Wolfschlugen „Musikhäuschen“ macht auf eigene Faust weiter

Noch wartet die Schule auf Musikbegeisterte Foto: Christian Hass
Noch wartet die Schule auf Musikbegeisterte Foto: Christian Hass

Die Musikschule in Wolfschlugen wechselt von der kommunalen in eine Vereinsträgerschaft. Doch einige ehemalige Lehrer machen ein Gegenangebot: das Musikhäusle.

Esslingen: Wolfgang Berger (ber)
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Wolfschlugen - Für die Jungen und Mädchen, die an der Musikschule Wolfschlugen ein Instrument lernen, soll sich nichts ändern, wenn zum 1. April die Trägerschaft von der Gemeinde auf den Musikverein Wolfschlugen übergeht. Der Unterricht werde wie bisher im Gebäude Schulstraße 24 stattfinden, und das Angebot wird laut dem Bürgermeister Matthias Ruckh nicht ausgedünnt. Vielmehr werde die Kooperation mit Schulen und Kindergärten erweitert, kündigt Paul Jacot an, der künftige Leiter der Musikschule. An der Gebührenschraube werde auch nicht gedreht. So hoffen die Gemeinden und der Musikverein auf einen nahtlosen Übergang.

Zwei Häuser suchen nach Schülern

Derzeit besuchen rund 180 Schüler die Musikschule Wolfschlugen. Gerade läuft die Anmeldephase für die Zeit nach dem 1. April. Der Musikverein und die Gemeinde hoffen, dass möglichst alle Schüler der Einrichtung treu bleiben. Denn davon hängt letztlich ab, ob die Kalkulation aufgeht. „Der Erfolg der Musikschule steht und fällt mit den Kindern und Jugendlichen, die sich nun anmelden und das Angebot auch wahrnehmen“, so Ruckh. Der Appell hat seinen Grund. Denn von den bisher elf bei der Gemeinde angestellten Musikschullehrern haben sich fünf zusammengetan und ein Haus in Wolfschlugen angemietet. In dem „Musikhäuschen“, so der bisherige Arbeitstitel, werden sie ebenfalls vom 1. April an Musikunterricht geben.

Eine Musiklehrerin, die lieber anonym bleiben möchte, berichtet, dass alle Kollegen ihre bisherigen Schülerinnen und Schüler mit in die neue Einrichtung nehmen wollen. Insgesamt wären dies zwischen 90 und 100 Kinder und Jugendliche, so die Lehrerin. Wie viele Anmeldungen es am Ende sein werden, sei jedoch schwer vorauszusagen. Die fünf Selbstständigen würden sich indessen nicht als Konkurrenten zu der vereinsgeführten Musikschule verstehen. Beide Häuser hätten unterschiedlich ausgerichtete Angebote. Die Lehrerin hält es zudem für möglich, Schüler zurückzugewinnen, die zuletzt abgesprungen waren. Im Jahr 2010 hatte die Musikschule noch mehr als 300 Schüler gezählt. Den selbstständigen Musiklehrern sei an einem guten Verhältnis zum Musikverein gelegen. „Wir wollen nicht, dass hier böses Blut entsteht, sondern wir wollen gut miteinander auskommen“, betont die Lehrerin.

Am Anfang gibt es 150 000 Euro als Startkapital

Wie berichtet, hatte der Gemeinderat Wolfschlugen im vergangenen Mai beschlossen, nach rund 20 Jahren die Musikschule aus Kostengründen nicht mehr weiter in kommunaler Regie zu führen. Das Defizit der Musikschule habe mehr als 100 000 Euro betragen, erklärt der Bürgermeister. Immerhin werde die Gemeinde dem Verein für die Schule innerhalb der nächsten drei Jahre „als verlässliche Startvoraussetzung“ eine Summe in Höhe von 150 000 Euro überweisen.

Angesichts eines Schuldenstands von voraussichtlich fünf Millionen Euro zum Jahresende war der Gemeinderat zu dem Schluss gekommen, dass sich die rund 6000 Einwohner zählende Gemeinde diese Ausgaben nicht mehr leisten könne. Matthias Ruckh verweist auf die Beispiele Neckartailfingen, Unterensingen und Wendlingen/Köngen. Dank der Vereinsstruktur fielen dort für die Kommunen nur rund ein Viertel der Kosten an, die bisher in Wolfschlugen zu Buche geschlagen hätten.

Die Personalkosten für die elf festangestellten Musiklehrer in Wolfschlugen beliefen sich Matthias Ruckh zufolge auf insgesamt 250 000 Euro jährlich. Die Verträge mit den Lehrern seien inzwischen aufgelöst worden. Zunächst drohende gerichtliche Auseinandersetzungen hätten vermieden werden können. In Verhandlungen seien in jedem einzelnen Fall gütliche Einigungen erzielt worden. Den betroffenen Lehrkräften seien Abfindungen in Höhe von insgesamt rund 120 000 Euro bezahlt worden. Die Gemeinde sei, so betont Matthias Ruckh, damit ihrer sozialen Verpflichtung nachgekommen. Laut der Lehrerin, die anonym bleiben möchte, belaufen sich die Einbußen durch den Haustarifvertrag auf rund ein Drittel des bisherigen Gehalts. „Wenn wir uns so deutlich verschlechtern, dann sind wir lieber unsere eigene Chefs“, begründet die Frau den unfreiwilligen Weg in die Selbstständigkeit.

Allen bisher fest Angestellten sei angeboten worden, auch künftig an der Musikschule zu unterrichten – freilich für weniger Geld, wie der Bürgermeister einräumt. Jedoch enthielten auch die neuen Haustarifverträge eine soziale Absicherung.




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