Wunschzettel aus aller Welt „An das Christkind“ - und wo genau ist das?

Von Nina Dias da Silva 

Eine Weihnachtstradition verlieren wir leider, je älter wir werden: den Wunschzettel. Doch was passiert mit den Wunschzetteln, die in den Briefkästen landen und hoffnungsvoll an den jeweiligen Weihnachtsvertreter adressiert sind?

Einhörner oder einfach nur Gesundheit - die Wünsche, die jedes Jahr bei den Postämtern ankommen, sind vielfältig. Foto: dpa
Einhörner oder einfach nur Gesundheit - die Wünsche, die jedes Jahr bei den Postämtern ankommen, sind vielfältig. Foto: dpa

Stuttgart - Die Weihnachtszeit lebt von ihren Traditionen: Plätzchen backen, Geschenke kaufen und so weiter. Eine dieser Traditionen verlieren wir leider, je älter wir werden – für die Kleinen und Kleinsten unter uns ist sie aber fast so wichtig wie Heiligabend selber: der Wunschzettel.

Ob man nun an Weihnachtsmann oder Christkind glaubt, auf den Wunschzettel wird alles gepackt, was man sich zu Weihnachten wünscht, für das neue Jahr und für andere. Doch was passiert mit den Wunschzetteln, die in den Briefkästen landen und hoffnungsvoll an den jeweiligen Weihnachtsvertreter adressiert sind? Sie werden nicht etwa an den Nordpol geschickt, sondern an eine der sieben Weihnachtspostfilialen in Deutschland. Die nächste an Stuttgart ist in Engelskirchen in Nordrhein-Westfalen.

Jeder Brief wird beantwortet

Seit mehr als dreißig Jahren werden hier jährlich die Briefe an Weihnachtsmann und Co. beantwortet. Und das sind nicht wenige. In diesem Jahr Jahr erreichten bereits tausende Briefe die Weihnachtspostfiliale in Engelskirchen. Die Briefe kommen aus der ganzen Welt, unter anderem Taiwan, Russland, Süd- und Mittelamerika – und aus Stuttgart. Trotz der großen Flut an Briefen ist eines garantiert: Jeder Brief wird beantwortet.

Den Antwortbrief gibt es in zehn verschiedenen Sprachen. Bei ganz besonderen Zusendungen setzen die Helferinnen und Helfer der Weihnachtspostfiliale auch mal einen persönlichen Brief auf.

Postfiliale gibt es seit über 30 Jahren

Aber was wünschen sich die Kinder von heute eigentlich? Britta Töllner ist Pressesprecherin der Weihnachtspostfiliale in Engelskirchen und weiß mehr: „Es sind immer noch die klassischen Geschenke wie ein Fußball oder eine Gitarre. Zusätzlich noch viel Zeit mit der Familie und viel für andere Kinder, denen es derzeit nicht so gut geht.“

Viele Wünsche zeigen, dass schon die Kleinen wissen, was in der Welt vorgeht: "Liebes Christkind, Plastikflaschen und Müll soll nicht mehr im Meer schwimmen, das ist ekelig", schreibt Basti. Der neun Jahre alte Symon aus Belgien appelliert: "Ich mache mir große Sorgen, dass so viele Kinder im Jemen sterben, weil sie Hunger haben. Bitte hilf ihnen, uns geht es so gut. Bitte, bitte."

Die Weihnachtspostfiliale entstand 1985. In der Weihnachtszeit trudelten vereinzelte Briefe im Postamt ein, die an das Christkind adressiert waren. Diese wurden nach Engelskirchen geschickt und dort beantwortet. Als aus den ein paar Briefen immer mehr wurden, gründete man die Weihnachtspostfilialen.

Bis zum 21. Dezember kann man seinen Wunschzettel noch an folgende Adresse einschicken.

An das Christkind

51777 Engelskirchen

Es werden übrigens nicht nur Wunschzettel von Kindern beantwortet. Die älteste Schreiberin bisher war eine 99-jährige Dame, die sich Gesundheit und ein langes Leben wünschte und dem Christkind ein Paar selbstgestrickte Socken gegen die kalten Füße beigelegt hatte.