ZDF Kulturkanal Sogar zur Hauptsendezeit innovativ

Von Katharina Sorg 

Seit vier Wochen ist der neue Kulturkanal des ZDF als Nachfolger des Theaterkanals auf  Sendung. Zeit für eine erste Bilanz.  

Viermal Pegah Feridony: die Kulturpalast-Moderatorin ist wandelbar. Foto: ZDF
Viermal Pegah Feridony: die "Kulturpalast"-Moderatorin ist wandelbar. Foto: ZDF

Stuttgart - Alles ist jung bei ZDF Kultur. Die Sprache, die Moderatoren und die Sendeformate. So weit der erste Eindruck. Junge und Junggebliebene will das ZDF bei ihrem täglichen Kulturkonsum abholen - so ist es von Seiten des Senders zu hören. Dem ZDF ist die Sache ein echtes Anliegen, denn bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten wird das Publikum immer älter, der Zuschauernachwuchs schwindet.

Die Frage lautet daher, ob dem neuen Kanal das Kunststück gelingt, junge Leute zum Einschalten zu bewegen? Der Sender hätte eine Chance verdient, wartet er doch mit sehenswerten Formaten auf. Verglichen mit dem, was zur abendlichen Sendezeit auf anderen Kanälen zu sehen ist, dürfte das Umschalten zum Kulturkanal zunächst einmal keine Überwindung kosten, auch wenn dort nicht alles von gleicher Qualität ist. Täglich zur "Tagesschau"-Zeit gibt es den "Marker", das Nachrichtenmagazin mit Überblicks- aber keineswegs Vollständigkeitsanspruch. Hier tritt eine Schwäche des Senders deutlich hervor: ein bisschen zu originell und ein wenig zu innovativ möchten die Sendungsmacher sein, und gehen damit das Risiko ein, dass alles manchmal doch sehr bemüht wirkt.

ZDF Kultur inszeniert eigene Konzerte

Die Brücke zum Vorgängersender, dem ZDF Theaterkanal, baut das 30-minütige Magazin Kulturpalast, das jeden Donnerstag um 20.15 Uhr zu sehen ist. Die Moderatorin Pegah Ferydoni macht einen guten Job, einige ARD-Zuschauer werden sie vielleicht noch aus der Vorabendserie "Türkisch für Anfänger" kennen. Der Sänger Moby, die Schriftstellerin Juli Zeh und der Selbstversuch der Moderatorin bei einem Theaterprojekt sind die Themen einer der ersten Sendungen. Auch eine andere Moderatorin macht ihre Sache professionell. Katrin Bauerfeind wahrt in ihrer Sendung "Bauerfeind" am Sonntagabend eine angenehme ironische Distanz. Popkultur lautet ihr Auftrag, Literatur, Film und Politik sind ihre Themen. An diesem Abend führt sie unter anderem ein Gespräch mit Olli Dittrich. 3Sat-Zuschauern ist das Format allerdings bekannt - Bauerfeind wurde mit ihrer Sendung schlicht in den neuen Kulturkanal umgesiedelt. Sie ist damit nicht die Einzige. Der Kulturkanal macht Platz für gute Formate zur Hauptsendezeit. So wurde mit TV Noir ein erfolgreiches Internetformat ins Fernsehen gehoben.

Der Moderator Tex Drieschner führt im Netz bereits seit 2009 durch das in schwarz-weiß gesendete Stelldichein von Sängern und Songwritern. Im Smoking mit Gitarre eröffnet er vor Publikum die Fernsehpremiere. Zwei musikalische Gäste geben eigene Songs, aber auch Interpretationen anderer bekannter Lieder zum Besten und plaudern zwischendurch mit dem Moderator auf der Couch. Wenn Annett Louisan, nur mit Gitarre begleitet, "Auf dich habe ich gewartet" singt, dann muss man sagen: Ja, auf dieses Format hat man im Fernsehen gewartet. Der Schwerpunkt Popmusik ist damit auch etwas, was ZDF Kultur von derzeitigen Programmangeboten im deutschen Fernsehen unterscheidet. Die Ankündigung des Senders, im Sommer zehn Musikfestivals live zu übertragen, dürfte alle Daheimbleiber freuen.

ZDF Kultur inszeniert aber auch eigene Konzerte. Bei "Berlin live" spielen drei Bands im ehemaligen Club Tresor, an den Start gegangen ist der Sender mit der schwedischen Band Mando Diao. Das Format ZDF@Bauhaus holt Künstler für eine Konzertreihe auf die Bühne im Bauhaus in Dessau, darunter Gentleman, Patrice, Silly oder Jupiter Jones. Das Spannende an ZDF Kultur sind also vor allem jene Formate, die den Sprung aus dem Internet ins Fernsehen geschafft haben, und Sendungen, die nun nicht mehr mitten in der Nacht laufen, sondern zur Hauptsendezeit zu sehen sind. Für neue Formate bedeutet das eine echte Chance. Und womöglich ist dieses Angebot ein Ansporn für junge Fernsehmacher und junge Fernsehzuschauer.