"Yantra" in Stuttgart Mit der Zeit und gegen die Zeit

Von Claudia Gass 

Wayne McGregors "Yantra" feierte seine Uraufführung im Stuttgarter Schauspielhaus. Eine nachhaltig beeindruckende Choreografie.

 Foto: dpa
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Stuttgart - Gebannt schauen die vom Gegenlicht der tief liegenden Scheinwerferleiste wie Schatten aus dem Halbdunkel herausgemeißelten zwölf Tänzerinnen und Tänzer auf das weiße Bild am hinteren Bühnenrand. Dort kreist ein kantiger großer Zeiger - nun explodieren die Tänzer förmlich in rasanten Soli, Duetten und Trios. Der Zeiger dreht sich vor und zurück, die Zeit ist gewissermaßen aus den Fugen in Wayne McGregors "Yantra", schließt Vergangenheit und Zukunft ein. Der Tanz während der knappen halben Stunde jedoch ist ganz gegenwärtig.

Und, in Anbetracht anderer Stücke des sonst oftmals von modernen Technologien faszinierten Choreografen, erstaunlich klassisch und puristisch: kein Video, keine computergenerierten Bilder, keine allzu extremen Körperverdrehungen, dafür viel hohes Bein, klare Linien und Ballettdrehungen. Auf der Bühne wirken lediglich das Licht, die Farbe Weiß und der Tanz. Das für McGregors Sprache typische vogelartige Vorstrecken des Kopfes und die gegenläufig verschachtelten Körperpositionen sind dann aber doch zu entdecken.

Nachhaltig beeindruckend


Nachdem der von Tanzkompanien in aller Welt umworbene Choreograf - Reid Anderson hatte ihn einst für die europäische Tanzszene entdeckt - zuletzt 2005 für das Stuttgarter Ballett eine Kreation entwickelt hat, hatte man schon geargwöhnt, er habe der Kompanie den Rücken gekehrt. Aber nun ist der originär Ballett und Zeitgenössisches amalgamierende Tanzschöpfer wieder da und hat zum neuen Ballettabend "McGregor/Elo/Clug" im Schauspielhaus eine der zwei Uraufführungen beigesteuert. Und zwar die spannendere und nachhaltiger beeindruckende.

Die phänomenal biegsame und mit dem Körper erzählende Alicia Amatriain ist die geborene Protagonistin für McGregors Stil und hat demzufolge einen herausgehobenen, großen Part in dem Stück. Was nicht heißen soll, dass die anderen Tänzer etwa weniger gut wären oder im Hintergrund stehen - ganz im Gegenteil.