Wortkino in S-Mitte Das etwas andere Theater

Von Martin Bernklau 

Das Wortkino hat den Sommer durchgespielt und legt gleich mit einer Premiere zu schwäbischen Sagen nach. Die kleine Spielstätte an der Werastraße war fast immer ausverkauft mit ihren 43 Plätzen.

Norbert Eilts ist eines der Urgesteine der Bühnenkooperative Dein Theater. Foto: Bernklau
Norbert Eilts ist eines der Urgesteine der Bühnenkooperative Dein Theater. Foto: Bernklau

S-Mitte - Andere machen Sommerpause. Das Wortkino hat durchgespielt – und jetzt mit „Einfach sagenhaft“ die erste neue Premiere vorgelegt. Dieses kleine Theater in der Werastraße ist die feste Spielstätte der Bühnenkooperative „Dein Theater“, die es nun seit fast 30 Jahren gibt, und die ihren Sitz im Stuttgarter Osten hat. Friedrich Beyer hat sie gegründet, der Staatstheater-Regisseur. Fast von Anbeginn an dabei ist auch Norbert Eilts.

„Eine schöne Arbeit“ nennt er seinen Beruf, der sich aus Schauspielern und Sprechen, aus Recherchieren und Dramaturgie mischt und aus einer ganzen Menge mehr, was es so am Theater an Tätigkeiten gibt. Er selber „wollte eigentlich nie Schauspieler werden“. Gelernt hat er Sprechen und Regie, dazu ein Jahr Bewegungstheater. Das Ensemble zählt zur Zeit 20 Köpfe, und es gibt da eine beeindruckende Beständigkeit. Über die Jahre und mit dem Umfeld gelegentlicher Mitwirkender auch beim Wortkino kommt Dein Theater so ungefähr auf 50 Mimen, Musiker, Stückeschreiber, Bühnentechniker und Regisseure.

Mehr als 50 Stücke sind im Repertoire

Das Wortkino und Dein Theater spielen keinen Lear, keinen Faust und keinen Wallenstein, auch kein Warten auf Godot. „Die klassischen Personenstücke, das normale Bühnenrepertoire gibt es bei uns nicht“, sagt Norbert Eilt. Wohl aber sind dramatisierte Erzählungen der Weltliteratur zu haben wie „Der Mantel“ von Nikolaj Gogol.

Dein Theater ist ein Bestell-Theater, eine Reise-Bühne mit einer Reichweite im gesamten deutschsprachigen Raum. Es spielt eigentlich nur Eigenes. Mehr als 50 Stücke sind im Repertoire, musikalische oder literarische Revuen eigentlich, oft in verschieden langen Fassungen oder neuen Bearbeitungen. „Wir wollen nichts Angestaubtes“, sagt Norbert Eilts. Wer genug Geld aufbringen kann, der darf sich auch ein ganzes Stück verfassen und inszenieren lassen – über die Firmengeschichte oder den Heimatort oder den berühmten Ehrenbürger.

Rund ums Jahr buchbar

Norbert Eilts hat zum Beispiel im Jahr 2009 aus Weil der Stadt den Auftrag bekommen, ein Stück über den großen Astronomen Johannes Kepler anzufertigen, zum 400. Jubiläum von dessen weltumstürzenden Gesetzen. „Himmelsstürmer“ nannte er es. Den Spinnern, Mördern und Sonderlingen seiner eigenen Geburtsstadt Backnang hat der Schwabe Eilts mit „Heimat, deine Sterne“ ein Denkmal oder auch Grabmal gesetzt. Friedrich der Große und dessen brutaler Vater, der preußische Soldatenkönig, haben ihn als Vater-Sohn-Konflikt beschäftigt. Der Kollege Stefan Oesterle widmete sich in „Blaus Wunder“ dem Mundartdichter und Stuttgarter Zeitungs-Patriarchen Josef Eberle.

Weil die feste und die bewegliche Bühne keine Zuschüsse bekommen, sind sie rund ums Jahr bespielt, beziehungsweise buchbar. „Das klappt gerade beim Wortkino seit Jahren sehr gut“, sagt Eilts. Bei Touristen und Daheimgebliebenen sei der Theaterhunger halt auch im Sommer groß. Die kleine Spielstätte in der Werastraße war fast immer ausverkauft mit ihren 43 Plätzen. Als ein „weißes Theater mit Raum nach hinten für viel Licht und Farbe“ bezeichnet er das 1999 eröffnete Wortkino.

Gerade eben gab es die erste Premiere nach dem Sommer „Einfach sagenhaft – Sagen aus dem Südwesten“ mit Ellen Schubert. Am Freitag, 4. Oktober, steht sie wieder auf dem Spielplan. Mittwoch, also am Vorabend und auch am Tag der deutschen Einheit steht jeweils von 19 Uhr an Norbert Eilts auf der Bühne mit „Vater und Sohn“, dem Stück zum 300. Geburtstag des Großen Friedrich.

Sonderthemen