Württembergischer Automobilclub in Stuttgart Feiern im Ambiente der 50er Jahre

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Die Spitze des Württembergischen Automobilclubs will ihr Clubhaus für jüngere Menschen öffnen. Die Location bietet sich an – wo könnte man stilvoller feiern als in der Stuttgarter Halbhöhe?

Uwe Sontheimer (links) und Jürgen Preuß an der WAC-Bar Foto: Lichtgut/Leif Piechowski 2 Bilder
Uwe Sontheimer (links) und Jürgen Preuß an der WAC-Bar Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Viele Stuttgarter kennen das markante Haus des Württembergischen Automobilclubs (WAC) in der Mörikestraße im Westen: Der weiße Kubus aus den 50ern ist eine Design-Ikone zwischen den Gründerzeitvillen der Nachbarschaft. Auch innen hat sich wenig verändert, sei es in der Bierstube, an der Bar mit der hinterleuchteten Vitrine oder im Saal mit dem Parkettboden und den Kristalllüstern. All das erinnert an Nachmittagstees und Tanzvergnügen.

Früher wurden beim WAC rauschende Partys gefeiert, etwa von den Rennfahrern Hans Herrmann und Eberhard Mahle. Daran will der neu gegründete Soul Circle des Clubs mit seiner ersten Party am 22. November anknüpfen. Uwe Sontheimer wird auflegen, Jigger & Spoon die Bar betreiben, Restaurantleiterin Christina Fiorentina die legendären Club-Toasts servieren. Rund 200 Gäste erhofft man sich. Einlass ist nur mit Anmeldung sowie einem Verzehrbon für 30 Euro möglich (info@wac1899.de). „Wir sind kein Disco-Betrieb, sondern wir bieten einen ausgewählten Rahmen“, sagt Jürgen Preuß, einer der Organisatoren.

Mit dem neuen Format wolle man Mitglieder ebenso wie jüngere Menschen ansprechen, erklärt das WAC-Präsidiumsmitglied – wobei Uwe Sontheimer mit einem Durchschnittsalter von „um die 40“ zufrieden wäre. Mit einem Mix aus Soul, Funk und Disco will er „die Mädels ein bisschen zum Tanzen bringen“, sagt er. Denn das sei das, was in der Stadt fehle.

Keine Konkurrenz zu den Boa-Partys

Man wolle keine Konkurrenz zu den Boa-Partys oder zur neuen Reihe Castle Rock auf der Solitude sein, betont Preuß. Vielmehr gehe es darum, das Feiern mit dem Netzwerken zu verbinden. Denn der Sinn und Zweck solcher Veranstaltungen ist es, den Verein, dem rund 1200 Menschen mehr oder weniger verbunden sind, zu verjüngen. Der WAC zählt zu den ältesten Automobilclubs der Welt – er wurde 1899 gegründet. „Wir sind nicht rückwärtsgewandt. Es geht uns nicht darum, den Verbrennungsmotor zu retten. Wir wollen vielmehr die Entwicklungen in der Branche positiv begleiten“, betont Preuß.

Das soll sich in der neuen Homepage ausdrücken und damit will der Club mehr nach draußen dringen, sei es bei den monatlichen „Prime Times“ mit Kurzvorträgen, sei es bei Partys wie „Disco & Soul“, die künftig zwei Mal im Jahr stattfinden soll. „Unser Problem ist nicht, dass keiner zu uns kommen will, sondern es besteht eher darin, dass wir bisher vielen noch kein Angebot gemacht haben,“ erklärt Preuß, der eine Werbeagentur betreibt.

Ins WAC-Präsidium hat ihn Volker Stauch geholt. Der frühere Topmanager bei Daimler ist seit rund sieben Jahren der Club-Präsident. Er selbst sei damals von Daimler-Boss Dieter Zetsche überredet worden. Er habe unter der Prämisse eingewilligt, erzählt Stauch, „Gas zu geben.“ Denn: „Wir leben nicht von den Honoratioren, sondern von der Jugend.“ Das Haus biete schließlich nicht nur ein etwas „schräges“ Ambiente, sondern auch „unendliche Möglichkeiten“. Dieses Potenzial wolle man besser nutzen.

Auch bisher gab es im Clubhaus neben dem monatlichen Motorsportstammtisch gesellschaftliche Events. Fans der gutbürgerlichen Küche schätzen die Gastronomie – im Clubhaus wird man zudem noch nach alter Schule bedient. Neu ist der fair kalkulierte Mittagstisch, den dienstags und donnerstags gibt. Die Reaktionen der Club-Mitglieder auf „Disco & Soul“ waren laut den Organisatoren durchweg positiv. Es muss ja nicht so wild zugehen wie bei den legendären Rennfahrerpartys nach den Siegen auf der Solitude, die drei Tage gedauert haben sollen.

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