider zum Bergischen HC verlassen. Jonas Baumeister wird pausieren. Matthias Flohr wird Co-Trainer von Chefcoach Jens Bürkle. Neu hinzu kommt Keeper Mike Jensen aus der ersten dänischen Liga von Nordsjaelland Handbold. Einen Spieler wollen wir noch für den Rückraum verpflichten.

Ist Jens Schöngarth von Frisch Auf Göppingen ein Thema, dessen Wechsel zum TSV St. Otmar St. Gallen zu platzen droht?

Namen möchte nicht kommentieren.

Wie lautet das Saisonziel in der Bundesliga?

Das kann für den HBW immer nur Klassenverbleib lauten.

In wie weit können Sie den aktuellen Etat von 2,5 Millionen Euro erhöhen?

Um etwa 500 000 Euro, damit sind wir in der Etattabelle immer noch ganz weit unten. Die meisten Clubs haben inzwischen über fünf Millionen Euro zur Verfügung.

Und Ihren Zuschauerschnitt aus der zweiten Liga können Sie nur marginal steigern.

Das stimmt. Wir hatten in dieser Saison im Schnitt 2260 Zuschauer, unsere Sparkassenarena fasst 2350 Besucher.

Werden Sie in der Bundesliga Heimspiele an einem anderen Ort austragen?

Wir hoffen, ein Spiel in der Stuttgarter Porsche-Arena austragen zu können. Möglichst um die Weihnachtszeit. Wir sind in Gesprächen mit Jürgen Schweikardt (Anm. d. Red.: Geschäftsführer des TVB Stuttgart).

Wie wichtig wäre eine neue, größere Halle für den HBW?

Eine neue Halle ist überlebenswichtig. Um mittel- und langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben, brauchen wir mehr Zuschauer.

Wie ist der Stand der Dinge?

Eine neue Halle kostet 15 bis 16 Millionen Euro. Wir benötigen Gelder von der Landesregierung zur Sportstättenförderung in Höhe von sieben bis acht Millionen Euro. Die Haushalts-Planungen sind derzeit am Laufen.