Herr Strobel, am Sonntag gegen den THW Kiel haben Sie mit dem HBW eines der leichteren Spiele.
Stimmt, es gibt in dieser Saison sogar gleich mehrere dieser leichten Spiele, in denen wir nichts zu verlieren haben.
Sie denken auch an die Duelle mit dem souveränen Spitzenreiter SC Magdeburg, der die Liga mit 40:2 Punkten dominiert.
Ja, aber was die Kieler derzeit abziehen ist schon auch brutal beeindruckend. Sie überrollen vom Anpfiff weg ihre Gegner gnadenlos. Beim TVB Stuttgart führten sie 13:4, in Hannover 8:1 und gegen den HC Erlangen sogar mit 10:1.
„Kampf bis zum letzten Spieltag“
Haben Sie eine Erklärung, warum der THW inzwischen so ins Rollen gekommen ist?
Bei allen Teams, für die es in der vergangenen Saison um sehr viel ging, merkte man in der Vorrunde, dass die Belastung extrem hoch war. Das gilt für Kiel, für Flensburg, aber auch für uns, GWD Minden oder auch die Eulen Ludwigshafen in der zweiten Liga. All diese Clubs haben Zeit gebraucht, um sich zu regenerieren und in Form zu kommen.
Wie sehen Sie aktuell die Chancen des HBW im Kampf gegen den Abstieg?
Wir waren ja durch zehn Corona-Fälle zuletzt sehr gebeutelt. Jetzt ist noch ein Spieler in Quarantäne, zwei absolvieren vor dem Spiel gegen Kiel einen Medizincheck. Davon abgesehen sind unsere Chancen eigentlich wie jedes Jahr, wir kämpfen bis zum letzten Spieltag.
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Nur vier Clubs kommen für die zwei Abstiegsplätze in Frage, sehen Sie das auch so?
Vier? Für mich sind es nur drei. Den TVB Stuttgart zähle ich nicht dazu, er hat ganz andere Möglichkeiten als seine Tabellennachbarn und wird die nötigen Punkte auch holen. Realistisch machen wir, GWD Minden und der TuS N-Lübbecke das Rennen untereinander aus.
Ist die Erfahrung im Abstiegskampf ein Vorteil für den HBW?
Wir sind sehr erfahren, aber die anderen Clubs doch auch. Minden kennt diese kniffligen Situationen zur Genüge, und Lübbecke pendelt auch ständig zwischen erster und zweiter Liga. Wir machen uns nichts vor: Das wird bis zum Schluss ein Ritt auf der Rasierklinge.
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Vieles hängt an Lipovina
Im Torhüterbereich hat der HBW Luft nach oben, und Ihr Torjäger Vladan Lipovina sollte möglichst keinen schlechten Tag erwischen.
Wir können uns grundsätzlich in allen Bereichen steigern. Aber generell sehe ich unseren Kader einen Tick breiter aufgestellt, als den unserer Konkurrenz im Keller.
Zumal Sie wieder auf Ihren Spielmacher setzen können.
Dass Lukas Saueressig die ganze Hinrunde gefehlt hat, war natürlich ein Riesenproblem für uns. Wenn dann noch der erste Kreisläufer in Person von Marcel Niemeyer und Linksaußen Oddur Gretarsson wegbrechen, wirft das viele Planungen über den Haufen.
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Sie haben im November in höchster Not den Vertrag mit Trainer Jens Bürkle um zwei Jahre verlängert. Ein Signal an Mannschaft und Umfeld?
Nein, es war die logische Konsequenz seiner Arbeit. Wir sind mit ihm aufgestiegen und haben in der Bundesliga zweimal den Klassenverbleib geschafft. Wenn man dies in Relation zu unseren finanziellen Möglichkeiten sieht und dann noch betrachtet, wie viele Spieler wir in die Bundesliga gebracht haben, dann spricht das für sich. Wenn es rein nach dem Geld ginge, das wir zur Verfügung haben, wäre die logische Folge, dass wir auf Platz 17 oder 18 abschließen.
Besteht Aussicht, dass Sie den Etat steigern können?
Wir arbeiten jeden Tag daran. Wir befinden uns in einer strukturschwachen Region, da ist es kein Wunder, dass wir nicht annähernd einen Etat wie etwa der TVB Stuttgart aufweisen können.
„Wir jammern nicht“
Jetzt stapeln Sie tief?
Das glaube ich nicht. Wenn uns bei Gründung des HBW vor 20 Jahren jemand gesagt hätte, wir bringen einen Etat von knapp über drei Millionen Euro auf die Beine, den hätte man für verrückt erklärt. Für unsere Region ist das top, und wir jammern auch nicht. Wir tun einfach alles dafür, damit wir uns weiter in der Bundesliga etablieren.
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Und weiterhin solch leichte Spiele haben wie am Sonntag...
...genau, in dem wir uns nicht abschlachten lassen wollen, sondern nach schwierigen drei Wochen einfach wieder in unseren Rhythmus kommen wollen.