Zachersmühle Adelberg Vier Jahrzehnte erfrischende Kultur

Ein großes Team und jede Menge gute Laune: Beim großen Geburtstagsfest hat sich das Personal zum Gruppenfoto in und vor der Pergola im Biergarten versammelt. Foto: Giacinto Carlucci

Die Zachersmühle bei Adelberg ist eine Institution mit Kultcharakter. Gastronomie und Kultur gehen hier seit vier Jahrzehnten Hand in Hand.

Wenn Herbert Klöpfer die Anekdote von den Lachsäcken erzählt, bleibt kein Auge trocken. Es war die Zeit, in der die Zachersmühle bei Adelberg die sogenannten Pechvogel-Partys veranstaltete. Immer an Freitagen, die auf einen 13. fielen, saßen die Gäste in der Gaststube zusammen, um sich gegenseitig von Pleiten, Pech und Pannen zu erzählen.

 

Lachsäcke zur Sicherheit

Weil Herbert Klöpfer, genannt „Hebe“, nicht so recht wusste, wie witzig die Geschichten seiner Kundschaft sein würden, kaufte er vorsorglich für die Premiere einen ganzen Sack voller Lachsäcke, damit notfalls diese die gewollte Heiterkeit bringen könnten. Hebe hatte aber die Rechnung ohne einen besonderen Spaßvogel unter den Gästen gemacht, der so rasend lustige Geschichten zum Besten gab, dass bis spät in die Nacht gelacht wurde, was das Zeug hielt. Auf dem Sack mit den Lachsäcken blieb Hebe also sitzen, „ich hatte die noch jahrelang und wusste nicht, was ich mit denen machen sollte“, erzählt der 72-Jährige, der nach wie vor Vorsitzender des Kulturförderkreises der Zachersmühle ist.

Kultur von Anfang an

Apropos Kultur: Die gab es in der Zachersmühle von Anfang an. Und dass dies so bleiben sollte, darin waren sich die Gründer des Projekts immer einig. Herbert Klöpfer, seine Frau Angelika Holzer, deren Bruder Uli Holzer und Hans Giedat, alle Anfang 30, waren im März 1985 auf eine Anzeige in der NWZ gestoßen: Die Mühle, deren Mahlbetrieb 1962 stillgelegt worden war, stand zum Verkauf. Das war die Gelegenheit. Das alte Anwesen, das im Zuge der Klosterverarmung im 16. Jahrhundert vom Kloster Adelberg an die Familie des Zacharias Weymüller verkauft worden war, schien für die vier jungen Menschen der perfekte Ort zu sein, um ihre Lebensvorstellungen zu verwirklichen. „Wir waren auf der Suche nach einem Ort für gemeinsames Wohnen und Arbeiten“, sagt Hebe Klöpfer. Alle seien damals in einer „Umbruchsituation“ gewesen. „Wir fanden alles toll, was neu, explosiv und kraftvoll in die Zukunft ging“, erzählt Klöpfer.

Wobei sich das alles gar nicht so einfach gestaltete. „Wir waren in den Anfangsjahren fast immer pleite, aber es war immer wichtig, dass es weitergeht“, erinnert sich Klöpfer. Angelika Holzer ist dann in die Gastronomie eingestiegen, sie konnte gut die Strippen ziehen, Klöpfer, der vor dem Start in der Zachersmühle schon als Künstler und Musiker unterwegs war, kümmerte sich um das Kulturprogramm. Und um so vieles, dass die Menschen, die die Zachersmühle seit dem 12. Mai 1985 kennen und lieben, mit dem Ort in Verbindung bringen: Theater und Kabarett, viele Konzerte (auch Hubert von Goisern war da), Technopartys, Tanzkurse, Rosenmontagspartys, das Lichterfest, den Markt der Sinne, lauschige Sommerabende im Biergarten, die Mühlen-Discos, der Last-Minute-Weihnachtsmarkt und über Jahre hinweg – bis 2019 – das Open-Air-Kino auf der großen Wiese.

Neben Kultur gibt es jetzt auch Esel-Trekking

Es war immer alles voller Leben, Tatendrang und Fantasie. „Die Mitarbeiter haben alle mitgemacht, vor allem in den ersten 20 Jahren“, erzählt Angelika Holzer. Herbert Klöpfer hat für die Gäste ein großes Lob parat: „Es entstanden auch immer gute Verbindungen.“ Auch für Angelika Holzer steht fest: „Für mich ist das Ziel, das ich hier erreichen wollte, erreicht. Die Mühle ist ein Ort, an dem sich die Menschen frei und angenommen fühlen.“ Das Rezept des Erfolgs? „Wir waren nie starr, sondern immer beweglich und haben uns mitentwickelt.“

Veränderungen hat es im Lauf der vier Jahrzehnte viele gegeben. Harald Walz (59), der seit einigen Jahren mit seiner Frau auch in der Mühle wohnt, ist seit 2007 an Bord, hat das viel nachgefragte Esel-Trekking aufgebaut und kümmert sich um alle Tiere.

Eine besondere Aufnahme: Das Foto entstand am 12. Mai 1985 und zeigt das Eröffnungsfest in der Zachersmühle. Foto: Zachersmühle

Die Zachersmühle am Fuß des Schurwalds ist längst zu einem kleinen Bauernhof geworden – sehr zur Freude der vielen Familien, die hier vor allem an den Wochenenden mit oder ohne Fahrrad vorbeischauen. Inhaberin der Mühlen-Gastronomie ist nach wie vor Angelika Holzer. Doch inzwischen ist Susanne Klingauf die Geschäftsführerin. Auch die 43-Jährige gehört seit Langem zur Familie der Zachersmühle, seit 13 Jahren ist sie als Köchin an Bord.​

Auch ein Pfau war Stammgast

Geschichte
 Zur Geschichte der Mühle gehören auch die beiden schlimmen Hochwasser 1985 und 1987. Da sah es nicht gut aus für den Betrieb, aber auch diese Krisen wurden überstanden. Und manche Gäste hören heute noch den fröhlichen Schrei des Pfaus, der viele Jahre lang ein Stammgast in der Mühle war. Zu bestimmten Tageszeiten kam er aus der Nachbarschaft angeflogen und stolzierte neugierig durch den Hof oder saß auf dem Dach.

Party
 Auch in diesem Sommer gibt es die beliebten Open-Air-Mühlen-Discos. Dreimal steigt die große Party. Los geht es am kommenden Freitag, 27. Juni. Weiter geht es am Freitag, 18. Juli, und Freitag, 8. August. Beginn ist jeweils um 20.30 Uhr. Die DJs Micha und HaPe haben aktuelle Tracks genauso im Gepäck wie die guten Klassiker – dem Tanzvergnügen steht nichts im Weg. Und falls es doch von oben mal nass wird? Macht auch nichts, gegroovt wird unterm Zelt.

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