Auch wenn die Flüsse bei Temperaturen über 30 Grad zum Abkühlen einladen: Geeignet sind die Gewässer dafür nicht. Sie können sogar Gefahren bergen.

Bei bald wieder 30 Grad und mehr klingt eine kleine Abkühlung in der renaturierten Würm doch geradezu verlockend. Mal schnell die Füße reinhalten, die Kinder planschen lassen und die Getränke im Wasser kühlen. Was nach einem traumhaften Sommerausflug direkt vor der Haustür klingt, kann aber ernsthafte Gesundheitsrisiken bergen.

 

„Die Würm ist kein Badegewässer“, darauf weist das Landratsamt Böblingen hin, dessen Wasserwirtschaftsamt für die Kontrolle der oberirdischen Gewässer zuständig ist. „Je nach Jahreszeit, insbesondere im Sommer, besteht das Wasser der Würm zu 60 bis 80 Prozent aus geklärtem Abwasser“, sagt Pressesprecherin Rebecca Kottmann. Je heißer und trockener das Wetter ist, desto höher ist der Abwasseranteil am Wasser des Flüsschens, das im Schönbuch entspringt und nach 53 Kilometern in Pforzheim in die Nagold mündet. Hohe Temperaturen erhöhen zudem die Gefahr, dass sich Krankheitserreger stark vermehren.

Die Glems ist bei Höfingen an mehreren Stellen zugänglich, allerdings sehr flach. Foto: Simon Granville

„Dadurch wird das Baden hygienisch bedenklich. Anstatt die Füße in das Wasser zu hängen, sollte man eher die Freibäder aufsuchen“, empfiehlt Kottmann. Das gelte für alle Flüsse und Bäche im Kreis, der offiziell über kein einziges ausgewiesenes Badegewässer verfügt. Wer dennoch ins Wasser gehe, tue dies auf eigene Gefahr. Nicht nur bei Weil der Stadt lockt die Würm zum Baden. In Altdorf findet seit vielen Jahren regelmäßig während des Bachfestes der Bachsprung in die Würm statt.

Die Stadt Leonberg überwacht regelmäßig die Ablaufwerte der Kläranlage Mittleres Glemstal. „Sie liegen innerhalb der gesetzlich vorgegebenen Grenzwerte. Weitere Messungen werden aktuell nicht durchgeführt. Deshalb kann die Stadt keine allgemeine Aussage zur Wasserqualität in der Glems treffen“, teilt Stadtsprecherin Leila Fendrich mit. Zugänglich ist die Glems vor allem im Höfinger Täle. Die Kläranlage liegt flussabwärts davon, kurz vor der Gemarkungsgrenze zu Ditzingen und damit an der Grenze zum Kreis Ludwigsburg.

Dem Kreis Böblingen seien bislang keine Krankheitsfälle gemeldet worden, in denen ein Zusammenhang zu einem Bad in einem Gewässer des Kreises bestehe. Anders sieht das etwa im Kreis Karlsruhe aus, wo vor zwei Wochen bei mehreren Menschen ein erfrischendes Bad im Fluss Alb zu Übelkeit, Erbrechen und in einem Fall zu einem Aufenthalt im Krankenhaus geführt hatte. Was genau die Ursache war, ist bislang unklar.

Einmal im Jahr springen Bewohner von Altdorf beim Bachfest in die Würm – ein Highlight für die Zuschauer. Foto: Eibner-Pressefoto/Max Vogel

Der Enzkreis verfügt nur über ein offizielles Badegewässer, den Tiefen See bei Maulbronn. Dessen Wasserqualität werde regelmäßig überprüft und sei „ausgezeichnet“, teilt das Landratsamt Enzkreis mit. Baden ist dort offiziell erlaubt. „Das Wasser in unseren Flüssen wird von uns nicht regelmäßig geprüft. Ob man dort gefahrlos baden kann, wissen wir also nicht und können folglich weder Warnhinweise geben noch Verbote aussprechen oder Genehmigungen erteilen“, erklärt ein Sprecher. Man rate jedoch dringend davon ab, in Würm, Nagold, Enz oder Pfinz zu baden.

Ob man sein Tier baden lässt, liege in der Verantwortung des Besitzers. Und wer gern Getränke im Flusswasser kühlen möchte, sollte dies nur mit verschlossenen Flaschen tun und deren Verschluss vom Wasser fern halten.

Geklärtes Abwasser

Mehrstufiger Prozess
In Kläranlagen wird Brauchwasser über mehrere Stufen gereinigt. So werden zuerst Fest- und Schwebstoffe durch Siebe und Sedimentbecken entfernt, später auch durch biologische und chemische Klärung organische Stoffe, Phosphat und Nitrat entfernt. Je nach Größe und Ausstattung der Anlage können gezielt Arzneimittelrückstände und Mikroplastik entfernt werden.

Würm
In die Würm leiten gleich mehrere Kommunen und Teilorte ihre geklärten Abwässer ein: Altdorf/Hildrizhausen, Ehningen, Aidlingen, Grafenau, Weil der Stadt und Hausen. Dazu kommt das Klärwerk 1 für Böblingen/Sindelfingen, dessen Abwässer über die Schwippe in die Würm gelangen.