Xi besucht Trump China will die USA beerben

Donald Trump und Xi Jinping kennen sich noch nicht persönlich. Das ändert sich nun. Foto: AP
Donald Trump und Xi Jinping kennen sich noch nicht persönlich. Das ändert sich nun. Foto: AP

Je mehr Donald Trump sein „America first“ proklamiert, desto stärker positioniert sich China in der Rolle, die bisher den USA zugefallen war. Dahinter steckt ein klares Ziel, kommentiert Christian Gottschalk.

Politik/ Baden-Württemberg: Christian Gottschalk (cgo)
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Stuttgart - Als der chinesische Präsident Xi Jinping zum Abschiedsbesuch bei seinem scheidenden US-Kollegen Barack Obama vorbeischaute, da war der amerikanische Präsidentschaftswahlkampf in vollem Gange. Er würde diesem arbeitsplatzzerstörenden Chinesen kein Staatsbankett spendieren, höchstens einen McDonald’s-Hamburger, hatte der Kandidat Donald Trump damals getönt. Nun führt Präsident Trump den Kollegen sogar in sein Allerheiligstes nach Florida. Man muss nicht jedes seiner Worte auf die Goldwaage legen, das hat man nicht nur in Fernost gelernt, zumal Trump die Zweifel, die er an der Ein-China-Politik geweckt hatte, der zufolge Taiwan offiziell Peking zugeordnet wird, schnell wieder zerstreut hat. Allem Wahlkampfgetöse zum Trotz hat Trump später in Terry Branstad auch einen Mann als Botschafter nach Peking gesandt, der fast schon so etwas wie ein alter Freund von Xi Jinping ist.

Anders als Trump verfolgt Xi einen Plan

Die Sprunghaftigkeit des amerikanischen Präsidenten ist eine Gefahr für die gesamte Welt, insbesondere aber für China. Auch wenn inzwischen Japan zum größten Geldgeber der USA geworden ist, sind Peking und Washington wirtschaftlich weiter auf das Engste miteinander verwoben. Beide Seiten können mehr verlieren als gewinnen, wenn es zu Querschüssen kommt. Auf der anderen Seite ist gerade das impulsive Gehabe des US-Präsidenten eine Chance für die Chinesen. Anders als Trump verfolgt Xi Jinping einen Plan, der – zumindest offiziell – nicht das wirtschaftliche Wohl des eigenen Landes in den Mittelpunkt rückt, sondern das Wohlergehen der halben Welt. Das Projekt der neuen Seidenstraße, für das sich die Bezeichnung „one belt, one road“ durchgesetzt hat, kann einen ungeahnten Aufschwung nehmen.

Sechs Handelskorridore zwischen China und Europa sollen dabei entwickelt werden und den insgesamt 65 Anrainerstaaten zu Wirtschaftskraft und Wohlstand verhelfen. Seit 2013 wirbt Xi Jinping nicht nur eifrig für sein Anliegen, er stellt auch Milliardenbeträge zur Verfügung. Dem in Europa nur am Rande wahrgenommenen Projekt sprechen auch amerikanische Analysten das Potenzial zu, zur weltweit größten Plattform für wirtschaftliche Zusammenarbeit zu werden. Nicht völlig zu Unrecht bewirbt China das Ganze auch als Frieden stiftende Maßnahme. Und ganz nebenbei untermauert Peking damit seinen Anspruch auf eine Führungsrolle in einer multipolaren Weltordnung.

China schlüpft in die Rolle, die bisher von den USA ausgefüllt wurde

Es verschiebt sich etwas. Je mehr Donald Trump sein „America first“ proklamiert, desto stärker positioniert sich China in der Rolle, die bisher den USA zugefallen war. Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos hatte Xi Jinping ein fast schon leidenschaftliches Plädoyer für die wirtschaftliche Globalisierung gehalten. Den Vorwurf, dass China Spezialist darin sei, ausländischen Firmen das Leben schwer zu machen, griff Regierungschef Li Keqiang nun beim Nationalen Volkskongress auf und stellte bessere Bedingungen für ausländische Unternehmen in Aussicht. Zudem gibt Peking in Sachen Klimaschutz Gas, während Washington auf der Bremse steht. Zugegeben, das sind viele Worte, denen noch Taten folgen müssen. Aber das chinesische Denken hat sich schon immer an langen Zeitspannen orientiert. Ziel ist es nicht, die USA zu ersetzen, sondern als mindestens gleichwertige Macht neben ihr zu stehen.

Die unterschiedlichen Temperamente der beiden Staatenlenker bergen gleichwohl Konfliktpotenzial. Trump sucht die Öffentlichkeit, China Lösungen im Stillen. Das kann Streit provozieren, obwohl man in der Sache nicht weit auseinanderliegt. Beispiel Nordkorea. Dass China mit dem Gebaren des Diktators in Pjöngjang nicht einverstanden ist, hat es deutlich gezeigt, indem es die nordkoreanische Kohlelieferung blockiert. Ob Trump das richtig übersetzt, ist eine ganz andere Frage.




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