York-Club in Leinfelden-Echterdingen Zum 40. Geburtstag geht es nach York in Pennsylvania

Impression aus York Foto: York-Pennsylvania-Club

Eine Städtepartnerschaft, die auf dem Engagement eines Vereins basiert? In Leinfelden-Echterdingen ist das Realität: Der York-Pennsylvania-Club, der die Beziehungen zur gleichnamigen amerikanischen Stadt pflegt, feiert sein 40-jähriges Bestehen.

Jenny war extrem aufgeregt („most excited“). So beschrieb zumindest die York Twinning Association Ende April 1981 in einem Brief an das Schul-, Kultur- und Sportamt von Leinfelden-Echterdingen die Vorfreude der 16-jährigen amerikanischen Schülerin auf ihre bevorstehende Reise eben dorthin. Gut zwei Monate später kam Jenny als erste Yorker Austauschschülerin auf den Fildern an und durfte sich bald darauf ins Goldene Buch von Leinfelden-Echterdingen eintragen.

 

Die Fotos der Zeremonie befinden sich – wie der Brief aus York – auf den vorderen Seiten der jüngst erschienenen Festschrift „40 Jahre York-Pennsylvania-Club e.V.“ Dort steht auch, dass im Jahr 1980 das Kulturamt von Leinfelden-Echterdingen über das Institut für Auslandsbeziehungen in Stuttgart die Information erhalten hatte, dass zwei amerikanische Städte Interesse an einer Städtepartnerschaft in Süddeutschland bekundet hatten, unter anderem York.

Bis der Verein zur „Pflege des Schüler- und Erwachsenenaustauschs mit der Stadt York“ am 16. Januar 1984 gegründet wurde, bedurfte es freilich nach dem ersten Schüleraustausch einer Reise von sieben erwachsenen Schwaben in die anno 1741 von Einwanderern aus Württemberg, Baden und der Pfalz gegründete Stadt im südlichen Pennsylvania. Nicht nur bei der Inaugenscheinnahme des ältesten Hauses von York, des Gasthauses Goldener Pflug („Golden Plough Tavern“) spürte die Reisegruppe „herzliche Gastfreundschaft“.

Nach ihrer Rückkehr war ihr klar, dass das Austauschgeschehen unter dem Motto „people to people“ intensiviert werden sollte: „Aus unserer Begeisterung heraus gründeten wir den York-Pennsylvania-Club“ heißt es in der Festschrift.

Der alte und der neue Oberbürgermeister sind persönlich involviert

Es sollte weitere fünf Jahre dauern, bis 1989 die offizielle Städtepartnerschaft zwischen Leinfelden-Echterdingen und York besiegelt wurde: „Das besondere dieser Städtepartnerschaft ist bis heute, dass sie nicht von der Stadtverwaltung getragen wird, sondern von uns, dem York-Club“, heißt es in der Festschrift. Städtische Beteiligung sei gleichwohl hoch willkommen. Roland Klenk, bis vor kurzem Oberbürgermeister von Leinfelden-Echterdingen, habe etwa zu Hause Gäste aus York beherbergt. Otto Ruppaner, der neue OB, wird an der zehntägigen Erwachsenenreise nach York teilnehmen, die am 29. August beginnt und alle vier Jahre stattfindet.

Für Ulrich Wurster, den Vorstand des York-Clubs, wird dies die vierte Reise nach Pennsylvania sein. York sei eine „gediegene mittelstädtische Region“, so beschreibt er die 45 000-Einwohner-Stadt, von der aus man sowohl Washington im Süden als auch Philadelphia im Osten in rund zwei Stunden mit dem Auto erreichen kann. „Dort lernt man amerikanisches Leben noch originär kennen“, berichtet Wurster.

Kaffee und Kuchen beim Krautfest

Zwei Schüleraustausche finden jährlich statt, auf die Erwachsenenreise gen Westen folgt stets ein Jahr später der Gegenbesuch der Amerikaner, und neulich beim Festessen zum 40-jährigen Bestehen des York-Clubs fanden sich sowohl der neue Oberbürgermeister als auch sein Amtsvorgänger in der Gaststätte Hirsch in Echterdingen ein. Das städtische Wohlwollen ist dem Verein ebenso wichtig wie die Gewinnung neuer Mitglieder – auch mittels Vereinsleben jenseits der Reisen über den großen Teich.

Diesbezüglich werden beispielsweise – außer alljährlich Kaffee und Kuchen beim Krautfest – für die rund 120 Mitglieder und die interessierte Öffentlichkeit Vortragsveranstaltungen angeboten, die sich aus heutiger Perspektive durch eine verblüffende Zeitlosigkeit auszeichnen: „Abstimmung per Mittelfinger? Amerika im Präsidentschaftswahlkampf“ hieß ein Vortrag, zu dem der York-Pennsylvania-Club in die Echterdinger Zehntscheuer eingeladen hatte – das war im Jahr 2016.

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