Woodpecker-Trail in Stuttgart Bundesweites Interesse an Downhill-Strecke

Waghalsig stürzen sich die Biker ins Tal hinab. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko 11 Bilder
Waghalsig stürzen sich die Biker ins Tal hinab. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Der Woodpecker-Trail lockt am Wochenende Fahrer aus ganz Deutschland in den Dornhaldenwald. Bei der Eröffnung am Freitag feierten sich Politik und Sportler gegenseitig, nachdem es zuvor jahrelange Auseinandersetzungen gegeben hatte.

Wochenendbeilage : Ingmar Volkmann (ivo)
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Stuttgart - Großer Bahnhof im Dornhaldenwald zu Degerloch: Bei der Eröffnung der bundesweit ersten legalen von einer Kommune betriebenen Downhill-Strecke für Mountainbiker am Freitagnachmittag waren Sportbürgermeisterin Susanne Eisenmann (CDU), zahlreiche Vertreter des Gemeinderats, Bezirksbeiräte und natürlich jede Menge Downhill-Fahrer zugegen. Die Erwartungshaltung vor der Jungfernfahrt auf der einen Kilometer langen Strecke hätte unterschiedlicher nicht sein können: Während Susanne Eisenmann beteuerte, sich nicht einmal zu Fuß die verwegene Strecke herabzutrauen („Ich kenne meine Grenzen als Freizeitflachradlerin“), konnte es Katrin Karkof, Dritte bei den Deutschen Downhill Meisterschaften 2015 in der Kategorie „Eilte Women“ gar nicht erwarten, ins Tal zu brettern: „Ich durfte schon ein kurzes Stück Probe fahren. Die Strecke wirkt total flüssig, da ist für jeden Geschmack etwas dabei. Der Trail hat Anspruch und ist trotzdem ungefährlich gebaut“, so Katrin Karkof.

Susanne Eisenmann erinnerte rund um die Eröffnung der Strecke noch einmal daran, wie konfliktreich der Weg bis zur Jungfernfahrt war. „Es hat mich viele Nerven gekostet. Wir haben jahrelang an der Realisierung gearbeitet, weil wir auf alle Belange Rücksicht nehmen mussten“, so Eisenmann. Zur Erinnerung: Die Downhill-Strecke beschäftigt Politik und Sportverwaltung bereits seit 2006. Dem Trail ging eine jahrelange Auseinandersetzung zwischen Spaziergängern, Anwohnern und den Downhill-Fahrern voraus. Während sich Spaziergänger und Anwohner über den teils rasanten Fahrstil der Fahrer beschwerten, forderten die Sportler mehr Verständnis für ihre Künste.

Von allen Seiten hagelt es Lob für die Stadt

So brach auch Katrin Karkof bei der Eröffnung der Strecke eine Lanze für ihre Sportart: „Ich freue mich, dass unser Sport öffentlich anerkannt wird. Wir werden ja oft als Wilde bezeichnet, die auf Kopfhöhe von Spaziergängern den Berg hinunterbrettern. Dem ist aber nicht so. Wenn Skiabfahrtsfahrer mit 130 Sachen den Berg runterrasen, ist das Sport. Wenn wir mit 50 Kilometern herunterfahren, sind wir Wilde“, sagt die 33-Jährige, die seit 2011 in Heslach, also direkt unterhalb der Strecke wohnt, und als Lehrerin an einer Schule für Körperbehinderte in Sindelfingen arbeitet.

Den größten Beifall bei der Eröffnung der Strecke erntete Jannick Henzler, der Sprecher der AG Downhill Stuttgart, die sich seit ihrer Gründung im Jahr 2011 für den Bau der Strecke engagiert hat. Henzler – mit lässiger Krawatte über der Funktionskleidung – bedankte sich bei der Stadt „für den detailverliebten Trail“ und appellierte gleichzeitig an die Jugend: „Engagiert Euch, wenn ihr etwas erreichen wollt.“ Auch Dirk Vollmer von der Firma Outdoor Werkstatt, der die Strecke unter tatkräftiger Mithilfe der Downhill-Fahrer gebaut hatte, lobte die Stadt: „Sie hat die Mountainbiker aus der Illegalität geholt.“

Das Interesse für die Strecke ist bundesweit groß

Hans H. Pfeifer, sportpolitischer Sprecher der SPD-Gemeinderatsfraktion, erschien zur Eröffnung der Strecke in signalgelber Sportbekleidung. Allerdings nicht, um sozialdemokratische Fahrradkünste zu demonstrieren. „Das tue ich mir nicht an. Zumindest im sportlichen Bereich kenne ich meine Grenzen“, so Pfeifer. Der Stadtrat kam in der Farbrichtung Kanarienvogel daher, weil er auf seinem Motorrad angereist war. „Wir haben jetzt zwei Jahre mit Specht und Anwohnern an dieser Strecke herumgemacht. Ich hoffe, dass die Downhiller diese Strecke nutzen und die illegalen Routen in Ruhe lassen, sonst geraten wir in Erklärungsnot“, so Pfeifer.

Die bundesweit erste legale Strecke einer Kommune ist zunächst auf zwei Jahre befristet. „Dann werden wir auswerten, wie gut die Strecke angenommen wurde und sie hoffentlich zu einer dauerhaften Einrichtung machen können“, erklärte Susanne Eisenmann. Die Akzeptanz für die Strecke hänge auch davon ab, ob die Downhiller künftig nicht mehr auf illegalen Pfaden wandelten, sondern auf den legalen Trail umsteigen würden. „Ich gehe davon aus, dass sich die Szene selber regulieren wird“, so Eisenmann.

Die Sportbürgermeisterin stellte außerdem das bundesweite Interesse an der Strecke heraus: „Zum einen haben sich für dieses Wochenende Fahrer aus ganz Deutschland angemeldet, für Samstag gibt es über Facebook schon über 500 Zusagen.“ Zum anderen hätten viele andere Kommunen ihr Interesse an der Strecke der Stadt Stuttgart angemeldet.

Die Stadt hat sich die Downhillstrecke 175 000 Euro kosten lassen. Der Trail ist rund ein Kilometer lang, überwindet einen Höhenunterschied von 120 Metern und verfügt über 27 Hindernisse. Die Stadt, AG Downhill und der Streckenbauer Outdoor Werkstatt haben die Strecke mit einem Augenzwinkern auf den Namen „Woodpecker-Trail“ getauft – in Anspielung auf die an der Strecke brütenden Spechte, die die Bauarbeiten lange verzögert hatten.




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