Wunsch nach Bürgerhaus Alles hängt am Betriebshof

Das Backsteingebäude soll früher einmal ein Pferdestall gewesen sein. Der Name ist hängen geblieben. Hier soll ein Bürgerhaus für den Norden entstehen. Foto: Fritzsche
Das Backsteingebäude soll früher einmal ein Pferdestall gewesen sein. Der Name ist hängen geblieben. Hier soll ein Bürgerhaus für den Norden entstehen. Foto: Fritzsche

Einen Wunsch haben die Menschen im Stuttgarter Norden schon lange: Ein eigenes Bürgerhaus. Ein Ort wäre gefunden, doch ohne alternativen Standort für die städtische Abfallwirtschaft dort stockt die Planung.

Filderzeitung: Rebecca Anna Fritzsche (fri)
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S-Nord - Es ist ein langgehegter und oft geäußerter Wunsch im Norden: ein Bürgerhaus für den Bezirk. Mit Räumen und viel Platz für Veranstaltungen, für Angebote für Kinder und Jugendliche, für Vereine, die ihre Mitgliederversammlung oder anderes abhalten wollen.

Solche Räume – oder ein Bezirksrathaus – gibt es bisher nicht in Stuttgart-Nord. Der Bezirksbeirat trifft sich im Rathaus in der Innenstadt, Veranstaltungen wie zuletzt den Ausspracheabend zum Verkehrsknoten Doggenburg werden in die Schulen, in diesem Fall an die Waldorfschule am Kräherwald, verlagert.

Dem Bürgerhaus einen Schritt näher

Auch ein Standort für ein zukünftiges Bürgerhaus ist bereits gefunden: An der Türlenstraße, auf der gegenüberliegenden Straßenseite des Bürgerhospital-Areals, befindet sich ein Haus aus rotem Backstein. „Pferdestall“ wird das historische Gebäude genannt. Momentan wird es von der städtischen Abfallwirtschaft (AWS) genutzt: auf dem Gelände ist der Betriebshof der AWS untergebracht.

Hier wird die Sache verzwickt: Der Betriebshof soll umziehen, da auch das Bürgerhospital das Areal verlassen wird. So könnten die beiden Bereiche links und rechts der Türlenstraße gemeinsam entwickelt werden: Auf dem Bürgerhospital-Areal soll langfristig ein neues Quartier mit rund 600 Wohnungen entstehen, das sich bis auf den Betriebshof erstreckt, und der Pferdestall soll zum Bürgerhaus werden.

Auf der Suche nach einer Alternativfläche

Das ist aber nur möglich, wenn der Betriebshof eine Alternativfläche hat, auf die er umsiedeln kann. Rund 130 Mitarbeiter sind an der Türlenstraße beschäftigt, weiterer Platz wird für Fahrzeuge und Material benötigt. Der Betriebshof ist der größte der AWS in Stuttgart: Hier werden die Müllabfuhr, der Sperrmüll und die Grüngutabfuhr für rund 200 000 Einwohner aus den Bezirken Mitte, Nord, Ost, Süd, West und Botnang organisiert, von hier schwärmen die orangefarbenen Fahrzeuge aus.

Eine Alternativfläche zu finden, war nicht einfach, stellte der AWS-Chef Thomas Heß 2013 im Bezirksbeirat Nord dar. Aber sie war gefunden: das Epple-Areal an der Quellenstraße in Bad Cannstatt sollte es sein. Die AWS teilte damals mit: „Der Eigenbetrieb AWS hat mehrere Suchläufe nach einem adäquaten Ersatzstandort in Zentrumsnähe gestartet - ohne Erfolg, mit Ausnahme des Angebots der Verlagerung auf das ehemalige Epple-Gelände. Das Gelände ist bisher das einzige geeignete und verfügbare Grundstück für die Belange der AWS, auch wenn dort nicht alle Betriebsbereiche untergebracht werden können.“ Der Bezirksbeirat Bad Cannstatt sprach sich im Sommer 2013 jedoch gegen die Verlagerung des Betriebshofs an die Quellenstraße aus. Die Lokalpolitiker wünschten sich stattdessen Wohnungen und kleinere Handwerksbetriebe dort.

Jetzt heißt es erst einmal abwarten

Sabine Mezger beschäftigt sich schon lange mit der Thematik, zunächst im Bezirksbeirat Nord, dann als Stadträtin, nun als frischgebackene Bezirksvorsteherin. Auch sie kann nur von Stillstand sprechen: „Es gibt keine Neuigkeiten, wir warten darauf, dass sich etwas tut“, sagt sie. Gleiches sagt auch Mezgers Kollege in Cannstatt, Bernd-Marcel Löffler: „Ich warte darauf, dass die Verwaltung sich meldet.“

Aus der AWS ist zu hören, dass alles noch in der Schwebe sei. Derzeit sei der Standort an der Quellenstraße die einzige Alternative, unter anderem, weil er nicht zu weit vom Stadtzentrum entfernt liegt. „Aber wir sind weiterhin auf der Suche nach Alternativflächen“, sagt eine Sprecherin. Schlussendlich muss der Gemeinderat über den Umzug entscheiden. Ursprünglich war er für 2016 vorgesehen.

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