Wort zum Montag Warum Pokémon Go ein Segen ist

Von Tom Hörner 

Hört endlich auf, pauschal Computerspiele zu verteufeln! Denn zumindest eines hat etwas geschafft, wozu Erziehungsberechtigte kaum noch in der Lage sind: Die Kinder gehen wieder raus ins Freie.

Junge Leute auf der Suche nach virtuellen Monstern Foto: dpa
Junge Leute auf der Suche nach virtuellen Monstern Foto: dpa

Stuttgart - Was hat man nicht alles an die Kinder hingebruddelt. Hockt nicht ständig vor dem Bildschirm! Geht raus an die frische Luft! Das ist gut für Körper und Geist. Ihr sollt es schließlich mal besser haben als wir. Nix hat’s gebracht. Es war für die Katz. Gegen die Magie der Mattscheibe halfen keine Argumente.

Endlich gibt es kein Halten mehr

Und jetzt kommt da so ein japanischer Computerspiel-Fritze daher, behauptet, dass in der Welt da draußen virtuelle Monster umherschwirren, die man nur erwischen kann, wenn man vors Haus geht – und schon gibt es kein Halten mehr. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Ich bin der Firma Nintendo dankbar für das Smartphone-Spiel „Pokémon Go“, so wie ich heute noch den japanischen Autobauern für ihre Invasion in den siebziger Jahren dankbar bin. Vor dem Import der hierzulande anfangs als Reisschüsseln belächelten Automobile reichten die Aufpreislisten deutscher Neuwagen von Untertürkheim bis Yokohama.

Lob aufs Reis-Leistungs-Verhältnis

Dann aber kamen aus dem Land der aufgehenden Sonne Datsun und Co. – und ein Licht ging uns auf: Hoppla, es gibt ja komplett ausgerüstete Fahrzeuge, bei denen außer Karosserie, Motor, Reifen und Lenkrad noch ein paar andere Annehmlichkeiten mit dabei sind. Man wusste das tolle Reis-Leistungs-Verhältnis zu schätzen.

Monsterjagd an der Kriegsfront

Natürlich wird es mit dem Smartphone-Spiel „Pokémon Go“ Probleme geben. Spätestens wenn das erste Monster auf einem Friedhof oder auf dem Gelände einer Gedenkstätte auftaucht, werden Berufspessimisten mal wieder das Abendland untergehen sehen. Auf Facebook hat ein US-Soldat gepostet, wie er mit seinem Smartphone an der Kriegsfront in Mossul auf Monsterjagd geht. Aber sind das nicht Kollateralschäden?

Entscheidend ist doch: Unsere Kinder gehen wieder raus. In Trier ist es der Polizei problemlos gelungen, einen gesuchten Straftäter zu verhaften. Der 18-Jährige war so sehr in „Pokémon Go“ vertieft, dass er gar nicht merkte, als eine Streife zugriff. Natürlich ist die Sache bitter für den jungen Mann, denn mit dem Frischluftschnappen ist es vorerst vorbei. Vermutlich wird er die Polizisten vor allem als eines verfluchen: als Spielverderber.




Unsere Empfehlung für Sie