ZDF darf Punk-Konzert nicht abhalten Eklat um Feine Sahne Fischfilet

Im März 2018 ist die stets umstrittene Punkband Feine Sahne Fischfilet zuletzt in Stuttgart im Wizemann aufgetreten. Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Im März 2018 ist die stets umstrittene Punkband Feine Sahne Fischfilet zuletzt in Stuttgart im Wizemann aufgetreten. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Im Haus der Stiftung Bauhaus Dessau zeichnet das ZDF regelmäßig Konzerte auf. Nun hat die Stiftung dem Sender einen Termin mit der Punkband Feine Sahne Fischfilet untersagt. Man fürchtet wohl vor allem die Gegenaktionen der Rechtsradikalen.

Kultur: Thomas Klingenmaier (tkl)

Dessau - Ob Feine Sahne Fischfilet nun eine vorbildlich gegen Rechtsradikale engagierte Punkband sie oder selbst üble Beispiele linksradikaler hetze liefere, darüber wird schon lange gestritten. Nun gibt es einen Eklat: Die Stiftung Bauhaus Dessau hat dem ZDF unter Verweis auf ihr Hausrecht Veranstaltung und Aufzeichnung eines Konzerts von Feine Sahne Fischfilet in ihren Räumen untersagt. Der Auftritt der Punker hätte am 6. November im Rahmen der Reihe zdf@bauhaus stattfinden sollen, in der im Lauf der vergangenen sieben Jahre über 100 Musiker und Bands zu Gast waren, darunter Gentleman, Rea Garvey, Silbermond, Sido, Bap, Samy Deluxe, Glasperlenspiel, Erdmöbel und Boss Hoss.

Die Absage klingt zunächst wie eine grundsätzliche Distanzierung von Feine Sahne Fischfilet. Das Bauhaus Dessau, lassen die Verantwortlichen wissen, sei ein „Ort für alle Menschen unabhängig von Herkunft, Geschlecht und Nationalität. Politische extreme Positionen, ob von rechts, links oder andere finden am Bauhaus Dessau keine Plattform, da diese die demokratische Gesellschaft – auf der auch das historische Bauhaus beruht – spalten und damit gefährden.“

Rechtsradikale machen mobil

Das Drumherum aber lässt ahnen, dass man gar nicht vor der Band selbst zurückschreckt, sondern vor deren manierlicheren und unmanierlicheren Gegnern. Die Staatskanzlei Sachsen-Anhalt hatte die Einladung der Punker durch das ZDF als „kaum bis nicht nachvollziehbar“ getadelt. Vor allem aber hatten Rechtsradikale im Internet gegen das Konzert, das wie alle Events der Reihe in fast intimem Rahmen vor rund 100 Zuhörern stattgefunden hätte, mobil gemacht. Ausdrücklich verweist die Stiftung auf einen Aufmarsch von circa 120 Neonazis und Rechtsradikalen vor dem Bauhaus im März 2017. Man wolle nun nicht wieder „zum Austragungsort politischer Agitation und Aggression werden“.

Das ZDF hat die Absage des Konzerts ausdrücklich bedauert und mitgeteilt, man plane „weiterhin die Aufzeichnung eines Konzerts zum aktuellen Album der Band, das dem Sendungskonzept entsprechend in Moderationen und Interviews journalistisch eingebettet wird. Nach einem alternativen Veranstaltungsort wird derzeit gesucht.“

Von den Nazis einst geschlossen

Die Stiftung Bauhaus Dessau definiert sich als „eine künstlerisch-wissenschaftliche Stiftung, deren Aufgabe es ist, das Bauhaus in seinen Ideen und Themen lebendig zu erhalten und zu vermitteln. Die Stiftung arbeitet historisch reflexiv und fragt zeitgleich nach der heutigen Relevanz und den gegenwärtigen Potenzialen, die sich aus dem Bauhauserbe für das 21. Jahrhundert ableiten lassen.“

Die Hochschule für Gestaltung in Dessau war während der Weimarer Republik das Zentrum der Bauhausbewegung. Die Nazis errangen in der Dessauer Stadtversammlung noch vor ihrer Machtergreifung im gesamten Deutschen Reich die Mehrheit und setzten im September 1932 die Schließung der Hochschule für Gestaltung durch. Im August 1933 gab auch Mies van der Rohe, der das Bauhaus in Berlin noch eine Weile als Privatinstitut zu führen versucht hatte, unter dem Druck der Nazis auf.




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