Youtube-Star in Böblingen „MrWissen2go“ in der Schule ist ein Jackpot
Millionen Menschen kennen ihn von Youtube, in Böblingen haben Schüler Mirko Drotschmann nun live erlebt. „MrWissen2go“ hat sich auch dort als guter Lehrer erwiesen.
Millionen Menschen kennen ihn von Youtube, in Böblingen haben Schüler Mirko Drotschmann nun live erlebt. „MrWissen2go“ hat sich auch dort als guter Lehrer erwiesen.
Normalerweise kennt man Mirko Drotschmann aus Youtube-Videos, im Hemd oder auch mal im T-Shirt, vor einem einfarbigen Hintergrund mit informativen Einblendungen. Schüler der in Böblingen bekamen „MrWissen2go“ jetzt einmal anders zu sehen: Ohne Hintergrundbild, ohne Kameras – live und in ihrer Schule.
Auf seinem Youtube-Kanal „MrWissen2go“ erklärt Mirko Drotschmann seit mehr als zehn Jahren sowohl historische Ereignisse als auch aktuelle Entwicklungen und ordnet diese ein. Allein auf Youtube werden seine Videos teils mehrere Millionen Mal angeklickt. Seinem Kanal folgen knapp 2,4 Millionen Menschen.
Dem 39-Jährigen, der auch bei „Terra X“ moderiert, ist es wichtig, auch direkt mit seinen jungen Zuschauern ins Gespräch zu kommen, die ein wichtiger Teil seiner Zielgruppe sind. Deshalb ist er inzwischen seit mehreren Jahren an Schulen im ganzen Land unterwegs. „Dieses Jahr besonders häufig“, meint er im Vorfeld der Veranstaltung im Gespräch mit unserer Redaktion. Das Thema in Böblingen: Fake News, deren Entstehung und die Folgen für die Gesellschaft. „Demokratiebildung ist ein enorm wichtiges Thema“, ist Mirko Drotschmann überzeugt.
Genauso sieht das Shqipe Stocker, Lehrerin für Deutsch und Geschichte an der Mildred Scheel Schule und Organisatorin des prominenten Besuchs. Sie und Drotschmann kennen sich aus ihrer Jugend, wo sie gemeinsam in der Nähe von Karlsruhe auf die Schule gegangen sind. Aus ihrer Sicht seien Besuche von externen Fachleuten ein regelrechter Jackpot für die Jugendlichen. In diesem Fall sowieso: „Wir möchten keine Schüler entlassen, die nicht mit den Themen Politik und Demokratie konfrontiert wurden“, betont Stocker.
Der Raum, in dem Drotschmann gleich vor die Schüler der zweijährigen Berufsfachschule tritt, ist bereits rappelvoll, mehrmals müssen weitere Stühle aus anderen Räumen geholt werden. „Oha, Sie sind wirklich da“, staunt ein junger Mann, als er an dem Journalisten vorbeigeht. Der bietet den Zuhörern wenige Minuten später das „Du“ an. „Sonst fühle ich mich so alt.“ Überhaupt gibt er sich sehr nahbar, trifft eine gute Gesprächsebene mit den 16- bis 20-Jährigen. Von Besserwisserei keine Spur: Freimütig gibt Drotschmann zu, dass er selbst genauso schon auf Fake News oder auf Clickbait hereingefallen sei. Jüngst erst, als er zahlreiche Videos ansah, die vermeintlich Einblicke in die Dreharbeiten von „Titanic“ gaben – und sich später als KI-generierte Fakes herausstellten.
So harmlos geht es in Sachen Falschnachrichten aber nicht immer zu. Insbesondere dann, wenn Bilder oder Videos verbreitet werden, die einzelne Menschen oder eine ganze Bevölkerungsgruppe fälschlicherweise in ein schlechtes Licht rücken, wird es gefährlich, betont Drotschmnann. Egal, ob diese Bilder und Videos durch KI generiert sind oder einfach in einen falschen Kontext gesetzt werden: „Wenn Fake News einmal in der Welt sind, bekommt man sie nur schwer wieder weg.“ Ein Effekt, der sich vor allem durch soziale Medien extrem verstärkt.
Aber woran kann man erkennen, dass es sich bei einer Nachricht, einem Bild, einem Video um ein Fake handelt? Hier gelte es vor allem, auf die Details zu achten, rät „MrWissen2go“. Fallen die Schatten richtig? Stimmen die Proportionen? Und ist die Quelle der Nachricht seriös? „Man sollte niemandem sofort alles glauben.“ Ein hilfreiches Werkzeug beim Faktencheck könne „Google Lens“ sein, wo man Bilder hochladen kann, um an Erklärungen zu deren Ursprung zu gelangen.
In der anschließenden Fragerunde interessiert die Schüler vor allem Mirko Drotschmann selbst. Wie lange braucht er für ein Video? Welchen Fußballverein mag er? Hat er schon mal einen Shitstorm kassiert? Der 39-Jährige antwortet geduldig, steht hinterher noch für Selfies parat.
„Es war eine sehr gute Veranstaltung“, sagen drei Schüler, die vor dem Raum beieinanderstehen. „MrWissen2go“ kannten sie schon von den Videos. Sie konnten einiges aus dem Vortrag mitnehmen, sind sie sich einig. Und werden künftig potenzielle Falschnachrichten mit anderen Augen betrachten.
Videostar
Mirko Drotschmann, Jahrgang 1986, wächst bei Karlsruhe auf, studiert Geschichte und Kulturwissenschaften und arbeitet später als Radiomoderator und Zeitungsautor. Nach einem Volontariat beim SWR moderiert er von 2014 bis 2017 die ZDF-Kindernachrichtensendung „logo!“ und seit 2020 die Sendung „Terra X“. Als „MrWissen2Go“ erreicht er auf Youtube, Instagram und mittlerweile auch TikTok monatlich mehrere Millionen Aufrufe.
Verdienstvoll
2023 wird er für sein Engagement mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland geehrt.