Woody Allens neuer Film „Magic in the Moonlight“ Nichts als Lug und Trug

Stanley (Colin Firth) traut der bezaubernden Sophie (Emma Stone) nicht so recht. Foto: Verleih
Stanley (Colin Firth) traut der bezaubernden Sophie (Emma Stone) nicht so recht. Foto: Verleih

Sophie (Emma Stone) kann angeblich mit dem Jenseits kommunizieren. Stanley (Colin Firth) ist Bühnenzauberer und entlarvt gerne Scharlatane, die mit Übersinnlichem Geld verdienen. Beim Aufeinandertreffen der beiden Widersacher ist Woody Allen nicht in Topform.

Kultur: Thomas Klingenmaier (tkl)
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Stuttgart - Stanley Crawford hat nichts gegen falschen Zauber. Schließlich weiß er bestens, dass es keinen echten gibt. Stanley ist Bühnenzauberer, und im Varieté scheut er keinen Pomp, kein Spektakel, keinen Kitsch, um sein Publikum zu verwirren, zu verblüffen, zu erfreuen. Denn er begreift die Show als Vertrag zwischen Zuschauern und Zauberer: Die einen wissen, dass der Kerl auf der Bühne nicht wirklich Elefanten weghexen, Jungfrauen zersägen und durch Gedankenkraft von einem Ort zum anderen hüpfen kann. Der andere darf sich beim Tricksen nicht erwischen lassen, er muss auch den Wachsamen im Publikum die perfekte Illusion bieten.

Der virtuose Stanley, gespielt von Colin Firth, ist eine der Hauptfiguren des neuen Films von Woody Allen, dessen Titel „Magic in the Moonlight“ nicht zufällig an Hollywood-Romanzen der dreißiger und vierziger Jahre erinnert. Das Ganze spielt im Frankreich der Zwanziger, meistens auf einem feinen Anwesen, das der schnöden Realität vornehm entrückt ist. Hier können die Figuren nach Herzenslust streiten, flirten und intrigieren. Den großen Regisseuren des alten Hollywood hat solch eine Umgebung die Freiheit geschenkt, Charaktere zu zeichnen.

Sehnsucht nach anderen Zeiten

Aus seiner Nostalgie, seiner Wehmut, ein goldenes Zeitalter von Musik, Film und Populärkultur verpasst zu haben, hat der 79-jährige Allen nie ein Geheimnis gemacht, sondern ein Markenzeichen. Wenn wir zu Beginn von „Magic in the Moonlight“ Stanleys Bühnenshow sehen, die an die Auftritte des legendären Houdini erinnert, ist Allen ganz bei sich. Wie in „The Purple Rose of Cairo“ (1985), „Radio Days“ (1987) und „Im Bann des Jadeskorpions“ (2001) erzählt er vom bezaubernden, illusionsmächtigen Entertainment einer anderen Ära.

Aber bevor wir noch befürchten, Allen werde sich ganz der Verklärung hingeben, taucht ein konfliktreiches Thema auf. Wie Houdini (1874-1926)ist auch Stanley Crawford ein Jäger von Scharlatanen. Er entlarvt Spiritisten, Wahrsager und Engelsmedien, die den Leichtgläubigen und Bedürftigen das Geld aus der Tasche zieht. Mit von Hochmut durchsetzter Effizienz lässt er ihre Tricks auffliegen.

Wie entlarvt man ein Medium?

In „Magic in the Moonlight“ wird Stanley von seinem Freund und Kollegen Howard (Simon McBurney) gebeten, sich das junge Medium Sophie Baker (Emma Stone) anzusehen, das einer reichen alten Dame dabei hilft, mit ihrem verstorbenem Gatten zu kommunizieren. Stanley wird als angeblicher Geschäftsreisender auf das Gut geladen, will die junge Amerikanerin rasch als Hochstaplerin entlarven und scheitert wiederholt. Die stete Konfrontation auf der handwerklichen Ebene der Zauberei bringt Stanley und Sophie einerseits ständig in Kontakt zueinander, andererseits macht sie es fast unmöglich, zarteren Gefühlen nachzugeben.

„Magic in the Moonlight“ scheint anfangs einer der interessanteren späten Allen-Filme zu werden, weil keinesfalls das Happy Ending durch jede Szenen schimmert. Firths Stanley ist auch ein arroganter, miesepetriger, misanthropischer Klotz, und Sophie möglicherweise eine perfide Parasitin. Im Vokabular einer anderen Kino-Ära spiegelt sich da etwas, was Allen in Komödien wie „Der Stadtneurotiker“ (1977) anhand von Psychomacken, Ticks und Überspanntheiten seiner Psycho­analysejunkies darstellte, die ­­Bei­­nahe­Unmöglichkeit, romantisch beglückende Partnerschaften zu entwickeln.




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