Zahl der Oldtimer steigt erneut „Käfer, Ente und Co. gehen immer“

Von dpa/red 

Ein schicker historischer Porsche 911 oder ein liebevoll gepflegter Käfer: Die Zahl der Oldtimer auf Deutschlands Straßen hat zugenommen. Die Hoffnung auf eine Wertsteigerung kann aber trügerisch sein.

Das Geschäft brummt: Die Hamburger Oldtimer-Händler Claus und Britta Mirbach   in ihrem „MG - Modell TC“ von 1947. Foto: dpa/Christian Charisius
Das Geschäft brummt: Die Hamburger Oldtimer-Händler Claus und Britta Mirbach in ihrem „MG - Modell TC“ von 1947. Foto: dpa/Christian Charisius

Flensburg/Hamburg - Es muss nicht immer Hightech sein: Auf Deutschlands Straßen sind erneut mehr Oldtimer unterwegs. Am 1. Januar 2020 waren nach Angaben des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) in Flensburg 595 046 Oldtimer zugelassen. Das sind 10,9 Prozent mehr als zum Stichtag 2019. Den mit Abstand größten Anteil bildeten mit 88,4 Prozent die Pkw (526 002). 52 399 der Fahrzeuge waren 60 Jahre und älter. Am 1. Januar 2019 hatten 43 000 Oldtimer 60 Jahre oder mehr auf dem Buckel. Einen möglichen Grund für den seit Jahren zu verzeichnenden Anstieg sieht das KBA darin, dass die Alltagsautos der 1970er und 1980er Jahre – zum Beispiel der Golf 1, Opel Kadett, Mercedes 180er und 220er – in großer Stückzahl gebaut wurden, gut erhalten sind und sich deshalb für ein „H“ qualifizieren.

Der Buchstabe am Ende des Kfz-Kennzeichens steht für „historisches Kulturgut“. Die Gefährte müssen mindestens 30 Jahre alt sein sowie einen guten und originalen Erhaltungszustand aufweisen. bedarf es frühzeitig guter Pflege und Wartung. Für den Halter kann das H-Kennzeichen Vorteile bei Versicherung und Kfz-Steuer haben, außerdem dürfen Fahrzeuge mit einem H-Kennzeichen in Umweltzonen fahren.

Als reine Wertanlage ungeeignet

Claus Mirbach beschäftigt sich seit den 1950er Jahren mit Oldtimern, er betreibt in Hamburg einen Oldtimer-Handel und organisiert auch Rallyes. Für ihn und seine Frau Britta sind es die „wunderschönen historischen Formen, die einfache Mechanik, die schönen Veranstaltungen“, die sie an den alten Gefährten faszinieren. Ihrer Erfahrung nach gibt es mehrere Kriterien, die einen Oldtimer zum nachgefragten Objekt machen: Ist es eine Rarität? Stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis? Außerdem spiele eine Rolle, was man selbst aus der eigenen Jugend oder dem Familienumfeld kennt: „Käfer, Ente und Co. gehen immer“, sagt Claus Mirbach.

Einen Oldtimer als reine Wertanlage zu kaufen, lohnt sich seiner Ansicht nach nicht. „Ein historisches Automobil ist immer ein Hobby, genau wie ein Pferd oder ein Boot“, sagt er. Der Wertzuwachs sei immer vom Einzelobjekt abhängig, vom Zustand, der Historie, der Seltenheit. Zudem verursachten die Fahrzeuge laufende Kosten für Werkstatt, Versicherung, Unterstellung und Ersatzteile. Und man müsse seinen Oldtimer auch fahren: „Die übelsten Schäden kommen immer, wenn der Wagen nur steht.“ Wer dies alles bedenke, den Wagen immer fahre und regelmäßig warte, könne sein Geld wieder erlösen oder mit Glück, wie an der Börse, auch mal deutlich mehr bekommen. Aber: „Für wen die Rendite im Vordergrund steht, der sollte die Hände von diesen Objekten lassen.“

Es gehört dazu, auch mal liegen zu bleiben

Das glaubt auch Fritz Cirener, beim Verband der Automobilindustrie (VDA) zuständig für das Thema historische Fahrzeuge. In einigen Fällen könne es zwar so wirken, als sei ein Oldtimer eine gute Wertanlage, sagt er, doch „eine Blendung durch Versteigerungserlöse besonderer Klassiker ist häufig der Fall. Wenn Sie Stand-, Betriebskosten und Inflation einrechnen, ist Ernüchterung angesagt, weil die vermeintliche Wertsteigerung hierin oft verpufft.“ Generell habe sich der Trend bei der Wertentwicklung deutlich verlangsamt.

Nach der Oldtimer-Studie 2017/18 des Instituts für Demoskopie Allensbach in Zusammenarbeit mit dem VDA ist der durchschnittliche Oldtimerbesitzer männlich (90,4 Prozent) und 54,7 Jahre alt. Er besitzt 1,6 Oldtimer, mit denen er im Jahr 1740 km fährt. Mehr als 20 Prozent sind demnach in einem Oldtimerclub organisiert. Die Studie 19/20 ist nach Angaben Cireners aufgrund der Corona-Situation noch nicht erschienen.

Weniger statistisch fasst Britta Mirbach zusammen, was einen typischen Liebhaber von Oldtimern ausmacht: „Er hat den Bazillus veteranicus und lebt mit und für seine Schätze.“ Und ganz wichtig: „Man muss Spaß am langsamen Fortbewegen haben und mit Schwierigkeiten umgehen können.“ Denn man bleibe auch schon mal liegen, sagt die Oldtimer-Enthusiastin: „Wer sich schämt, seinen 80 Jahre alten Fiat Balilla nach dem Eisessen vorm voll besetzten Eiscafé anschieben zu müssen, der sollte es lassen.“




Unsere Empfehlung für Sie