Zählungen in Stuttgart Autoverkehr an Stadtgrenze nimmt leicht zu

Von Josef Schunder 

Die Zahl der Autos, die nach Stuttgart fahren oder hinaus, ist im Vergleich zur Zählung 2016 leicht gestiegen – um 0,9 Prozent. Das ist wenig, aber es reicht, um im Rathaus einen Streit über die Verkehrspolitik auszulösen.

Über die B 27 – hier bei Möhringen –  pendeln besonders viele Autofahrer in die Landeshauptstadt hinein (links) und wieder hinaus. Foto: Michael Steinert
Über die B 27 – hier bei Möhringen – pendeln besonders viele Autofahrer in die Landeshauptstadt hinein (links) und wieder hinaus. Foto: Michael Steinert

Stuttgart - Ein Rückgang des Autoverkehrs, der wegen der teilweise überhöhten Luftschadstoffwerte notwendig ist und Bewohnern der Innenstadt willkommen wäre, ist in Stuttgart zumindest an der Stadtgrenze nicht zu beobachten. 2018 sei bei der Entwicklung „eine schwarze Null“ zu verzeichnen gewesen, sagte der städtische Chefverkehrsplaner Stephan Oehler jetzt bei der Vorlage von Kfz-Zahlen, die am 16. Oktober an der Stadtgrenze ermittelt und dann aufwendig ausgewertet worden waren. Den ganzen Tag über habe man damals 911 611 Kfz ermittelt, davon fast genau gleich viel stadtein- und stadtauswärts. Die Zunahme gegenüber dem Stichtag im Jahr 2016 betrage 0,9 Prozent.

Verkehrszahlen für den Talkessel stehen noch aus

Und dies, obwohl 2018 schon Fahrverbote für ältere Diesel drohten, viele Debatten um überhöhte Luftschadstoffwerte und um Klimaschutz liefen und der öffentliche Nahverkehr verbessert wurde? Immerhin, sagte Oehler im Umwelt- und Technik-Ausschuss, habe sich die Zunahme der Einwohnerzahlen in Stadt und Region nicht in einer großen Erhöhung der Zahl der Kfz-Fahrten an der Stadtgrenze niedergeschlagen. Vielmehr in der Fahrgastentwicklung des öffentlichen Nahverkehrs. Oehler räumte aber ein: Ein noch höheres Verkehrsaufkommen sei eigentlich nur noch außerhalb der Hauptverkehrszeit möglich. „Die Auslastung der Straßen ist größtenteils erreicht.“ Nachts beobachteten die Verkehrszähler tatsächlich auch 20,7 Prozent mehr Transporter mittlerer Größe, den kompletten Tag über nur ein Prozent mehr. Der Schwerverkehr lag nachts zwischen 22 und 6 Uhr um 8,2 Prozent höher, insgesamt ging er etwas zurück.

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Die Zahlen verraten aber noch wenig über die neueste Lage im Talkessel. Die Belastung dort spielt in der politischen Debatte freilich eine besondere Rolle. Hier will OB Fritz Kuhn (Grüne) die Zahl der Autos mit Auspuff um 20 Prozent senken, um die Luftqualität zu verbessern und den Verkehrsstress zu verringern. Im Mai 2019 sind auch am Kesselrand die Autos gezählt worden. Diese Auswertung wird aber noch Monate dauern. Zuletzt war das Kfz-Aufkommen am Kesselrand weiter leicht gesunken: von rund 397 000 im Jahr 2015 auf rund 393 000 im Jahr 2017. Die spannende Frage ist, ob und wie schell sich die Verbesserungen im öffentlichen Nahverkehr wie die Tarifreform zum 1. April auswirken.

CDU fordert Umfahrungsstraßen

Die CDU wollte nicht mehr warten, um bisherige Maßnahmen wie das Parkraummanagement – also Parkgebühren – und den Abbau von Stellplätzen im Zentrum für unzureichend zu erklären. Damit habe man die gewünschten Effekte im Sinne von 20 Prozent weniger Verkehr nicht erreicht, sagte Philipp Hill. Das Ziel sei jetzt nur noch mit Umfahrungsstraßen zu erreichen. Hill forderte ein Ende der „Realitätsverweigerung“ im Rathaus, erntete aber Kritik: Jede neue Straße erzeuge zusätzlichen Verkehr, sagte Björn Peterhoff (Grüne). Martin Körner (SPD) kritisierte, die CDU fordere mindestens immer einen Umfahrungsstraßentunnel zu viel: den so genannten Ostheimer Tunnel zwischen der Uferstraße am Neckar und dem Gebhard-Müller-Platz. Körner erneuerte seine Forderung nach mehr Pförtnerampeln. Jürgen Zeeb (Freie Wähler) und Michael Conz (FDP) mahnten mehr P+R-Anlagen an, gerade in der Region. Dafür zeigte Christoph Ozasek (Linke) Sympathie, kritisierte aber den Ausbau von Parkplatz- und Tiefgaragenstellplätzen im Stadtgebiet. Er und die Grünen erinnerten die CDU an ihr schlechtes Ergebnis bei der Gemeinderatswahl. Die Wähler wollten eine neue Mobilitätskultur und eine „Entgiftung“ der Stadt, sagte Ozasek. Die CDU habe im Rathaus neuerdings noch weniger Chancen für ihre Verkehrspolitik.

Im Streit um Umfahrungen gab Verkehrsplaner Oehler wenige Hinweise. Auf der B 10 am Neckar gebe es „weniger als zehn Prozent Durchgangsverkehr“, auf der B 14 vielleicht bis zu 15 Prozent. Viel Verkehr entstehe durch Gewerbegebiete an diesen Achsen. Den Anteil auf der innerstädtischen B 14 ermittle man bald.

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