Umstrittene Tiere Wölfe im Kreis Ludwigsburg: Experte rechnet mit Ansiedlung

, aktualisiert am 06.02.2025 - 08:36 Uhr
Gut möglich, dass die Wälder rund um Ludwigsburg irgendwann wieder von Wölfen durchstreift werden. Foto: dpa/Sina Schuldt

Letztmals durchstreifte den Landkreis nachweislich vor sieben Jahren ein Wolf. Ein Fachmann denkt jedoch, dass die Tiere zurückkehren werden. Gleich zwei Wälder böten den passenden Lebensraum.

Bei einem Expertengespräch am 27. Februar können sich insbesondere Weidetierhalter von 16 Uhr an im Naturparkhotel & Landgasthof „Stromberg“ in Sachsenheim schlaumachen, wie sie ihre Herden vor Wölfen schützen können. Allerdings müssen bei Schäfern nicht gleich die Alarmglocken schrillen. Es handelt sich um eine reine Präventionsveranstaltung. Noch ist kein Isegrim in den Wäldern rund um Ludwigsburg heimisch. Ein Szenario, mit dem aber in Zukunft zu rechnen sei, wie der Fachmann und Grünen-Landespolitiker Markus Rösler meint. Es wäre dann also mehr als nur ein kurzes Intermezzo – und eine andere Gemengelage als vor einigen Jahren.

 

Damals, 2018, schlug die Stippvisite eines Wolfs hohe Wellen, weil der Jäger auf vier Pfoten am 14. Januar in Sersheim eine Ziege gerissen hatte. Über den Urheber der Attacke bestand nach einer genetischen Überprüfung kein Zweifel. Mutmaßlich derselbe Wolf war tags zuvor bei Korntal-Münchingen gefilmt worden. „Diese Aufnahme wurde von den Expertinnen und Experten der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg als sicherer Wolfsnachweis eingestuft“, erklärt Andreas Fritz, Pressesprecher des Landratsamts Ludwigsburg. Es habe sich seinerzeit um ein Einzeltier gehandelt.


Landratsamt hält Ansiedlung für unwahrscheinlich

Weitere Sichtungen sind seither im Landkreis nicht aktenkundig geworden. Im Kreishaus kann man sich auch nicht vorstellen, dass Canis Lupus überhaupt in der Gegend sesshaft wird. „Eine dauerhafte Ansiedlung halten wir eher für unwahrscheinlich“, erklärt Andreas Fritz. Die landschaftlichen Voraussetzungen für ein Großraubtier wie den Wolf seien zu schlecht.

Markus Rösler sieht im Gebiet Stromberg-Heuchelberg und dem Schwäbisch-Fränkischen Wald grundsätzlich genügend landschaftliches Potenzial dafür, dass sich dort Wölfe niederlassen könnten. Foto: Archiv (privat)

Dieser Einschätzung widerspricht allerdings Markus Rösler. Der Landschaftsökonom aus Vaihingen an der Enz macht zwar keinen Hehl daraus, dass die Wahrscheinlichkeit höher sei, dass sich Wölfe wie bisher im Schwarzwald oder im Odenwald und gegebenenfalls auf der Schwäbischen Alb ansiedeln. Doch der Naturpark Stromberg-Heuchelberg samt seinem Umfeld sei mehr als 50 000 Hektar groß. In Mitteleuropa bewege sich die Dimension eines Reviers im Bereich zwischen 15 000 und 25 000 Hektar. Zudem sei die Fläche an der Grenze zwischen den Kreisen Ludwigsburg, Enz, Heilbronn und Karlsruhe nicht dicht besiedelt und habe viel Wald in petto. Darüber hinaus zeichne sich das Terrain durch einen hohen Bestand an Wildschweinen und Rehen aus. Sprich: der Speiseteller für den Wolf ist reichhaltig gedeckt.

Im Übrigen komme in dem Areal bereits die Wildkatze vor, die in ökologischer Hinsicht als anspruchsvoller als der Wolf gelte, konstatiert Rösler. Ein Umstand, der als positives Indiz für einen naturnahen Forst zu werten sei. Sachsenheim, Bönnigheim und Vaihingen gehörten also zu einer Gebietskulisse, die für ein Wolfsrudel im Grundsatz geeignet sei, fasst der Fachmann zusammen.

„Und der Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald mit seinen Ausläufern bis in den Nordosten des Kreises Ludwigsburg bei Oberstenfeld/Großbottwar ist von seiner Größe her sowie seinen noch größeren Waldflächen mindestens so gut geeignet“, gibt Rösler zu bedenken. Wobei der Stromberg stärker durch überregional bedeutsame Wildtierkorridore geprägt sei. Ferner hätten die letzten Wölfe vor der Ausrottung im 19. Jahrhundert in Württemberg im Kreis Heilbronn just am Stromberg sowie bei Neudenau gelebt, nicht aber im und rund um den Schwäbisch-Fränkischen Wald.

Aktuell sind in ganz Baden-Württemberg drei Wölfe in einem Revier sesshaft. Sie alle streifen durch den Schwarzwald. Eines der Tiere wurde laut Zeitungsberichten kürzlich mehrfach bei Forbach-Herrenwies im Kreis Rastatt von Spaziergängern gesichtet.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Wolf Ludwigsburg