Youtuber aus Stuttgart-Riedenberg Weltweite Klickerfolge mit Lego-Filmchen

Von Caroline Holowiecki 

Der 17-jährige Carl Schlauer produziert professionelle Youtube-Clips mit Plastikfigürchen. Inzwischen hilft die ganze Familie mit. Ein Besuch im Studio des Stuttgarter Schülers, das sich an einem ungewöhnlichen Ort befindet.

Carl Schlauer stellt aktuell Szenen aus der Serie „Stranger Things“ nach. Foto: Holowieck/i
Carl Schlauer stellt aktuell Szenen aus der Serie „Stranger Things“ nach. Foto: Holowieck/i

Riedenberg - Millionen Fans weltweit können es nicht erwarten. Die dritte Staffel der erfolgreichen US-Mystery-Serie „Stranger Things“ ist ausgelaufen. Wie wird es nach der quälenden Pause weitergehen? In Riedenberg erfährt man es. Dort dreht Carl Schlauer die Vorschau auf die heiß erwarteten neuen Folgen. Aktuell steckt er mitten in den Arbeiten zu einem zweiminütigen Film. Die Handlung entstammt der Fantasie des 17-Jährigen, und die Hauptdarsteller kommen aus dem Lego-Karton.

Bis zu 24 Bilder ergeben eine Sequenz von einer Sekunde

Carl Schlauer, Elftklässler am Geschwister-Scholl-Gymnasium, stellt für sein Leben gern bekannte Filmszenen mit den Kunststoffwinzlingen nach. Die Ergebnisse sind hochprofessionell. Die englischen Dialoge stammen aus den Originalszenen, die Handlung dreht er mit der sogenannten Stop-Motion-Technik. Das heißt: Er stellt die Legofigur auf, schießt mit der Kamera ein Bild, bewegt sie weiter und macht ein neues Bild, und schließlich wird alles digital zusammengebastelt. Bis zu 24 Bilder ergeben dann eine Sequenz von gerade mal einer Sekunde. Schließlich wird der Rest am Computer animiert. Zwei bis drei Monate dauert es, bis ein Clip im Kasten ist. Dennoch sind bereits etliche Filme entstanden, vor allem zu Vorlagen aus der Comicschmiede Marvel. Und sie kommen gut an. Bald 800 Abonnenten hat Carl Schlauers Youtubekanal „CS Studios“. Seinen größten Erfolg hat der junge Filmemacher bislang mit seiner nachgestellten Vorschau zu „Avengers: Infinity War“ gefeiert.

Weit mehr als 350 000-mal wurde der Clip schon angeklickt, und vor allem deshalb, weil es lange Zeit der einzige Youtube-Beitrag zu diesem Hollywood-Kassenschlager war. „Der echte Trailer war nur ein, zwei Tage online und wurde dann gesperrt. Ich war so schlau, ihn zuvor herunterzuladen.“ Der Schüler ahmte das Original mit der echten Tonspur und Lego nach, stellte seine Version ins Internet – und erntete einen Klickerfolg samt viel Zuspruch aus der ganzen Welt. „Das ist total motivierend“, sagt der Autodidakt.

Der „Avengers“-Trailer ist sein bislang größter Erfolg

Das Hobby nimmt längst die halbe Riedenberger Wohnung ein. Carl Schlauers „Filmstudio“ befindet sich in einem Regal im Flur. Die anderen Familienmitglieder stört das nicht. Im Gegenteil. „Lego spielt eine große Rolle – für alle“, sagt er. Sowohl sein Bruder als auch die Eltern sind große Fans der kleinen Steine. Zusammen wird gebaut und getüftelt. Auf dem Fensterbrett ist ein Mini-Weihnachtsmarkt aufgebaut, Sammelfiguren aus Disney-Filmen, aus Star Wars oder die geschrumpfte Nationalelf schmücken das Esszimmer, im Kinderzimmer nimmt ein gigantischer Tisch mit Lego-Städten von London bis Hogwarts einen zentralen Platz ein.

Die ganze Familie hilft mit

Beim Kreieren der fantastischen Filmchen packt die gesamte Familie Schlauer an. Die Musik spielt der Papa bisweilen auf dem Klavier ein, der elfjährige Bruder Leo bewegt die Figuren nach den Bleistiftskizzen, die als Vorlagen an der Wand hängen, die Mama sprüht die Bäume mit Kunstnebel aus der Dose ein. „Wir haben ein gemeinsames Ziel“, sagt Kirsten Schlauer. Geschichten werden im Familienverbund erfunden, Kulissen werden gemeinsam gebastelt. Und Ideen hat Carl Schlauer noch jede Menge, etwa Szenen aus „Fluch der Karibik“, „Matrix“ oder „Mission Impossible“. Die Schlauers sind begeisterte Filmfans. Hunderte DVDs stehen im Wohnzimmer, „das ist eine Rieseninspiration“.

Für seine Leidenschaft schlägt sich Carl Schlauer mitunter die Nächte um die Ohren. Längst dreht er auch mit Menschen. Urlaubsfilme oder ein Hochzeitsvideo hat er schon gestaltet. Logisch, dass es später mal an ein Studium in Sachen Schnitt, Animation oder Kamera gehen soll, am liebsten an der Filmakademie in Ludwigsburg. Bewerbungsmaterial hat er immerhin schon reichlich.

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