Die Zahl der Geflüchteten, die in Altbach ein Dach über dem Kopf benötigen, steigt. Die Gemeinde möchte deshalb ein neues Gebäude in Modulbauweise errichten.

Kriege und Krisen toben an den Toren Europas. Nach der Aufnahme durch den Landkreis sind nach einigen Monaten die Kommunen für die Unterbringung der Geflüchteten zuständig. In Altbach wird die Gemeinde dieser Aufgabe unter anderem durch das Anmieten privaten Wohnraums gerecht. Allerdings schätzt das Rathaus, dass diese Möglichkeit in den kommenden Monaten nicht mehr genügen wird. „Es ist dringend notwendig, dass wir Wohnraum schaffen“, sagt Achim Krämer, der beim Ordnungsamt für die Unterbringung von Geflüchteten zuständig ist.

Zurzeit müssten rund 40 Menschen aus der Ukraine in Altbach von der Gemeinde untergebracht werden. Für sie seien Wohnungen angemietet worden. Bis zum Jahresende könnte sich die Zahl auf 70 erhöhen. „Der Strom reißt nicht ab“, so Krämer. Die Kreisverwaltung habe die Kommunen bereits eindringlich auf die Notwendigkeit zur weiteren Flüchtlingsaufnahme hingewiesen, erklärt er. Inzwischen laufe die Aufnahme der Geflüchteten aber geordnet. „Am Anfang war es relativ chaotisch.“

Flucht über die Balkanroute

Neben den Geflüchteten, die seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine Ende Februar nach Altbach kamen, müssten weiterhin jene Menschen untergebracht werden, die über andere Wege wie die Balkanroute nach Deutschland flüchteten. Daran erinnert der Bürgermeister Martin Funk. „Wir sind in Zugzwang, etwas zu machen“, sagt er.

Eine Aufnahme von 70 Menschen aus der Ukraine sei bis Jahresende zwar möglich. „Aber es wird ja nicht besser“, betont Krämer. Ein Ende des Krieges in der Ukraine sei derzeit kaum absehbar. Hinzu komme, dass die bisherigen Mietverträge jeweils auf ein Jahr abgeschlossen worden seien. Nicht alle Mietverträge werden verlängert. „Als Gemeinde sind wir sehr dankbar, dass wir von Seiten der Bevölkerung Wohnungen vermietet oder zur Verfügung gestellt bekommen, damit wir den Menschen in Not ein Obdach, eine Wohnmöglichkeit bieten können“, erklärt der Altbacher Bürgermeister.

Um den weiteren Bedarf an Wohnraum kurzfristig zu decken, soll nun östlich des Bauhofes im Gebiet Kieswiesen, zwischen der Industriestraße und dem Neckar, ein Gebäude mit mehreren Wohneinheiten in einer Modulbauweise errichtet werden. Von der Modulbauweise erhofft sich die Gemeinde einen kostengünstigen Bau, der mit einer kurzen Planungs- und Bauzeit bis Mitte des nächsten Jahres erstellt werden kann. Die Standzeit wird mit mindestens fünf Jahren angegeben. Die Wohneinheiten sollen Platz für sechs bis acht Personen bieten. Zunächst sollen rund 30 Menschen dort wohnen können. Für das neue Gebäude rechnet die Gemeinde mit Kosten von rund 1,2 Million Euro. Falls eine Aufstockung um ein zweites Stockwerk nötig werden sollte, könnten bis maximal 59 Menschen dort leben.

Gemeinde sucht nach weiteren Gebäuden

Darüber hinaus möchte die Gemeinde prüfen, wie zwei weitere Gebäude für die Unterbringung von Geflüchteten genutzt werden könnten. Das Ergebnis dieser Prüfung soll in einer der kommenden Gemeinderatssitzungen vorgestellt werden.

Neben der geplanten neuen Unterkunft gibt es bereits eine Unterkunft für Geflüchtete, in welcher derzeit 23 Menschen wohnen. Die ehemalige Unterkunft des Landkreises an der Industriestraße wurde von der Gemeinde Altbach für die Anschlussunterbringung übernommen. Dass es für die Integration der Menschen nicht ideal ist, viele Geflüchtete räumlich eng beieinander unterzubringen, ist der Gemeindeverwaltung bewusst. „Für eine gute Integration ist eine dezentrale Unterbringung insgesamt sinnvoller als eine zentrale, dies lässt sich jedoch leider nicht immer realisieren“, erklärt der Bürgermeister Funk. Das Zusammenleben von Menschen aus unterschiedlichen Kulturräumen in schwierigen Lebenssituationen auf engem Raum berge Konfliktpotenzial. Er wolle dies aber nicht als „Persilschein“ verstanden wissen, so Funk. „Wie überall gibt es solche und solche“, sagt er.

Vorübergehender Schutz

Zahlen
  Derzeit sind 78 Geflüchtete in Altbach von der Gemeinde untergebracht. Rund die Hälfe davon kommt laut Gemeindeverwaltung aus der Ukraine. Laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) kamen die meisten Asylanträge in diesem Jahr von syrischen Staatsangehörigen, gefolgt von Menschen aus Afghanistan sowie aus der Türkei.

Kriegsflüchtlinge
Ukrainischen Staatsangehörigen wird vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge grundsätzlich empfohlen, keinen Asylantrag zu stellen. Deshalb tauchen sie in der Statistik zu den Asylanträgen nicht auf. Ein Asylantrag ist für Ukrainer weder zur Sicherung eines Aufenthaltsrechts noch zur Inanspruchnahme sozialer Leistungen erforderlich. Als Kriegsflüchtlinge erhalten sie eine sogenannte Aufenthaltsgewährung zum vorübergehenden Schutz. Bisher hat Deutschland rund eine Million Menschen aus der Ukraine aufgenommen.