Württembergische Landesbibliothek Das Warten auf den Neubau

Von Wenke Böhm 

Hannsjörg Kowark, Direktor der Landesbibliothek, sehnt den Startschuss für den Neubau schon lang herbei. Dieser lässt aber noch auf sich warten. Doch erste Vorbereitungen laufen.

Im Sommer soll mit dem Neubau der Landesbibliothek begonnen, derzeit sind vorbereitende Arbeiten im Gang. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Im Sommer soll mit dem Neubau der Landesbibliothek begonnen, derzeit sind vorbereitende Arbeiten im Gang. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Die Baustelle an der Ulrichstraße kündigt es an: Es tut sich allmählich etwas in Sachen Neubau der Württembergischen Landesbibliothek (WLB). Erste Vorbereitungsarbeiten laufen. Einige Nutzer der Tiefgarage haben es sogar schriftlich, denn ihre Parkplätze wurden gekündigt. Im März soll mit dem Abriss von Vorbau und Garage begonnen werden. Spannend wird es vor allem danach, denn der Zeitplan ist sportlich.

„Dass wir wirklich im Sommer mit dem Neubau beginnen können, glaube ich erst, wenn der Bagger auf der Wiese steht“, sagt Bibliotheksdirektor Hannsjörg Kowark. Eigentlich hätte die zwingend erforderliche Erweiterung schon im kommenden Jahr – passend zum 250-Jahr-Jubiläum – eingeweiht werden sollen, macht er deutlich. Stattdessen habe sich das rund 52 Millionen Euro teure Bauprojekt immer wieder verzögert, weil die Finanzierung nicht vollständig geklärt war.

Sorgen wegen des Grundwassermanagements

Während der auf diese Weise verstrichenen zwei Jahre sei der Bestand der Bibliothek, die eine Archivierungspflicht für württembergische Medien hat, weiter angewachsen, sagt Kowark. Die Einrichtung drohe aus den Nähten zu platzen. Ein zweites Ausweichmagazin würde das Land nach seiner Rechnung rund 2,5 Millionen Euro pro Jahr kosten. Beim Blick nach vorn macht den Verantwortlichen vor allem das Grundwassermanagement Sorgen. Das muss nämlich mit dem geplanten Bürger- und Medienzentrum des Landtags abgestimmt werden, und dieses hat Vorrang bekommen. Das heißt: Erst wenn das Bürgerzentrum mit dem Grundwassermanagement durch ist, kann die Landesbibliothek richtig loslegen.

Im Idealfall passt alles nahtlos ineinander und die WLB kann von August 2015 an bauen. Doch schon eine kleine Panne oder etwas Unvorhergesehenes könne den Zeitplan ins Wanken bringen, macht Kowark deutlich. „Wir haben keinen zeitlichen Puffer.“ Üppiger Frost reiche unter Umständen aus, um das enge Zeitkorsett zu sprengen. „Wir hoffen auf einen milden Winter. Der letzte wär‘s gewesen.“ Während das Wetter nicht kalkulierbar ist, gibt Matthias Jekosch, Sprecher des verantwortlichen Finanzministeriums, in anderer Hinsicht erst einmal Entwarnung: „Nach meinem Wissen sind bislang noch keine Verzögerungen erkennbar.“

Geplante Übergabe ist Anfang 2018

Die Bibliothek bereitet sich bereits auf den Baustart vor. „Wir arbeiten mit Hochdruck“, betont Kowark. An der Ulrichstraße werden Leitungen neu verlegt, damit die Brücke zum Haus der Abgeordneten im April abgerissen werden kann. Im Frühjahr soll der Garten der Bücherei „abgeräumt“ werden, um das Baufeld frei zu machen. Außerdem beginnen die Abrissarbeiten. Derzeit organisiert die Einrichtung, wie sie den fehlenden Vorbau überbrücken kann. Veranstaltungen müssten in benachbarten Einrichtungen stattfinden, sagt Kowark. Landesmuseum und Staatsarchiv hätten sich angeboten. Geht alles nach Plan, kann von August 2015 die Baugrube ausgehoben und im Februar 2016 mit dem Rohbau begonnen werden. Die Fassade soll laut Kowark bis Ende 2016 stehen, und die Übergabe des Gebäudes sei für Anfang 2018 geplant. Spannend bleibt es auf jeden Fall. „Erst wenn der Bagger draufsteht, schlafe ich wieder besser“, sagt Kowark.

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