Umstrittenes Pflanzenöl Ohne Palmöl geht es auch nicht

Von Sandra Markert 

Palmöl steht für die Rodung von Regenwäldern, für das Aussterben der Orang-Utans und für einen hohen CO2-Ausstoß. Die Umweltschutzorganisation WWF hat deshalb berechnet, ob es nicht umweltfreundlicher wäre, Deutschland mithilfe heimischer Pflanzenöle zu versorgen. Das Ergebnis überrascht.

Wie kleine rötliche Pflaumen sehen die Früchte der Ölpalme aus Foto: WWF
Wie kleine rötliche Pflaumen sehen die Früchte der Ölpalme aus Foto: WWF

Was ist Palmöl überhaupt?

Palmöl ist das weltweit beliebtste Pflanzenöl. Es ist sehr ertragreich und dadurch im Vergleich zu anderen Ölen billig. Außerdem ist Palmöl ein Alleskönner: Mal bringt es Schokolade zum Schmelzen, mal den Dieselmotor zum Laufen, mal entfernt es in Waschmittel Flecken aus der Kleidung. Palmöl findet sich in jedem zweiten Supermarktprodukt. Außerdem ist es ein beliebtes Futtermittel in der Intensivtierhaltung. Allein Deutschland verbraucht pro Jahr rund 1,8 Millionen Tonnen Palmöl.

Warum ist Palmöl so umstritten?

Die stetig wachsende Nachfrage nach Palmöl sorgt dafür, dass in den Hauptanbauländern Indonesien und Malaysia immer mehr Regenwälder abgebrannt werden, um stattdessen die lukrativen Ölpalmen anbauen zu können. Diese Rodung raubt Orang-Utans und Kleinbauern den Lebensraum und schadet dem Klima. Denn Regenwälder und vor allem die Torfböden, auf denen sie wachsen, speichern klimaschädliches Kohlendioxid (CO2). Bei der Abholzung wird es jedoch wieder freigesetzt.

Lässt sich Palmöl durch andere Öle ersetzen?

Ja, man könnte stattdessen mehr Kokos-, Soja-, Sonnenblumen- und Rapsöl nutzen. Die Probleme für das Klima werden dadurch jedoch nicht gelöst. Denn die aktuellen Berechnungen der Umweltorganisation WWF zeigen, dass ein Ersatz von Palmöl einen massiv höheren Flächenbedarf zur Folge hätte, weil andere Ölpflanzen nicht so ertragreich sind wie Palmöl. Würde nur Deutschland das Palmöl komplett durch heimische Ölpflanzen austauschen, müsste die Anbaufläche um 730 000 Hektar ausgeweitet werden. Das entspricht der doppelten Größe Mallorcas. Setzt man dagegen auf andere tropische Pflanzenöle wie Kokos- oder Sojaöl, wachsen diese in ähnlichen Regionen wie heute das Palmöl – brauchen aber noch mehr Anbaufläche. Dadurch würden die Emissionen von Treibhausgasen weiter ansteigen und noch mehr Tiere und Pflanzen gefährdet.

Was kann stattdessen getan werden, um die Palmölproblematik zu entschärfen?

Würden die Deutschen nur noch halb so viel Schokolade, Eiscreme, Fertiggerichte, Süß- und Knabberwaren sowie Fleisch essen und nur noch Biokraftstoff ohne Palmöl nutzen, ließe sich die Hälfte des deutschen Palmölbedarfs einsparen, rechnet der WWF vor. Für die andere Hälfte sollte den Umweltschützern zufolge nachhaltig produziertes Palmöl verwendet werden. Einige Nahrungsmittelkonzerne nutzen bereits Öl von zertifizierten Plantagen, doch vielen Umweltorganisationen gehen die Kriterien für den Anbau nicht weit genug, andere kritisieren fehlende Kontrollen.

Das Hauptproblem aber bleibt, dass Europa seinen Konsum noch so sehr einschränken und noch so viel nachhaltig produziertes Palmöl importieren kann. Solange die Hauptnachfrage aus Asien kommt, wo Palmöl zum beliebtesten Speisefett gehört und wo die Bevölkerung rasant wächst, wird die Rodung von Regenwäldern weitergehen.