Zahnradbahn Eine Hommage an die Zacketse

Von Heike Armbruster 

Die Zahnradbahn kennen sie so gut, wie kaum ein anderer. Das haben Uli Luipold, Klaus Käppler und Hannes Münch im Theater Rampe mit Witz und Wissen bewiesen.

  Foto: Martin Stollberg
  Foto: Martin Stollberg

S-Süd - „Da krieg’ ich Angst, mit der fahr’ ich lieber nicht“, soll Unternehmergattin Antonie von Siemens einmal beim Anblick der Zacke gesagt haben. So zimperlich waren Uli Luipold, Klaus Käppler und Hannes Münch mit Sicherheit nie. Von Kindesbeinen an kennen und lieben die drei Stuttgarter das Rattern der Zahnradbahn. Aufgewachsen an der Weinsteige und auf dem Haigst, haben sie ihre ganz eigenen Erfahrungen mit dem Transportmittel gemacht.

Ihre Erinnerungen teilten sie am Samstagabend mit 170 Zuhörern im Theater Rampe. Der ehemalige Tal-Bahnhof in der Filderstraße war genau der richtige Ort, um über die Zacketse zu philosophieren. Wohlgemerkt über die Zacketse und nicht die Zacke. Eine Feinheit, auf die die drei Herren großen Wert legten, schließlich war Zacketse der Name, den die Stuttgarter ursprünglich ihrer Zahnradbahn gegeben hatten; die kürzere, zackigere Version diente der Werbung.

Bei Überfüllung musste die Jugend laufen

1884 in Betrieb genommen, war die Verbindung zwischen Stuttgart und dem Bauern- und Wengerterdorf Degerloch noch als Bahn für einige Luftschnapper verspottet worden, erzählte Luipold den Theaterbesuchern. Doch schnell setzte sie sich als Transportmittel durch. Nach dem Ersten Weltkrieg sei die Zacketse sogar so beliebt gewesen, dass bei Überbesetzung junge Fahrgäste unter 20 Jahren nicht mitgenommen wurden, so Käppler. Doch nicht nur im Personenverkehr setzte sich die Zacketse durch, bis 1978 transportierte sie auch Güter vom Tal hinauf.

Mit der Zacketse kamen aber auch die Häuslebauer an die Weinsteige, die bis dato einzig das Gasthaus Wielandshöhe vorzuweisen hatte. Und so wurde die Zacketse zur Familienbahn, bei der Schaffner und Zugführer bestens über das Leben ihrer Passagiere informiert waren. Luipold, Käppler und Münch erinnern sich nur zu gut daran, dass sie morgens immer zehn Pfennig bekamen, um den Rückweg zur Schule mit der Zacketse fahren zu können. „Allerdings kostete auch ein Schäumle zehn Pfennig“, erinnerte sich Münch an eine Zwickmühle, in der er als Schulbub häufiger steckte und nicht selten habe er dem Schäumle den Vorzug gegeben und sei die Weinsteige hinaufgelaufen.

In ihrer Kindheit hatten sich die drei aber auch nicht selten als Trittbrettfahrer versucht. Eine Herausforderung, die den ehrgeizigen Jungen oft genug gelang – und ihnen schließlich den Titel für ein Programm lieferte, das weit mehr war als ein Überblick über die Technik und Historie der Zahnradbahn. In „Die drei Trittbrettfahrer“ gaben Luipold, Käppler und Münch einen Überblick über das Leben mit der Zacke und über die Weggefährten der Zahnradbahn – unter denen Philosophen, Politiker und Künstler jeder Denkrichtung vertreten waren. Eine Stunde, die so voll gepackt war mit Humor und Wissen, dass es sich dafür mehr als lohnte, die erste Halbzeit des EM-Fußballspiels zwischen Portugal und Deutschland zu verpassen.

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