Yellowjackets in Stuttgart Fusion-Jazz und die Kunst der klug gesetzten Pausen

Dane Alderson, Bob Mintzer, Russell Ferrante, William Kennedy Foto: Veranstalter
Dane Alderson, Bob Mintzer, Russell Ferrante, William Kennedy Foto: Veranstalter

Seit die Pandemie es zulässt, jagt ein Konzert-Highlight das nächste. Im ausverkauften Stuttgarter Club Bix haben nun die Yellowjackets einen spektakulären Auftritt hingelegt.

Kultur: Bernd Haasis (ha)
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Stuttgart - Fast fühlt es sich an wie früher im Stuttgarter Jazzclub Bix, das 2G-Modell erlaubt wieder ein volles Haus. 150 bestens aufgelegte Besucher bevölkern sitzend und stehend den Zuschauerraum und werden Zeugen eines denkwürdigen Konzertabends. Ein Jazz-Highlight jagt derzeit ja das nächste, nach der Zwangspause holen viele ihre Auftritte nach – doch der Abend mit der amerikanischen Fusion-Formation Yellowjackets hat eine ganz eigene Qualität.

Da brennen vier hochbegabte Musiker ein derart farbenfrohes Feuerwerk an gewitzten Melodien und verschachtelten Rhythmen ab, dass man nur staunen kann. Der Pianist Russell Ferrante (69), das einzige verbliebene Originalmitglied, führt in blumiger Klangpracht vor, was die Yellowjackets auszeichnet: Er eilt selten durch die Skalen und kostet stattdessen jeden Ton aus – die bewusst gesetzte kleine Pause macht einen großen Unterschied.

Komplexe Musik klingt hier ganz leicht

Der Saxofonist Bob Mintzer (68) bindet die Komplexität der Kompositionen mit großen Melodiebögen. Manchmal tut er das an einem stabförmigen „EWI“ („electronic wind Instrument“), einer Art Synthesizer-Klarinette mit singendem Sound, die ihren eigenen Reiz entfaltet. Immer wieder steigt der Bassist Dane Alderson (38) in Mintzers Linien ein, wenn er nicht gerade mit prägnant knurrendem Sound übers Griffbrett walkend Energie generiert oder in scheinbar leicht hingetupften Soli musikalische Universen öffnet.

Der Schlagzeuger Will Kennedy (64) schließlich ist ein Fall für sich. Wie ein Uhrwerk immer exakt auf dem maximal synkopierten Beat, umspielt er diesen permanent, geht gerne in Offbeats und wirbelt sich durch 1001 Variation des selben Grooves. Eigentlich vertrackte Musik klingt bei den Yellowjackets federleicht, bei ihnen lebt der Geist der Fusion-Jazz-Bewegung der 70er auf sehr zeitgemäße Weise fort.

Songs für „Star Trek“

Das Quartett aus Los Angeles war 1977 die Session-Band des Jazz-Gitarristen Robben Ford, von 1978 bis 1984 eine Band mit ihm. Nach mehreren Häutungen haben sie 1990 mit dem Einstieg Mintzers ihre heutige Form gefunden. In Momenten melodischer Klarheit klingen Stücke wie „Matinee Idol“ fast wie Musik für Serien und Filme – tatsächlich haben die Yellowjackets 1986 zwei Songs zum Soundtrack des „Star Trek“-Films „The Voyage Home“ beigesteuert.

Das Publikum im Bix ist hin und weg, erjubelt und erklatscht sich sogar beharrlich eine zweite Zugabe. Die Live-Musik ist zurück – und alle beteiligten können ihr Glück kaum fassen.




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