Ein dreijähriger Junge, der gerne Knetmasse mit Förmchen hätte, eine Zwölfjährige, die eine gebrauchte Nähmaschine sucht, oder eine 88-jährige Seniorin, die eine neue Jogginghose glücklich machen würde. Wieder einmal reich bestückt ist die Aidlinger Adventsaktion „Weihnachtsbaum der Wünsche“, bei der in diesem Jahr 136 Sterne als Wunschzettel am Baum in der Schalterhalle der örtlichen Raiffeisenbank hängen. Es ist nicht die einzige Aktion dieser Art im Landkreis.
Das Wunschbaum-Prinzip funktioniert im Grunde überall gleich. In Aidlingen, wo die Benefizaktion für Bedürftige bereits zum zwölften Mal stattfindet, haben sich Bürgerbüro-Leiterin Ursula Kubin und ihre Mitarbeiterinnen Marie Jaiser und Heike Leitner bei Mitmenschen, jung und alt gleichermaßen, in Seniorenheimen oder Flüchtlings- und Obdachlosenunterkünften umgehört, wo der Schuh drückt und womit ihnen in den Weihnachtstagen eine besondere Freude bereitet werden könnte.
Viele geben mehr als die empfohlenen 20 Euro
Nicht mehr als 20 Euro sollten die anonym verfassten Wünsche auf einem Stern kosten. Allerdings sind die Schenkenden, die einen solchen Stern vom Baum pflücken, oft sehr viel großzügiger. „Es ist meistens mehr“, weiß Sigrid Frick, Raiffeisenbank-Mitarbeiterin und Mitinitiatorin des Aidlinger Wunschbaums.
Die Sterne werden von den Kindern der Sonnenbergschule gebastelt und von Ursula Kubin, Aidlingens Bürgermeister Ekkehard Fauth und den anderen Weihnachtswichteln zum Auftakt der Aktion an den Baum gehängt. Dort hängen sie, bis sich jemand entschließt, einem Fremden etwas Gutes zu tun. Bis 15. Dezember werden die kleinen Wunschlisten abgearbeitet. Darunter ist alle Jahre wieder eine ältere Dame , die um einen Zuschuss zum Weihnachtsbraten bittet. Die persönlichen Favoriten von Bürgermeister Fauth sind ein elfjähriger Junge, der endlich einen Spielzeugdinosaurier sein Eigen nennen möchte, und eine 85-jährige Frau, der Notizblock, Kalender und Süßigkeiten das Weihnachtsfest verschönern sollen. „Er ist unser Christkind“, sagt Sigrid Frick schmunzelnd in Fauths Richtung. „Ich denke, dass alle Sterne in Rekordzeit weggehen“, ist dieser überzeugt.
Im Nachbarort Grafenau organisiert die dortige Bürgerstiftung den „Weihnachtsbaum der Wünsche“ zusammen mit der Vereinigten Volksbank. Bereits seit 16. November steht der mit mehr als 130 Sternen behängte Nadelbaum in der Döffinger Filiale. Wegen der eingeschränkten Öffnungszeiten (montags und donnerstags jeweils von 14 bis 17 Uhr, mittwochs von 9 bis 12.30 Uhr) müssen spendenfreudige Bürgerinnen und Bürger den richtigen Zeitpunkt aussuchen, um sich rechtzeitig die vielen verschiedenen Wünsche auf dem Baum anzuschauen, bevor am 14. Dezember der Abgabeschluss für Päckchen oder Geldumschläge kommt.
Auch in Grafenau richtet sich die Aktion ganz allgemein an Bedürftige, weswegen beispielsweise aus dem Seniorenheim auch Anfragen zu Einkaufs- und Friseurgutscheinen oder Geld für eine Fußpflege kommen. Mit 30 Euro liegt die Obergrenze für den Spendenbetrag zwar ein wenig höher als in Aidlingen, alle Wünsche lassen sich damit aber natürlich nicht erfüllen. „Wir haben zum Beispiel ein vierjähriges Kind, das sich ein Fahrrad wünscht“, erzählt Wolfgang Schmetzer. In so einem Fall gebe es dann eben einen Geldgutschein, der je nach Wert zumindest für einen kleinen Teilbetrag reicht, erklärt der Dätzinger Ruheständler.
Geflüchteter aus der Ukraine will aus Dankbarkeit selbst etwas geben
Schmetzer ist wie Jürgen Matthiessen im Stiftungsrat der Grafenauer Bürgerstiftung, gemeinsam organisieren sie die Wunschbaumaktion. „Von persönlichen Hausbesuchen erfahren wir viel Schlimmes“, sagt Matthiessen. Der Vorsitzende des Stiftungsrats berichtet unter anderem von zahlreichen ukrainischen Müttern mit ihren Kindern sowie jungen Frauen, die vor Bomben und Granaten aus dem Kriegsgebiet geflohen seien. „Die Gemeinde hat für zahlreiche Unterkunftsmöglichkeiten gesorgt, doch es fehlt an allem“, stellt Matthiessen fest.
Gerade bei den Ukrainern gebe es aber auch eine große Dankbarkeit. So berichtet Wolfgang Schmetzer von einem älteren Geflüchteten aus dem umkämpften Land, der so froh über die in Deutschland erfahrene Hilfe sei, dass er, anstatt sich beschenken zu lassen, selbst einen Stern übernehmen und so jemanden glücklich machen wolle.
Überhaupt sei die Spendenbereitschaft im Ort enorm, stellt Schmetzer fest. „Im letzten Jahr waren am Schluss nur acht oder neun Sterne übrig“, sagt er. Die übrigen Sterne, für die sich bis zum Fristende kein Spender findet, übernimmt die Bürgerstiftung.
Zaviayan wünscht sich einen Opa
Einen Weihnachtswunsch, der nicht mit Geld bezahlt werden kann, kommt in diesem Jahr von dem achtjährigen Zaviyan Amir. Der Sohn pakistanischer Eltern will nämlich keine Spielsachen, keine coolen Klamotten und auch keinen Hightechkram. „Ich wünsche mir einen Opa, der mit mir spielt, mir bei den Hausaufgaben hilft oder mich zum Fußballtraining fährt“, sagt er.
Einer seiner Freunde habe so einen Opa. „Es ist nicht sein richtiger Opa“, erklärt der Grundschüler, aber er mache eben alles, was ein Opa so macht. Das wünscht sich auch Zaviyan für sich. Jemanden, der mit ihm all die Dinge tut, die seine Eltern nicht leisten können, weil sie arbeiten müssen oder aus anderen Gründen wie etwa der Sprachbarriere nicht in der Lage dazu sind. Noch hängt Zaviyans roter Wünschestern an dem Baum in der Volksbank-Filiale. Aber wer weiß? Vielleicht findet sich ja schon bald jemand, der für ihn ein lieber Opa sein will.
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