ZDF-Moderatorin Gundula Gause „Ich freue mich über jeden Mann im Team“

Gundula Gause Foto: imago images/teutopress

Gundula Gause ist seit 30 Jahren Co-Moderatorin beim „heute journal“. Im Interview spricht sie über die Veränderungen im Nachrichtengeschäft und verrät, in welchem Bereich das ZDF die Nase ganz vorn hat.

Am 8. Februar 1993 war Gundula Gause zum ersten Mal als Co-Moderatorin im „heute journal“ zu erleben. Im Interview erklärt die 57-Jährige, was sich bei der Gleichstellung von Frauen getan hat und wie die Nachrichtenauswahl funktioniert.

 

Frau Gause, 30 Jahre „heute journal“: Ist die Zeit für Sie wie im Fluge vergangen?

Einerseits natürlich! Mir geht es wie vielen Menschen, die sagen: „Wo ist nur die Zeit geblieben?“ Andererseits sind 30 Jahre fast ein halbes Leben. Das ist schon eine Strecke Zeit.

Täuscht der Eindruck, dass man in den letzten Jahren besonders viele schlechte Nachrichten verkraften musste?

Diese Frage stellt sich mir oft. Leider ist es, wie man immer so schön sagt, „systemimmanent“, dass Nachrichten sich auf Katastrophen fokussieren: Kriege, Krisen, Konflikte, Probleme, Herausforderungen, Verwerfungen, aber auch Naturkatastrophen und Klimawandel. Ob das jetzt in den letzten Jahren wirklich verstärkt so ist? Damit beschäftigt sich die wissenschaftliche Forschung vielfach. Man denkt häufig, dass sich Entwicklungen weiter verschärfen, gerade in der jeweiligen Zeit, die man erlebt und in der besondere Herausforderungen zu bewältigen sind. Aber klar: Aktuell erleben wir eine besondere Dimension an Katastrophen und Krisen – durch die Überlappung der Folgen der Pandemie und des andauernden Krieges. Diese russische Aggression im Europa des 21. Jahrhunderts wird oft als „barbarischer Zivilisationsbruch“ beschrieben, was ich auch so empfinde.

Welche Kriterien sind entscheidend, ob eine Nachricht den Weg in die Sendung findet oder nicht?

Die Relevanz ist ausschlaggebend. Das Ereignis muss eine Bedeutung für die Gesellschaft haben. Viele Aspekte und Puzzleteilchen ergeben am Ende ein großes Bild, die jeweils in ihrer Relevanz zu bewerten sind. Schließlich gilt es, kritisch und unabhängig, sachlich und objektiv zu differenzieren, wovon man am Ende des Tages verlässlich Kenntnis haben sollte, um in dem durch das Internet gegebenen Informationsangebot Orientierung zu finden und das Weltgeschehen informiert verfolgen zu können.

Wie hat der Siegeszug der neuen Medien Einfluss auf Ihre Arbeit genommen?

Enorm. Die Digitalisierung insgesamt hat meine Arbeit wirklich stark verändert. Ich habe zu einer Zeit angefangen, in den Medien zu arbeiten, in der es zunächst nur wenige Fernsehprogramme gab. Dann kamen die privaten Sender. Ich war noch zu Zeiten in der Redaktion tätig, als man die Agenturmeldungen noch per Papier auf den Schreibtisch gebracht bekam. Jetzt läuft natürlich alles digital ab, und der Informationsfluss ist schneller. So ist es aber einmal mehr eine elementar wichtige Aufgabe, Informationen und Sachverhalte zu prüfen. Die journalistische Arbeit hat sich nicht verändert. Die bleibt im Kern gleich. Es geht darum, Themen zu erkennen, sich in ihnen zu orientieren, verschiedene Perspektiven auf ein Thema zu werfen, verschiedene Meinungen zu reflektieren und in die Berichterstattung einzubauen, aber eben jede Stellungnahme, jeden Fakt und Aspekt kritisch auf seinen Wahrheitsgehalt zu überprüfen und in der Komposition zu einer unabhängigen, objektiven Berichterstattung zusammenzufügen.

Hat sich die Gleichstellung von Frauen in Ihrem Arbeitsumfeld in den vergangenen 30 Jahren deutlich zum Positiven verändert?

Auf jeden Fall. Es ist mittlerweile so, dass ich mich über jeden Mann im Team richtig freue. Wir haben absolute Gleichberechtigung und viele Frauen in Führungspositionen. Da ist das ZDF ganz vorne. Es läuft!

Wo sehen Sie bei den Öffentlich-Rechtlichen Reformbedarf?

Das ist eine große Frage, die Sie einer kleinen Redakteurin stellen. (lacht) Ich kann nur sagen, dass Reformen schon lange laufen. Strukturen werden permanent entschlackt. Es werden Synergien herbeigeführt, sei es auf personeller oder auf technischer Ebene. Wir haben Kooperationen mit der ARD bei großen Sportereignissen, zuletzt bei der Fußball-WM. Wir teilen uns Studios und Kosten. Ich weiß, dass wir diesen Weg weitergehen, auch in Bezug auf die Frage, was wir aus dem linearen Fernsehgeschäft in die digitale Online-Welt umschichten, so dass die Kosten weiterhin im Zaum gehalten und zurückgeführt werden.

Hilft Ihnen Ihr Gottvertrauen, nicht in Pessimismus zu verfallen?

Es ist eher so, dass er Teil meiner konstruktiven Grundhaltung ist. Darin erstreckt sich auch mein Glauben, der für mich wie ein Koordinatensystem ist. Für mich als Laie ist der Glaube ein Wertesystem, das ich als sehr wichtig für den Zusammenhalt der Gesellschaft empfinde, weil da gewisse Grundüberzeugungen von Menschenwürde, Nächstenliebe und Engagement für die Nächsten mitschwingen. Das Christentum ist für mich eine große Idee, die eine lange Geschichte über 2000 Jahre hat und die eine Kulturbasis darstellt, aus der sich über Jahrhunderte hinweg Gutes entwickelt hat. Dass es in diesen Strukturen auch Verwerfungen gab und gibt, die aktuell zu einem enormen Glaubens- und Vertrauensverlust geführt haben, wissen wir. Lange Rede, kurzer Sinn: Der Glaube gehört zu meinem Leben, ist aber nicht ausschlaggebend für meine Arbeit in den Medien.

Nachrichtenfrau und evangelische Christin

Karriere
 Gundula Gause, Jahrgang 1965, hat an der Pariser Sorbonne Französisch und später in Mainz Politikwissenschaft, Publizistik und Geschichte studiert.  Seit 1989 ist die gebürtige West-Berlinerin als Moderatorin und Redakteurin der „heute“-Sendung regelmäßiger Gast in den Wohnzimmern der Republik. Am 8. Februar 1993 war die 57-jährige zum ersten Mal als Co-Moderatorin im „heute journal“ zu erleben.

Glaube
Die zweifache Mutter ist gläubige evangelische Christin. Seit 2016 tritt sie auch als Reformationsbotschafterin für die evangelische Kirche in Deutschland anlässlich des 500. Jahrestages der Reformation auf.

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