ZDF-Reportage über Spielerfrauen Im Kopf von Cathy Hummels

Von Tilmann P. Gangloff 

Eine „37 Grad“-Reportage über Spielerfrauen will den Glamour von Cathy Hummels nutzen und sich gleichzeitig davon distanzieren: „Plötzlich im Flutlicht“ läuft am Dienstag im ZDF.

Stuttgart - Mehmet Scholl hat irgendwann zum Besten gegeben, im nächsten Leben wolle er Spielerfrau bei Bayern München werden. Falls dies auch das Bestreben von Cathy Hummels gewesen sollte, hat sie ihr Ziel nach dem Wechsel ihres Gatten Mats zum Rekordmeister erreicht. Frau Hummels dürfte derzeit die berühmteste Vertreterin ihrer Zunft sein, woran sie dank ihrer Medienpräsenz einen kräftigen Anteil hat. Vermutlich hat sie die Anfrage, in einer Reportage über Spielerfrauen mitzuwirken, als Chance erkannt, ihr Image zu verbessern. Als Dank dafür hat ihr die Autorin Ursula Hochreiter mehr oder weniger den ganzen Film gewidmet. Das ist zwar clever, weil Cathy Hummels dem „37 Grad“-Beitrag viel Aufmerksamkeit bescheren wird, aber auch etwas unseriös, weil die beiden anderen Mitwirkenden zu Nebenfiguren degradiert werden.

Immerhin ist die bodenständige Katja Baumgart ein guter Gegenentwurf. Sie ist die Frau des früheren Hansa-Rostock-Profis Steffen Baumgart, der heute einen Berliner Regionalligisten trainiert. Seine Gattin Katja arbeitet im Fanshop von Union Berlin. Dass Steffen keine „Homestory“ erlauben wollte, bezeichnet die Autorin als „Star-Allüre“, was eigentlich eine Frechheit ist. Trotzdem sorgt das seit knapp zwanzig Jahren verheiratete Paar für die schönste Szene des Films, als Steffen seine Frau und Tochter mit einer unerwarteten Liebeserklärung zu Tränen rührt.

Arbeit an der Kunstfigur

Mit derart viel Emotionalität ist bei Cathy Hummels nicht zu rechnen, weil sie, wie Hochreiter ein bisschen pikiert anmerkt, nichts dem Zufall überlässt. Die naheliegende Frage, ob die Person, die Cathy Hummels der Öffentlichkeit präsentiert, eine Kunstfigur ist, stellt sie allerdings nicht, dabei läuft die gesamte Selbstpräsentation just darauf hinaus. Trotzdem tut das Porträt so, als tummele es sich im Kopf seiner Protagonistin: Wie bei „37 Grad“ üblich, erzählt der Kommentar ständig, was sie denkt, fühlt und anstrebt: „Cathy will raus aus der Rolle des schönen Anhängsels.“ Dass dabei gern nur vertraulich der Vorname genannt wird, suggeriert eine Nähe, die Cathy Hummels, wenn Hochreiter recht hat, gar nicht zulassen würde. Der Film ist ohnehin seltsam ambivalent: Schon mit dem ersten Satz („Mal wieder im Mittelpunkt: Cathy Hummels“) versucht die Autorin, sich von dem Aufmerksamkeitsphänomen zu distanzieren, das sie sich doch selbst zunutze macht.

Bei der Dritten im Bunde ist der Titelzusatz „Vom Leben als Spielerfrau“ komplett unzutreffend, denn Samira Samii ist Beraterin. Seltsamerweise hält sie es aber für opportun, wie eine Spielerfrau aufzutreten: Übertrieben geschminkt wirkt sie wie jemand, der überraschend zu Geld gekommen ist, dabei legt sie ausdrücklich Wert auf Seriosität. Weil es bei „37 Grad“ immer menscheln muss, kommt ihre Rolle als Frau in einer Männerwelt nur am Rande zur Sprache. Dabei wäre es interessant gewesen zu erfahren, wie Samii es geschafft hat, sich im Profifußball zu etablieren. Stattdessen geht es um die Eifersüchteleien, welche die Frauen ihrer Klienten an den Tag legen. Hochreiter fallen ohnehin nur Phrasen ein, um die Beraterin zu charakterisieren („Sie verbindet Klischee mit Köpfchen“). Dass Fragen zu ihrem Privatleben tabu sind, findet die Autorin zickig, wie der pikierte Tonfall der Sprecherin nahelegt.

Weil Katja Baumgarts Glamourfaktor entschieden zu niedrig ist, geht’s wieder zurück zu Cathy Hummels, die sich mit ihrer Schwester trifft. Geschwister der Protagonisten sind für die Reihe ebenso obligat wie ein Kommentar, der gern Betulichkeiten vermittelt oder direkt aufs Bild textet: Cathy Hummels will „sich endlich freischwimmen“, heißt es; dazu zeigt Hochreiter schwimmende Enten. Immerhin hat sich Hochreiter einen Kalauer verkniffen: Wenn Baumgart nach Vereins-Interna gefragt wird, schweigt sie zwar, aber keineswegs „eisern“. Andererseits: Womöglich kennt die Autorin den Fanschlachtruf „Eisern Union“ schlicht nicht.




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