Acht Jahre ist es her, seit Sabine Dreschmann vom Landschaftsarchitekturbüro Setup die ersten Skizzen für eine Renaturierung der Würm südlich der Weiler Stadtmauer zeichnete. Jetzt rammt sie am Flussufer einen Spaten in den Acker, neben ihr Vertreter der Verwaltung, des Gemeinderats, des Landratsamtes und der zuständigen Baufirma. Das Fleckchen Erde, auf dem sich sich versammelt haben, wird – läuft alles nach Plan – in etwas mehr als einem Jahr nicht mehr existieren, die Wiese hier tiefer liegen. Einige Meter weiter neben der Einstichstelle der Spaten wird kein Gras mehr wachsen, sondern Wasser fließen, vorbei an 60 neuen Bäumen und kiesgesäumten Ufern.
Die Stadt startet damit in den zweiten Bauabschnitt eines ihrer größten Projekte: Die Neugestaltung des Brühwiesenparks. Weil das vor wenigen Jahren neugebaute Bürgerheim höher liegt als das restliche Gelände, musste in Richtung Würm und Talackerbach bei einem sogenannten Retentionsausgleich Erdvolumen entfernt werden. Das dient auch dem Hochwasserschutz, die Wiesen sind Überlauffläche im Falle einer Überschwemmung. Weil zwischen Bürgerheim und Fluss also ohnehin gegraben werden musste, gestaltete die Stadt hier im ersten Bauabschnitt des Projekts einen Mehrgenerationenpark, der im vergangenen Jahr fertig gestellt wurde und laut Bürgermeister Christian Walter bisher gut angenommen wird.
Die Würm fließt nicht mehr gerade, sondern mäandert
Im Juli soll es nun weitergehen mit den Arbeiten, dieses Mal an Würm und Talackerbach. Der Abschnitt der Würm, die auf 170 Metern gerade noch durch eine Betonrinne fließt, soll künftig in mehreren Schleifen verlaufen und so auf 250 Meter verlängert werden. Betoniert worden war die Rinne der Würm Anfang der 70er, erklärt Erster Beigeordneter Jürgen Katz. Damals habe man noch die Idee gehabt, dass das Wasser im Falle einer Überschwemmung dadurch schneller abfließe. „Mittlerweile ist man zu anderen Erkenntnissen gekommen“, sagt er. Die Tage des Betons sind, zumindest auf dem Teil der Würm am Brühlwiesenpark, sind nun gezählt. „Wir werden aus einer begrünten Betonrinne ein naturnahes Gewässer herstellen“, sagt Landschaftsarchitektin Dreschmann. Gleichzeitig soll auch der Talackerbach renaturiert werden – sodass sich hier in Zukunft sogar wieder Fische ansiedeln könnten.
Starten sollen die Arbeiten bereits im Juli und sich bis spätestens Oktober 2025 ziehen. „Bauen am offenen Herzen“, nennt es Dreschmann. Denn die Würm fließt währenddessen weiter, Grundwasserstand, Wasser- und Bodenqualität müssen deshalb ständig kontrolliert werden. Und nicht nur deshalb ist das Projekt aufwendig – zum Schutz der Au wird etwa die obere Erdschicht abgegraben und gelagert, die untere Erde abtransportiert und dann der obere Au-Boden wieder darüber gelegt. Sechs oder sieben Fachplaner und Büros seien am Ende beteiligt, zählt Jürgen Katz auf.
Keine Förderung vom Land für Arbeiten an der Würm
Teuer ist diese Renaturierung für die Stadt also, rund 1,6 Millionen Euro kosten die Arbeiten für den zweiten Bauabschnitt. Zwar gibt es für den Teil der Arbeiten am Talackerbach eine Förderung von rund 560 000 Euro und vom Verband Region Stuttgart noch einmal 28 000 Euro. Anders als eigentlich erwartet will das Land für die Arbeiten an der Würm aber „keinen Euro“ zahlen, wie es Katz verärgert beschreibt. Denn: Die Würm ist ein Gewässer erster Ordnung, die Unterhaltung fällt damit dem Land zu. Das kann, so Katz, aber nicht seine eigenen Gewässer fördern. Um die Arbeiten zwecks Retentionsausgleich kommt die Stadt derweil nicht herum. Trostpflaster: Die entstehenden Ökopunkte darf Weil der Stadt behalten.