WZG in Möglingen Die Genossen füllen besser ab

In Möglingen werden 15 000 Flaschen pro Stunde abgefüllt: Der Önologe Bernhard Idler setzt auf Qualität und Investitionen in neue Technik. Foto: factum/Granville
In Möglingen werden 15 000 Flaschen pro Stunde abgefüllt: Der Önologe Bernhard Idler setzt auf Qualität und Investitionen in neue Technik. Foto: factum/Granville

Die Weingärtner-Zentrale investiert vier Millionen Euro in eine neue Anlage, die die Tropfen in die Flasche bringt. Damit soll auch die Qualität der Württemberger gesteigert werden.

Böblingen: Kathrin Haasis (kat)
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Möglingen - Diesen Sommer herrscht drei Monate lang Stillstand bei der Württembergischen Weingärtner-Zentralgenossenschaft (WZG). Dann wird die Abfüllanlage, die sonst jeden Tag läuft, angehalten. Der Produktionsstopp dient allerdings nur dem Fortschritt: Die alte Maschine wird ausgemustert und durch eine rund 3,9 Millionen Euro teure Füllstraße ersetzt. „Das ist eine ganz entscheidende Schnittstelle“, erklärt Bernhard Idler die Investition. Es ist das zweite Großprojekt in der jüngeren Vergangenheit der WZG: 2010 bis 2012 wurde für 5,5 Millionen Euro der Keller auf den aktuellen Standard gebracht. „Es ist eine Frage der Wettbewerbsfähigkeit“, sagt der für Weinbau und Önologie zuständige Vorsitzende.

Neue Anlage soll die Qualität der Weine verbessern

Trauben von rund 2100 Hektar Weinbergen sind im vergangenen Jahr in Möglingen abgeliefert worden. Die WZG deckt damit ein Fünftel der Anbaufläche Württembergs ab. Rund 30 Millionen Liter Wein hat Bernhard Idler 2013 gekeltert. „Wir sind die umsatzstärkste Genossenschaft Deutschlands“, sagt der 51-Jährige. Ihr Ziel und Auftrag sei es, den Erzeugern von 40 voll und teilweise abliefernden Genossenschaften das Einkommen zu sichern und weiterzugeben. Die Weingärtner-Zentrale sei nichts anderes als Outsourcing: Sie übernimmt die Weinherstellung für ihre Mitglieder. Daraus leitet Bernhard ­Idler die Verpflichtung zur Innovation ab.

Die neue Abfüllanlage soll jedenfalls ­allerhand leisten. An erster Stelle steht eine Verbesserung der Qualität. Denn dank der neuen Technik kommt beim Abfüllen weniger Sauerstoff an den Wein. Das bedeutet beim Weißen zum Beispiel mehr Frische und eine längere Haltbarkeit. Außerdem spart die neue Anlage langfristig Geld, weil sie weniger Energie verbraucht und mehr leisten kann als die bisherigen 15 000 Flaschen pro Stunde. Sie bietet mehr Möglichkeiten für die Verpackung, etwa viele verschiedene Etikettenformate. Und mit Hilfe der Druckfülltechnologie können neben stillen Weinen auch kohlensäurehaltige Getränke abgefüllt werden – eine wichtige Option für die Geschmäcker von morgen.

„Wir sind ein innovativer Betrieb, der versucht, auf dem Laufenden zu sein“, sagt Bernhard Idler. Sein Ziel seien jedoch keine technischen Weine, sondern bessere Weine durch die Technik. Die WZG sei der erste Großbetrieb, der einen Deutschen Rotweinpreis erringen konnte, betont der Önologe. Der letzte Erfolg gelang im Jahr 2010 mit der Portugieser-Traube. Aber die Zentralgenossenschaft müsse eben sowohl in der Spitze als auch im Volumen für den Lebensmittelhandel, darunter die Discounter, Qualität liefern. „Und so wie der Wein in der Flasche landet, kommt er beim Kunden an“, sagt Bernhard Idler.

Im Sommer steht erst einmal alles still

Die alte Füllanlage stammt aus den 1980er und 1990er Jahren, die Ersatzinvestition stand an. Aus dem von der Europäischen Union bestückten Struktur- und Qualitätsprogramm Weinbau erhält der Betrieb einen Zuschuss von 770 000 Euro. „Das schätzen wir sehr, war aber nicht ­Basis der Entscheidung“, sagt der Vorsitzende. Die WZG hätte die Investition auch aus Eigenmitteln gestemmt. 625 000 Euro für die Sanierung des Gebäudes kommen hinzu. Dem Stillstand im Sommer bauen ­alle vor: Die Mitarbeiter legen bis dahin Sonderschichten ein. Wie in der Automobilbranche gibt es eine interne Vereinbarung – und im Sommer drei Monate frei.

In den Ferien und in der Hitze ist sowieso die füllärmste und verkaufsärmste Zeit für die Genossen. Wenn die Füllanlagen-Mitarbeiter im Herbst an ihren Arbeitsplatz zurückkehren, können sie gleich die Leistungsfähigkeit der neuen Anlage testen: Zwischen Oktober und Dezember sind sie am stärksten gefordert.




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