Workshop in Kirchheim In sechs Stunden zur Geschäftsidee

Emilie Rückschloß (von links), Celina Wetzel, Lena Eberle und Amelie Bolte haben mit ihrem Start-up „Napfy“ die Chance, beim Landeswettbewerb dabei zu sein. Foto: /Ines Rudel

Die Elftklässler der Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule in Kirchheim haben als Pilotklasse an dem Programm „Start-up BW Young Talents“ teilgenommen und in einem Workshop eigene Start-up-Ideen entwickelt. Erstaunt hat sie, was in sechs Stunden alles möglich ist.

Kirchheim - Vor jeder Kurzpräsentation trommeln die Schüler, die nicht selbst an der Reihe sind, auf ihren Oberschenkeln. Trommelwirbel, um die Spannung zu steigern. „Uuuuuund Pitch!“, rufen sie. Nun hat die Gruppe, die vorne bereitsteht, drei Minuten Zeit, um ihre Geschäftsidee vorzustellen – in einem sogenannten Elevator-Pitch. Das Prinzip ist simpel: In der Zeit einer Fahrstuhlfahrt, im „Elevator“, soll man andere Personen vom eigenen Produkt überzeugen.

 

Es muss also schnell gehen, verständlich und präzise sein. Die Erfindungen, die die Elftklässler der Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule Kirchheim auf dem Reißbrett entwickelt haben, sprühen vor Einfallsreichtum und Unternehmergeist – dieser Ansicht ist am Ende auch die Jury, die die Ideen bewertet.

Kreative Workshop-Ergebnisse

Die Veranstaltung des Wirtschaftsgymnasiums an der JFS ist die erste ihrer Art im Landkreis Esslingen – ein Pilotprojekt im Rahmen der Kampagne „Start-up BW Young Talents“, die vom Wirtschaftsministerium des Landes Baden-Württemberg betrieben wird. In Workshops beschäftigen sich die Schüler frühzeitig mit dem Thema Unternehmensgründung. Sie entwickeln mithilfe von Mitarbeitern des Steinbeis-Innovationszentrums in kleinen Gruppen Start-up-Ideen. Die Jugendlichen arbeiten ihre Erfindungen aus und präsentieren sie am Ende des Tages in besagten Elevator-Pitches einer Jury aus erfahrenen Wirtschaftsvertretern.

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Um 8 Uhr beginnen die Schüler in sechs zusammengewürfelten Gruppen an ihren Produkten zu feilen. „Eine sehr ordentliche Klasse“, betont Raphaela Lauber, die Leiterin des betreuenden Steinbeis-Teams. „Sie sind sehr fix dabei.“ Die Ergebnisse des Workshops sind die App Instant Learn, mit deren Hilfe Schüler Lernzettel austauschen können. Napfy, ein sich selbst befüllender und reinigender Katzenfutternapf. One Card eine Bezahlkarte, die es auch in Form eines Rings geben und verschiedene Kredit-, Debit- und auch die Gesundheitskarte ersetzen soll. Auf diese Weise hat man sein gesamtes Portemonnaie in einem Stück Plastik. Eine weitere App, CIO, die verschiedene Tabletanwendungen des Schulalltags bündeln soll. Speedwave, ein intelligentes Navigationssystem, das Autos miteinander vernetzt und so Staus verhindert. Und abschließend Shinguard, ein nachhaltiger Schienbeinschoner für Fußballspieler, dessen Innenleben gewaschen werden kann.

Anspannung fällt ab

Um 14 Uhr trifft die Jury ein, die aus den Unternehmern Bettina Schmauder, Torsten Reuß und Alexander Fees, dem Geschäftsführer des GO-Verlags, Ulrich Gottlieb, sowie Selina Dietrich und Marcus Wittkamp von der Kreissparkasse Esslingen besteht. Einigen Jugendlichen ist die Aufregung deutlich anzusehen. Denn nach jedem Vortrag haben die Juroren ebenfalls drei Minuten Zeit, um ihnen Fragen zu stellen. Wie sieht die Finanzierung aus? Wie gewährleistet ihr, dass die Qualität stimmt? Und was macht die Konkurrenz? Die Szenerie erinnert ein wenig an das Fernsehformat „Höhle der Löwen“, in dem Gründer mit ihren Ideen eine Jury aus erfahrenen Unternehmern überzeugen muss, um Investoren zu gewinnen. Trotz Anspannung haben die Gruppen an der JFS meist souveräne Erklärungen auf die Fragen parat. Das begeistert den stellvertretenden Schulleiter, Jens Kaiser. „Ich bin wirklich stolz auf die Schüler, dass sie diese Probleme erkannt haben und kreativen Ideen hatten“, sagt er. Für den Geschäftsführer des Wirtschaftsgymnasiums, Johannes Baaken, ist dieses Angebot ein guter Zusatz zum üblichen Unterricht, „weil sie in den Workshops das nötige Handwerkszeug bekommen“.

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Als die Vorträge und Fragerunden dann überstanden sind, ist die Freude unter den Elftklässlern zu spüren – zumindest die Anspannung fällt nun ab. In einer Feedbackrunde fragt Raphaela Lauber vom Steinbeis-Team, wie es den Nachwuchsgründern in den vergangenen Stunden ergangen ist. Sie seinen selbst erstaunt, wie „schnell man zu einer Idee kommen kann“, erklärt einer der Schüler. Seine Klassenkameradin spricht von einer „ganz neuen Erfahrung.“

Erstes Kreisteam beim Landeswettbewerb?

„Die Kompetenzen sind sehr hilfreich, um unternehmerisch zu denken“, sagt Christian Dracker von der Wirtschaftsförderung des Landkreises Esslingen. Er ist unter anderem dafür verantwortlich, die Workshops im Landkreis auszurollen. Das Pilotprojekt scheint überzeugt zu haben. „Wir wollen noch weitere Klassen gewinnen“, sagt Drackert. Raphalea Lauber vom Steinbeis-Team ist davon überzeugt, dass die jungen Erwachsenen von diesem Angebot nur profitieren. „Das ist einfach ein ganz anderer Schultag für sie“, erklärt Lauber.

Am Ende verkündet die Jury den Gewinner: Es ist das Start-up „Napfy“ von Emilie Rückschloß, Celina Wetzel, Lena Eberle und Amelie Bolte. Sie haben damit die Chance am Landeswettbewerb im Juli 2022 in Stuttgart teilzunehmen. „Sagt Bescheid, wenn ihr das macht“, sagt Unternehmer Reuß mit einem Lächeln, bevor er den Raum verlässt.

Start-up BW Young Talents

Schulen
 Weil Innovationen in Zukunft immer häufiger von Start-ups entwickelt werden, sollen junge Menschen in den Schulen im Land frühzeitig mit dem Thema Unternehmensgründung in Berührung kommen – möglichst schon in der Sekundarstufe II, wie das Landratsamt Esslingen mitteilt.

Workshops
 Wenn sich Schulen entschließen, an dem Projekt teilzunehmen, müssen sie im Grunde nur die Räumlichkeiten zur Verfügung stellen. Die eigentlichen Workshops werden von einem Expertenteam des Steinbeis-Innovationszentrums organisiert und umgesetzt. Die Veranstaltung dauert einen Tag lang. Dabei lernen die Schüler mit Design-Thinking-Methoden eigene Geschäftsideen zu entwickeln, die gepitcht und bewertet werden.

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