„Wuschi“ Rohde über den VfB „Kaputtgelacht vor Freude“

Keine Träumer: Frank „Wuschi“ Rohde (rechts) und sein Co Andreas Schiemann Foto: StZ
Keine Träumer: Frank „Wuschi“ Rohde (rechts) und sein Co Andreas Schiemann Foto: StZ

Stuttgart - Frank „Wuschi“ Rohde ist der Wundermann des SV Falkensee-Finkenkrug. Er hat den Sechstligisten aus dem Hauptstadt-Speckgürtel zum Sieg im Brandenburg-Pokal geführt – gegen den übermächtigen Drittligisten SV Babelsberg 03. Der 52-Jährige Ex-Profi vom Hamburger SV und Hertha BSC erklärt dem Brustringer nun exklusiv, auf wen die VfB-Profis am Samstag in der ersten DFB-Pokal ganz genau aufpassen müssen.

Herr Rohde, gibt es am Samstag gegen den VfB eine Pokalsensation?

Hier träumt keiner von einer Sensation. Wir sind zwar alle ein bisschen bekloppt, aber wir wissen die Ausgangslage gegen den VfB genau einzuordnen. Wir freuen uns einfach riesig, dass wir gegen den VfB spielen dürfen. Ich werde den Jungs auch nichts zur Motivation sagen müssen. Sie werden um ihr Leben kämpfen, 90 Minuten lang laufen und sich richtig Mühe geben. Aber am Ende werden wir vom VfB ein paar Dinger kriegen. Selbst wenn der VfB nur 50 Prozent gibt, wird er gewinnen.

Es wird also nicht heimlich geträumt?

Die Auslosung ist doch schon wie ein Sechser im Lotto. Als damals unser Emblem neben dem des VfB aufgetaucht ist, haben wir uns alle kaputtgelacht vor Freude. Der VfB hat einen Namen, und sie haben eine riesen Rückrunde gespielt. Für uns ist das ein vorgezogenes Geschenk zum 100. Vereinsgeburtstag im nächsten Jahr. Wir werden so etwas nie wieder erleben.

Und der Rahmen soll ja auch sehr stattlich ausfallen.

Absolut! Mindestens 6500 Zuschauer werden in das kleine Schmuckkästchen Karl-Liebknecht-Stadion in Potsdam-Babelsberg kommen. Das wird ein Fest, ein Riesending! Der Wahnsinn! Und nach dem Spiel dürfen die Jungs die Trikots tauschen. Deshalb fangen wir aber doch nicht an zu träumen und zu spinnen. Die Sensation war ja schon, dass wir überhaupt den Brandenburg-Pokal gewonnen haben.

Wie haben Sie das denn geschafft?

Nicht mit fußballerischem Glanz, sondern mit bescheidenen Mitteln. Unsere Stärken sind der Teamgeist und der Zusammenhalt.

Auf wen müssen die VfB-Profis am Samstag besonders achten?

Wenn, dann nur auf mich! Im Ernst: Wir haben keine Supertalente im Kader, unser Torwart Stefan Demuth hat alle Mannschaften in der Jugend von Borussia Dortmund durchlaufen. Aber ansonsten haben alle Jungs eine Arbeit oder eine Ausbildung – und für sie ist Fußball die größte Nebensache.

Haben Sie das Team besonders vorbereitet?

Wir haben im Training nichts anders gemacht als sonst. Nur am Samstag werden wir uns etwas früher treffen, werden gemeinsam Nudeln essen gehen. Und dann bekommen wir ausnahmsweise einen richtigen Reisebus für die Fahrt nach Potsdam – damit sich die Jungs auch mal kurz wie echte Profis fühlen dürfen.

Hat der ganze Rummel die Mannschaft abgelenkt?

Nein, unser erstes Ligaspiel und die erste Partie im Brandenburg-Pokal haben wir gewonnen. Darauf bin ich stolz, denn das Drumherum ist jetzt schon anders. Normalerweise begleitet uns als Journalist immer nur unser Axel von der Märkischen Allgemeinen. Jetzt war am Donnerstag sogar ein Team von Sky da.

Woher kommt eigentlich ihr Spitzname Wuschi?

Ich habe als kleener Piepel in Rostock mit dem Fußballspielen angefangen – und hatte eben einen richtigen blonden Wuschelkopf. Ein Trainer hat dann gesagt: Ab sofort heißt du Wuschi! Seitdem nennen mich alle so, auch meine Kinder und meine Partnerin.

Überragende Geschichte. Und es gibt noch eine: Als Hertha-Profi wurde 1993 ein Eigentor von Ihnen als Tor des Monats ausgezeichnet. Die Medaille dafür haben Sie aber erst 18 Jahre später in Empfang genommen. Warum?

Da ist einiges zusammengekommen. Also, das Eigentor war ja ein Rückpass zu unserem Torhüter Walter Junghans. Er tritt über den Ball – und kullert ins Netz. Walter hat dann gesagt, er habe den Ball noch berührt und wollte deshalb die Medaille für das Tor des Monats abholen. Hat er dann aber doch nicht getan. Das war wie im Kindergarten. Schließlich ist die Medaille im ARD-Lager gelandet. Zum Jubiläum der Sportschau vor einem Jahr kam dann der Erfinder des Tors des Monats nach zu uns zum SV Falkensee-Finkenkrug und hat sie mir überreicht. Jetzt liegt die Medaille bei mir, ich weiß aber nicht wo.