Bei der Württemberger Sektmeisterschaft unserer Zeitung ist in Fellbach erstmals direkt der Publikumssieger gekürt worden. Die Genossen aus dem Remstal können auch Sekt!
Mit einem neuen Format hat die sechste Saison der Württemberger Meisterschaften von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten begonnen. Nach fünf erfolgreichen Staffeln der Weinmeisterschaft in den Kategorien Weiß und Rot sowie vier Rosé-Editionen wurde nun erstmals die Württemberger Sektmeisterschaft ausgetragen. Und der erste Sieger dieses neuen Wettbewerbs ist . . . die Remstalkellerei! Den Preis an die Genossenschaft überreichte die Württemberger Weinkönigin Natalie Schäfter. Bei der Verleihung gestand die 24-Jährige, die einen Master in Physik hat, noch nie Champagner getrunken zu haben, weil: „Das Level der Schaumweine aus Württemberg ist inzwischen so hoch, dass man sich damit nicht verstecken muss.“
Sowohl die Verkostung als auch die Preisverleihung fanden im Rahmen des Weintreffs in der Alten Kelter in Fellbach live vor Publikum statt. Moderiert wurde die Veranstaltung von Michael Weier, der den Geschäftsführenden Redakteur unserer Zeitung, Holger Gayer, würdig vertrat. Schließlich gehört auch er sowohl zum Vorkosterteam der Meisterschaften als auch zu den Weinkolumnisten unserer Zeitung – und ist gebürtiger Fellbacher, wie er sich den 150 Teilnehmern zu Beginn der Weinprobe vorstellte. Obwohl die Remstalkellerei schon zweimal die Württemberger Weinmeisterschaft gewonnen hat, sprach Weier am Ende von einer „Überraschung“. Nicht zu Unrecht, war die Konkurrenz im Wettbewerb doch stark, allen voran mit einem Heimspiel des Fellbacher Spitzenweinguts Aldinger.
Zuvor hatten mehr als 30 Betriebe aus ganz Württemberg ihre Sekterzeugnisse eingereicht, die wie immer in einer Blindprobe in der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Weinsberg mit deren Direktor Dieter Blankenhorn verkostet wurden. Die sechs Besten und ihre Macher wurden nun beim Fellbacher Weintreff präsentiert. Und dort hat eben „keine Fachjury, sondern eine Jury, die wir alle brauchen“ darüber entschieden, was ihr am besten schmeckt, wie sich Fabian Fleischer aus dem Vertrieb der Remstalkellerei beim Publikum bedankte.
Spielte der Preis eine Rolle?
Womöglich spielt bei den Konsumenten auch der auf Infoblättern zu den Abstimmungskärtchen abgedruckte Preis eine Rolle. Jedenfalls war der Sekt aus der Remstalkellerei mit 12 Euro der günstigste im Wettbewerb beziehungsweise laut Fleischer einer „für jede Gelegenheit“. Passend zur Qualitätsoffensive aus der Genossenschaft, die schwere Zeiten hinter sich hat, wurde jüngst ein neuer Auftritt mit edlen Etiketten vorgestellt. Den Inhalt des Siegersekts gibt es so ähnlich aber schon seit 2021 im Sortiment. Es handelt sich um einen Gelben Muskateller, „eine alte, edle Sorte mit sehr floraler Note“, die ganz nach dem Geschmack des Publikums ist.
Auch für Christoph Kern von Kern Weine in Kernen ist neben der Qualität in der Flasche das „Drumherum“ sehr wichtig. Also die Kommunikation und das Etikett, das bei „F. vom Jupiter“ mit Neue-Deutsche-Welle-Namen im Bauhaus-Stil weg vom alten Kupferstich-Image deutscher Weine führen soll. Sein Sekt aus Pinot-Noir- und Pinot-Meunier-Trauben sei aber ganz klassisch wie bei einem Crémant ausgebaut. Er lag 14 Monate auf der Hefe, was für den Kern-Weine-Geschäftsführer, der sich selbst als umtriebig bezeichnet, schon sehr lang ist.
Im Weingut Aldinger reift das Prestige-Gewächs „Brut Nature“ sogar sechs Jahre in der Flasche. Bei der Württemberger Sektmeisterschaft aber trat man mit dem No. 531 Blanc an, einem Ergebnis der 531. Ernte im traditionsreichen Familienunternehmen. Die klassische Champagner-Cuvée besteht aus Chardonnay, Pinot Noir und Pinot Meunier, der auf Deutsch Schwarzriesling heißt. „Unsere Väter und Großväter haben Rotwein daraus gemacht, wir machen Sekt daraus, der al dente ist. Er soll frisch sein und nicht müde machen“, erklärt Matthias Aldinger sein Produkt.
Ein „Rei’g’schmeckter“ von der Mosel
Matthias Mayerle vom Weingut Mayerle in Remshalden ist erst die zweite Generation, die in dem ehemaligen landwirtschaftlichen Mischbetrieb zu 100 Prozent Weinbau betreibt. Er ist ein „Rei’g’schmeckter“ von der Mosel, wie er sagt. Auf einer Fortbildung in Weinsberg hat er die Tochter des Hauses kennengelernt, „die wie viele Frauen ein feineres Züngle als die Männer“ hat. Der 2023er Geradstettener Lichtenberg von Nina und Matthias Mayerle ist ein rebsortenreiner Sauvignon blanc, der mit seiner Aromenvielfalt „einfach Spaß machen darf“.
Der Crémant Rosé Pinot brut vom Weingut Merkle hingegen ist ein rebsortenreiner Spätburgunder. „Wir haben uns getraut, ein bisschen Farbe zu lassen“, sagt Georg Merkle, der aus Ochsenhausen, „dem schönsten Dorf im Landkreis Ludwigsburg“, nach Fellbach gekommen ist. Er wird von Michael Weier als „großer Hefevertreter“ vorgestellt, denn sein Sekt ist „wildspontan“ aus eigenen Hefen entstanden, was für Merkle den Stellenwert des „Terroirs“ im Weinbau noch bedeutender macht.
Zwischen viermal Remstal und einmal Unterland hat es auch Stuttgart in die Endauswahl geschafft. Dies mit der „preislichen Speerspitze“, räumt Philipp Kollmar, Geschäftsführer der Genossenschaft Collegium Wirtemberg, ein. Aber in dem Pinot brut nature stecken immerhin eine reine Handlese bei maximal 80 Grad Oechsle sowie mindestens drei Jahre Reifezeit in der Flasche, beim 2019er für die erste Württemberger Sektmeisterschaft sogar noch ein Jahr mehr. Auch diese Cuvée ist ein beeindruckendes Beispiel, wie hoch die Qualität made in Württemberg inzwischen ist. Man darf jetzt schon gespannt sein, was die Winzer in der Rosé-Weinmeisterschaft 2026 für den Sommer zu bieten haben.
Einige wenige Pakete mit den sechs Finalisten der Württemberger Sektmeisterschaft sind noch im Online-Shop https://www.shop711.de/products/paket-wuerttemberger-sektmeisterschaft für 112,30 Euro erhältlich.