ZDF-Familienshow Die Welt ist ungerecht

Kultur: Ulla Hanselmann (uh)
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Mütter hingegen sind Emotionsbündel, die nah am Wasser gebaut haben, wenn ihnen ihre Familie demonstriert, wie „perfekt“ und „toll“ sie doch sind. Um dies zu belegen, ließen die ZDF-Showstrategen jeweils Mann und Kinder heimlich einen Popsong für die liebe Mami umtexten, der dann mithilfe von Tim Bendzko in einem Tonstudio eingesungen wurde; die Performance wurde der nichts ahnenden Mutter in der Show per Video vorgeführt. Deren Augen standen schon unter Wasser, bevor der gesungene Liebesbeweis überhaupt abgespult wurde. Ergo: Beim Thema Geschlechterrollen ist die Familienunterhaltung des ZDF scheinbar im vorvergangenen Jahrhundert stehengeblieben.

Und dann lernt das Publikum noch etwas anderes – allerdings nichts, was es nicht schon wüsste. Dass die Welt nämlich ungerecht ist, weil nicht nur der im Leben weiterkommt, der viel leistet. Diese Lektion wird mithilfe von sogenannten Emo-Bändern erteilt. Die Zuschauer haben die Dinger vor Sendungsbeginn um ihre Handgelenke geschnallt bekommen, damit sie dort Hauttemperatur und -widerstand, Muskelspannung, Herzfrequenz und Puls messen können, womit angeblich „wissenschaftlich“ belegbar wird, welche der Familien das Publikum am meisten begeistert.

Damit bleibt den Laudanns die Teilnahme am finalen Familienduell (Baumeln an der Metallstange) verwehrt, denn mit ihrem „Teamgeist, ihrer Leidenschaft, ihrer Performance, ihrer Kaltschnäuzigkeit, ihrer Liebe“, so Gätjen, kamen sie minimal weniger gut an als die Maybachs und Leumanns. Welch bittere Pille! Die neunjährige Laudann-Tochter Maja ist untröstlich. Auch wenn es zynisch klingen mag: Ihre unkalkulierten, ehrlichen Tränen sind der beste Moment der ganzen Show.




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